Gedanken Kündigung

10 Fragen, die sich jeder Mensch kurz vor der Kündigung stellen sollte

Niemand macht sich eine Kündigung leicht. Ganz im Gegenteil. Die Entscheidung zur Kündigung ist normalerweise ein sehr langer Prozess, in dem du das Für und Wider deiner aktuellen Stelle abwägst. Hast du mit deinem Job längst abgeschlossen? Ohne dir zumindest diese 10 Fragen gestellt zu haben, solltest du jedoch keine Kündigung einreichen.

1. „Wieso möchte ich überhaupt gehen?“

Fühlst du dich in deinem Team nicht mehr wohl oder fehlt dir vielleicht Weiterentwicklungspotential? Es ist wohl nie nur ein einziger Grund, warum du eine Kündigung einreichen möchtest. Mobbing sollte als Kündigungsgrund ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Hier gibt es mehr Infos zu diesem wichtigen Thema. Der exakte Kündigungsgrund ist auch deshalb so wichtig, weil sich damit entscheidet, ob eine Arbeitnehmerkündigung ordentlich oder außerordentlich erfolgt. Ordentlich ist die Kündigung beispielsweise bei einem Umzug in eine andere Stadt oder bei Umorientierungswunsch. Ganz anders sieht eine außerordentliche Kündigung aus. Diese ist fristlos und kann nur auf rechtlicher Basis erfolgen – also zum Beispiel, wenn du Opfer von offenem Sexismus geworden bist.


„Die eintönige und nervige Arbeit war mein Kündigungsgrund.“ – kununu Mitarbeiterbewertung bei Covendos GmbH


2. „Liegt es an mir?“

Unzufriedenheit im Job nagt zwangsläufig irgendwann am Selbstbewusstsein. Du beginnst zu hinterfragen, ob wirklich nur dein Arbeitgeber die Fehler macht oder ob du selbst an der Misere Schuld trägst. Schuld?! Hier gleich die Entwarnung: Du bist eigentlich nur (teilweise) an deinem Unglück schuld, wenn du kein Feedback an deinen Vorgesetzten gibst oder von Beginn an falsche Erwartungen kommuniziert hast. Ein Beispiel: Teamarbeit liegt dir überhaupt nicht, du hast aber im Vorstellungsgespräch behauptet, dass  Teamarbeit unbedingt zu deinem Job dazugehören sollte. Ist das so oder so ähnlich der Fall? Sprich darüber und gib deinem Chef gleich Vorschläge, wie du deine Arbeit zukünftig gestalten möchtest. Will er das nicht, ist deine Kündigung auf Dauer wohl nicht abzuwenden.

3. „Geht es anderen Kollegen genauso wie mir?“

Der Austausch über den Arbeitgeber mit anderen Kollegen tut uns gut. Nicht nur wird das Zusammengehörigkeitsgefühl gesteigert, sondern dir wird auch klar, ob auch ihre Erwartungshaltung an den Job enttäuscht wurde. Mit vereinten Kräften könnt ihr eurem Arbeitgeber in diesem Fall Feedback geben, damit eure Kündigung nicht die letzte Lösung sein muss.


„Gemeinschaftsgefühl, weil man einen gemeinsamen Feind hat.“ – kununu Mitarbeiterbewertung bei Nibra Dachkeramik GmbH


4. „Kann ich mir eine Kündigung überhaupt leisten?“

Bevor du deine Kündigung ausdruckst, fragst du dich wahrscheinlich: Klappt das finanziell eigentlich? Das ist vor allem relevant, wenn deine Familie von deinem Einkommen abhängig ist oder du ohne dein Gehalt deinen Lebensstandard nicht halten kannst. Die Antwort auf die Frage 4 ist demnach davon abhängig, ob du schon einen neuen Job in Aussicht hast oder auf staatliche Unterstützung zählen kannst. Checke so früh wie möglich, worauf du Ansprüche hast und wer dein Ansprechpartner ist. In Österreich kann dir die Arbeiterkammer als Kündigungsberatung weiterhelfen, in Deutschland beispielsweise die Bundesagentur für Arbeit.

5. „Kann es noch schlimmer werden?“

Mal ehrlich, die Situation in deinem Unternehmen ist mehr als angespannt und du fühlst dich schon seit Wochen nicht mehr wohl. Aber wären die Probleme, die dazu geführt haben, in einem neuen Unternehmen Geschichte? Das kannst nur du selbst beantworten. Die Chancen auf gute Vorgesetzte statt Choleriker oder unterstützende Kollegen statt Miesepeter stehen wo anders erstmal gut. Schlechter sieht es mit der Definition von Jobrollen aus. Wenn du also bei deinem aktuellen Arbeitgeber unglücklich bist, weil du die Tätigkeit und Rolle an sich nicht magst, hilft eine Kündigung auch nur bedingt weiter.


„Schlimmer geht nimmer!“ – kununu Mitarbeiterbewertung bei Werner Companies GmbH


6. „Was erwarte ich mir von einer Kündigung und der Zeit danach?“

Ohne Zukunftsplan auch kein Kündigungsschreiben! Du musst dir schon vorher im Klaren darüber werden, was du dir von deinem nächsten Job erwartest und wann du diesen überhaupt antreten willst. Diese Vorgehensweise ist wichtig, weil du daran deine Bewerbungsprozesse anpassen kannst. Auf Massenbewerbungen kannst du mit einer klaren Erwartungshaltung verzichten, steckst dafür aber mehr Zeit in die Qualität von Anschreiben für wirklich spannende Stellen. So verhinderst du, dass du nach wenigen Monaten wieder unglücklich mit dem Gedanken an die Kündigung spielst.

7. „Ist es sinnvoll jetzt zu kündigen oder sollte ich für bessere Chancen noch abwarten?“

Diese Frage ist wichtig, wenn du erst seit kurzer Zeit im Unternehmen tätig bist. So blöd es auch klingt: Berufserfahrung misst sich für viele Arbeitgeber nicht nur am Fachwissen, sondern auch an den reinen Monaten und Jahren im Job. Ein Jobwechsel nach wenigen Monaten könnte dir deshalb karrieretechnisch eher schaden statt nutzen. Und: Es ist immer möglich, dass deine Unzufriedenheit nur aus einer unsicheren Unternehmensphase entstanden ist. Teams müssen sich erst einspielen und auch Jobanforderungen werden häufig erst nach Vertragsunterzeichnung geschärft. Gib deinem Vorgesetzten aber unbedingt Feedback, damit dieser die eventuellen Fehler ausmerzen kann.

8. „Kann ich bei meinem aktuellen Arbeitgeber wirklich gar nicht glücklich werden?“

Stichwort: Horizontaler Karrierewechsel. Du bist gerade total frustriert, weil dir deine Tätigkeit einfach keinen Spaß mehr macht und du dich lieber in eine andere Fachrichtung orientieren möchtest? Das muss nicht das Ende der Arbeitsbeziehung zu deinem Unternehmen bedeuten, ist aber trotzdem schwierig. Nicht überall ist es möglich, dass du mir nichts dir nichts in einen anderen Bereich wechseln kannst. Frage doch am besten zuallererst bei deinem Vorgesetzten nach, ob du näher mit deiner internen Wunschabteilung zusammenarbeiten kannst oder diese mit wenigen Wochenstunden unterstützen darfst. Denn: Die Kündigung muss nicht das Ende der Fahnenstange sein.


„Ein Arbeitgeber zum Glücklichwerden.“ – kununu Mitarbeiterbewertung bei IPSWAYS


9. „Kann ich auch ohne neuen Job kündigen?“

Ganz allgemein: Ja, kannst du. Die Frage stellst du dir auch nicht aus Spaß an der Freude, sondern eher aufgrund der unerträglichen Situation in deinem Job. Wann war der letzte Tag im Job ohne Bauchschmerzen? Hat deine Jobfrustration bereits Auswirkungen auf deine Gesundheit, solltest du mit deiner Kündigung nicht weiter zögern oder dies deinem Arbeitgeber absolut deutlich machen. Auch ein Umzug kann eine Kündigung ohne neuen Job notwendig machen. Innerhalb der Kündigungsfrist kannst du intensiv Zeit darauf verwenden, dich bei anderen Stellen zu bewerben. Oft kommt dein baldiges Startdatum im neuen Unternehmen sogar sehr gut an und wirkt sich positiv auf eine mögliche Einstellung aus.

10. „Soll ich es wirklich tun?“

Herz und Verstand müssen sich mit der Kündigung wohlfühlen. Nimm dir Zeit – und nutze dafür gegebenenfalls deinen Urlaub -, um die für dich richtige Entscheidung herauszufinden. Manchmal braucht es jedoch auch einen ganz speziellen Trigger für die Kündigung. Tu das, was dir guttut und mache dir bewusst: Wenn du glaubst, dass es dir in einem anderen Unternehmen nur besser gehen kann, hast du die Entscheidung innerlich eigentlich bereits getroffen.