Eine Frau erhält eine Standpauke durch den Chef. Miese Vorgesetzte können auf Dauer sogar krankmachen.

Miese Vorgesetzte! Was läuft hier schief?

Im Idealfall sind Vorgesetzte kompetente Führungskräfte, die ihren Mitarbeitern klare Ziele vorgeben, Motivation verbreiten und stets mit bestem Beispiel vorangehen. Die Realität sieht für viele Arbeitnehmer jedoch weniger rosig aus. Als Ritter der Transparenz am Arbeitsplatz haben wir mal genauer nachgeforscht: In welchen Unternehmen kannst du dir den Chef zum Verlieben abschminken? Und was sind die Folgen eines mangelhaften Führungsstils? Annett Dittrich, Psychologin und Spezialistin auf dem Gebiet Führungsverhalten [1], versucht zu deuten, was dort schief läuft.

Wertschätzung, Feedback, Interesse: Zu viel verlangt?

Gute Leistung, du treibst dieses Projekt wirklich voran. Aber kannst du diesen Punkt noch genauer ausarbeiten? Und wie war eigentlich dein Wochenende?

Was sich die meisten Beschäftigten von ihren Vorgesetzten wünschen, ließe sich morgens beim ersten Kaffee ganz nebenbei abhaken: Gezeigte Wertschätzung, regelmäßiges Feedback und ein Interesse an den Mitarbeitern als Menschen[2] So richtig unrealistisch sind diese Wünsche nicht. Trotzdem wirst du im Laufe deiner Karriere wahrscheinlich irgendwann mit schwachem Führungsstil zu kämpfen haben. Dabei reicht die Palette von fehlender Anerkennung bis hin zu cholerischen Wutausbrüchen, willkürlichen Entscheidungen und dem Herrschen aus dem berühmten Elfenbeinturm. Auf der Suche nach besonders schlimmen Vorgesetzten sind uns Bewertungen in die Hände gefallen, die uns nachdenklich bis traurig stimmen.

Der Vorgesetzte macht mich krank

Psychologin und Betriebsratsberaterin Annett Dittrich erzählt: „Die Folgen negativer Führung sind vielfältig. Sie reichen von erhöhtem Stressempfinden und vermindertem Wohlbefinden bis hin zu innerer Kündigung, erhöhter Arbeitsunfähigkeit bzw. ernsthaften gesundheitlicher Folgen. In Extremfällen können sich durch den ausgelösten Stress auch ernsthafte psychische Störungen wie beispielsweise posttraumatische Belastungsstörungen entwickeln.“ Im schlimmsten Fall kann dich das dauerhafte Fehlverhalten eines Vorgesetzten also auch krankmachen.

Innere Kündigung oder Jobwechsel als Ausweg

Ein schlechter Führungsstil wirkt sich zudem negativ auf das Unternehmen an sich aus. „Fehlende Transparenz bei den Zielen und persönliche Ego-Trips zerstören jede gute Betriebskultur. Unternehmen gewinnen Bewerber zwar durch eine starke Marke, aber sie verlieren sie auch garantiert durch negative Führung. Entweder durch innere Kündigung oder tatsächlichen Jobwechsel.“, sagt Thomas Steins, Geschäftsführer des CAIDAO Instituts für Betriebsratsberatung. Das heißt vereinfacht gesagt: Schlechtes Verhalten von Vorgesetzten sorgt für miese Stimmung unter den Arbeitnehmern. Frustrierte Mitarbeiter, die innerlich den Dienst quittieren oder tatsächlich kündigen, sind die Folge. Eine hohe Fluktuation führt schließlich zu weiterer Verunsicherung und Demoralisierung unter den Mitarbeitern.

Rein wirtschaftlich betrachtet…

Aber auch rein wirtschaftlich betrachtet schadet sie einem Unternehmen. Mit jeder Kündigung geht schließlich Know-how verloren. Neue Mitarbeiter einzuarbeiten kostet Zeit und Produktivität. Vorausgesetzt, es findet sich überhaupt wieder eine Neubesetzung. Denn: Keine Firma ist eine Insel. Jobsuchende informieren sich z. B. auf kununu über die Kultur, die in einem Unternehmen vorherrscht. Wer bereits im Vorfeld Bewertungen mit klingenden Titeln wie „Motto: Demotivation und Frustration sind unser Erfolg!“ oder schlicht „Finger weg!“ liest, wird seine Bewerbung wahrscheinlich dreimal überdenken.

Ob sich diesen Verlust an Arbeitskraft und Wissen ein Unternehmen gerne leistet? Fraglich. Trotzdem läuft in Sachen Vorgesetztenverhalten vielerorts einiges schief. Expertin Annett Dittrich analysiert für euch ein paar exemplarische Negativbeispiele.

„Null Sozialkompetenz“ bei Interio?

Bei dem österreichischen Möbelhändler magazin 07 Möbel und Einrichtungen Vertriebsgesellschaft m. b. H. (Interio) reicht das Vorgesetztenverhalten lediglich für einen kununu Score von 1,23. „Schlimmer geht nicht! Chaos! Nix im Griff!“, kommentiert es ein Ex-Mitarbeiter.

Projekte werden immer wieder verworfen, Sisyphus-Rhythmus, keine realistischen Ziele, schlechte Arbeitsbedingungen, Überstunden bis unendlich“, lautet ein Vorwurf. Expertin Annett Dittrich erklärt: „Hier herrscht offensichtlich ein ausnutzender Führungsstil. Die Mitarbeiter werden der Führungskraft absichtlich überfordert und belastet. Der Vorgesetzte erwartet von den Mitarbeitern regelmäßig, Persönliches der Arbeit unterzuordnen. Er setzt die Mitarbeiter unter unangemessenen Druck, um ihre Leistung zu steigern. Oft erntet er das Lob für Leistungen der Mitarbeiter und schiebt ihnen die Schuld für eigene Fehler zu.“

Ein weiterer O-Ton einer Bewertung: „null Sozialkompetenz vorhanden, kein Gespür für Mitarbeiter, extreme Fluktuation – man ist als Mitarbeiter nur eine Maschine, die jederzeit ausgewechselt werden kann“ Hier sollten die Alarmglocken schrillen, meint Annett Dittrich. „Mit diesem Verhalten zerstört der Vorgesetzte das Vertrauen und die Kooperation zwischen und innerhalb der Hierarchieebenen. Das führt mitunter zu erhöhter Fluktuation.“

Eine Kultur des Ausnutzens und wenig Interesse an einer Beziehung mit den Mitarbeitern, die häufig das Weite suchen: Wir wünschen den Mitarbeitern, dass sich die Lage hier bald zum Besseren wandelt.

Unter Druck bei Klapp Cosmetics

Cremes, Peelings und Lotionen: Was sollte in einem Unternehmen, das sich so hingebungsvoll um Schönheit und Wohlbefinden seiner Kunden kümmert, schon im Argen liegen? Geht es nach den Bewertungen auf kununu, dann hapert es besonders am mangelhaften Vorgesetztenverhalten. Dieses erreicht auf kununu einen schlappen Score von 1,33. Bei der Klapp Cosmetics GmbH gibt es offenbar ein Führungsbild aus dem Mittelalter. „Willkür, und Anschreien sind an der Tagesordnung.“, heißt es in einer vernichtenden Bewertung. Der Tenor in den übrigen Bewertungen klingt ähnlich. Hier werde versucht, durch psychischen Druck und Drohungen der Respekt den Respekt der Mitarbeiter zu erreichen. Man werde nicht als vollwertiger Mensch, sondern als Fußabtreter wahrgenommen. Dabei würden respektloses Verhalten und überzogene Sympathiebekundungen in rasantem Tempo abwechseln. Entscheidungen würden aufgrund der emotionalen Tagesverfassung getroffen. Was ist hier bloß los?

Expertin Annett Dittrich weiß: „Ambivalente Verhaltensweisen erzeugen immer Unsicherheiten und das überträgt sich auf die Arbeitsleistung.“ Sie erklärt: „Hier sind Anteile des sogenannten antagonistischen Führungsstils zu erkennen. Das bedeutet: Unsensibles bis offen feindseliges, destruktives oder illoyales Verhalten der Führungskraft. Dies äußert sich unter anderem in verbalen Attacken oder Demütigungen. Die Führungskraft macht zum Beispiel Mitarbeiter lächerlich, lässt ihren Ärger an ihnen aus, verweigert Anerkennung oder ähnliches.“

Bei diesem Führungsstil reicht ein wenig Oberflächenkosmetik kaum aus. Psychischer Druck oder gar Drohungen sind ein No-Go am Arbeitsplatz. Hoffentlich nimmt sich die Chef-Etage die Bewertungen zu Herzen, und verpasst ihrem Führungsstil ein Rundum-Lifting.

Best Practice: Bitte nachmachen

Das es auch ganz anders geht, beweisen die Firmen am anderen Ende unseres Vorgesetzten-Rankings. Satte 5 Punkte in der Kategorie Vorgesetztenverhalten räumt zum Beispiel die BCM Solutions GmbH ab. Hier begegnet man sich auf Augenhöhe. Es wird ein offener und freundlicher Umgang mit den Mitarbeitern gepflegt und Probleme werden offen diskutiert. Dabei sind die Vorgesetzten am Wohlbefinden jedes einzelnen interessiert und erteilen ausreichend Feedback und Verbesserungsvorschläge. Hier scheint jemand im Kurs für Führungsverhalten immer in der ersten Reihe gesessen zu haben. We like!

Richtig rund läuft es auch bei Gambit Consulting. Der IT- und SAP-Berater schafft es in puncto Vorgesetztenverhalten auf einen kununu Score von 4,97. Hier haben die Vorgesetzten immer ein offenes Ohr für die Belange ihrer Mitarbeiter. „Alles darf, kann und soll angesprochen werden.“, tönt es in einer Bewertung. So sieht gute Kommunikation aus.

Motivierte Mitarbeiter und Lob in den höchsten Tönen: Diese Vorgesetzten dürfen richtig stolz auf sich sein. Wir raten unbedingt zum Nachmachen.

 

Hast du Erfahrungen mit miesen Vorgesetzten oder einen Chef zum Verlieben? Erzähl es uns in deiner kununu Bewertung.

 

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Quellen:

[1] Psychologin Annett Dittrich befasst sich seit Jahren arbeitswissenschaftlich mit dem Phänomen negatives Führungsverhalten. Als Senior Beraterin des CAIDAO Instituts für Betriebsratsberatung führt sie regelmäßig Befragungen und Gefährdungsbeurteilungen zu psychischen Belastungen durch.

[2] Studie der ManpowerGroup