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Auswertung der kununu Gehaltsdaten

Über 100.000 Euro: Diese drei Berufe machen Männer reich

von Dunia R.
Veröffentlicht:  20. Mai 2026, 16:14
3 min
Ein Geschäftsmann im Anzug sitzt entspannt in einer luxuriösen Flugzeugkabine, trinkt Kaffee und blickt lächelnd aus dem Fenster.

Die bestbezahlten Berufe Deutschlands folgen einem Muster: Sie verlangen jahrelange Spezialisierung, hohe Arbeitsbelastung oder beides und werden überwiegend von Männern ausgeübt. Eine neue Auswertung der kununu Gehaltsdaten zeigt, in welchen drei Berufen Männer am meisten verdienen, und warum Frauen dort kaum vertreten sind.

Die Top 3 Berufe auf einen Blick:

  • Patentanwalt/ anwältin: Ø 123.500 €
  • Manager:in Competence Center: Ø 104.000 €
  • Investmentbanker:in: Ø 101.200 €
Zwei Personen stehen auf unterschiedlich hohen Geldstapeln vor einem Hintergrund mit Weltkarte und veranschaulichen Einkommens- oder Gehaltsunterschiede.
Männer verdienten 2025 im Durchschnitt 14 Prozent mehr als Frauen.

Recht haben zahlt sich aus: 123.500 € als Patentanwalt

Patentanwält:innen beraten Unternehmen und Einzelpersonen beim Schutz geistigen Eigentums, von der Anmeldung bis zur gerichtlichen Durchsetzung. Die Kombination aus juristischem und technischem Tiefenwissen macht sie schwer zu ersetzen und entsprechend gut bezahlt: Mit durchschnittlich 123.500 € führen sie das Ranking der bestbezahlten Männerberufe klar an. Die Gehaltszufriedenheit liegt bei 67 %, solide, aber erstaunlich niedrig gemessen am Lohnniveau.

Dass dieser Beruf so männlich dominiert ist, hat strukturelle Gründe: Eine Studie des Europäischen Patentamts zeigt, dass der Frauenanteil bei Patentanmeldungen in Deutschland bei nur rund 10 % stagniert, weit unter dem europäischen Durchschnitt.

Eine Auswertung der IW Patentdatenbank ergab, dass der Anteil der in Deutschland angemeldeten Patente, die auf Erfindungen von Frauen zurückgehen, schon seit Jahren nahezu unverändert gering ist. Wer im Patentrecht ganz oben landen will, muss oft Jahrzehnte in einer der patentaffinen MINT-Disziplinen verbracht haben und genau dort beginnt die Ungleichheit.

Manager im Competence Center: 104.000 € im Durchschnitt

Manager:innen im Competence Center steuern das fachliche Herz größerer Organisationen: Sie bündeln Expert:innenwissen, definieren Standards und führen hochspezialisierte Teams. Der Beruf ist weniger bekannt als die anderen Spitzenverdiener, aber mit 104.000 € im Schnitt und einer Gehaltszufriedenheit von 75 % einer der ausgewogensten im gesamten Ranking.

Die Rolle verlangt typischerweise langjährige Erfahrung in Vollzeit sowie ein ausgeprägtes internes Netzwerk. Beides sind Faktoren, bei denen Frauen strukturell im Nachteil sind. Laut einer DIW Studie erzielen Frauen in Führungspositionen im Schnitt nur 70 % des Einkommens der Männer. Frauen erreichen seltener und später Führungspositionen als Männer, da ihr Karriereweg häufiger und länger von Kindererziehung und familiären Verpflichtungen unterbrochen wird. Der Gap beginnt also nicht erst beim Gehalt, sondern weit früher, auf dem Weg nach oben.

High Risk, High Reward: 100k als Investmentbanker

Kapital bewegen, Fusionen begleiten, Großkunden beraten: Investmentbanker:innen arbeiten in einem der leistungsintensivsten Berufe überhaupt. Das Gehalt spiegelt das wider, 101.200 € im Durchschnitt, mit einer Gehaltszufriedenheit von 77 %, dem höchsten Wert unter den Top 3. Wer hier zufrieden ist, verdient also wirklich gut – und weiß es auch.

Die Finanzbranche ist aber auch die Branche, in der die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern besonders deutlich sichtbar wird. Im Investmentbanking verdienen Frauen selbst auf derselben Hierarchiestufe im Schnitt zwischen 9 und 40 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Der unbereinigte Gender Pay Gap in der Finanzbranche liegt dabei laut einer Deloitte Analyse bei einem Durchschnittswert von 25,1 %. Der Frauenanteil in Führungspositionen beträgt lediglich 34 %. Kurz: Frauen sind zwar in der Branche präsent, kommen aber seltener dort an, wo das große Geld wartet.

Das Muster hinter den Zahlen

Alle drei Spitzenberufe teilen eine Gemeinsamkeit: Sie bevorzugen strukturell diejenigen, die Jahrzehnte ohne längere Auszeiten, in Vollzeit und mit intensiver Netzwerkpflege investieren können. Lange Arbeitszeiten, Präsenzkultur und informelle Netzwerke begünstigen Karrieren von Personen, die Vollzeit und ohne längere Auszeiten arbeiten können und das sind in Deutschland noch immer häufiger Männer als Frauen. Und selbst dann, wenn Frauen dieselben Voraussetzungen mitbringen: Der bereinigte Gender Pay Gap lag in Deutschland 2024 noch immer bei 6 %.

Die Lohnlücke in den Top Jobs ist also kein Schicksal. Sie ist das Ergebnis von Strukturen, die sich langsam, aber messbar verändern und die man kennen muss, um sie zu verstehen.