Gehalt: Finde heraus, wie viel du verlangen kannst

„Bitte schicken Sie Ihre aussagekräftige Bewerbung und Ihre Gehaltsvorstellung an …“: Mit dieser Floskel enden die meisten Stellenausschreibungen. Dass man als Bewerber keine lahme Bewerbung verfasst, sollte klar sein. Doch der zweite Teil des Satzes ist schon schwieriger. Setzt man den Betrag zu niedrig an, verkauft man sich unter Wert. Fordert man zu viel Geld, ist man schnell raus bei der Neubesetzung. Aber wie viel ist genau richtig?

Der Selbsttest: Wie viel kann ich verlangen?

Das Wichtigste in dieser verzwickten Situation ist, den eigenen Wert zu kennen. Nur so geht man gut vorbereitet in die Gehaltsverhandlung und ist zudem davor gefeit, völlig ins Blaue zu schießen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Die Höhe des Einkommens ist von diversen Faktoren abhängig. Folgende Fragen sollte man sich stellen, um zu einer realistischen Einschätzung des eigenen Gehalts zu gelangen:

Welche Qualifikationen habe ich?

Gute Ausbildung lohn sich: Mit einem akademischen Abschluss ist das Gehalt von Fach- und Führungskräften im Schnitt rund 30 Prozent höher. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt von Hochschulabsolventen liegt 2018 in Deutschland bei rund 45.842 Euro. Berufseinsteiger ohne akademischen Abschluss starten durchschnittlich mit 32.250 Euro.[1]  Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Studienabschlüssen beträchtlich: Während man mit einem abgeschlossenen Medizinstudium ein Einstiegsgehalt von brutto 52.668 Euro jährlich erwarten darf, müssen sich Geisteswissenschaftler für den Anfang im Durchschnitt schon mit 35.151 zufriedengeben.[2] Nach welchen Studiengängen der Geldsegen nicht ausbleibt, verraten wir hier.

Wie viel Erfahrung habe ich?

Der Abschluss mag wichtig sein, aber er ist längst nicht alles. Die passenden Qualifikationen für eine Stelle können nicht nur durch ein Studium, sondern vor allem durch die langjährige Arbeit innerhalb eines Tätigkeitsfeldes erlagt werden. Berufsanfänger und Quereinsteiger haben in der Regel schlechtere Karten als all jene, die schon einiges an Erfahrungen mitbringen. Es gilt: Je weiter die Karriere fortgeschritten ist, desto besser die Verdienstmöglichkeiten. Zu den Berufseinsteigern zählen Personen, die direkt nach einem Abschluss in die Arbeitswelt starten und mit weniger als zwei Jahren Berufserfahrung in einem Bereich. Bewerber die schon einige Jahre in einem Tätigkeitsbereich sind, können in der Gehaltsverhandlung höher ansetzen.

Was sind meine Soft Skills?

Nicht zu unterschätzen sind auch Soft Skills. Team- und Führungsfähigkeit, Empathie und andere soziale Kompetenzen können für Arbeitgeber ungemein wertvoll sein. Ehrliche Motivation für die Sache macht außerdem viel wett, insbesondere wenn auch die Kollegschaft von dieser positiven Energie angesteckt wird. Deshalb können gerade Quereinsteiger hier bei Arbeitgebern punkten, denn sie bringen oft frische Perspektiven und Begeisterung in ihren neuen Job mit. Bewerbern sei daher geraten auch diese weichen Faktoren in ihrer Bewerbung gut zu positionieren.

In welcher Branche arbeite ich?

Einen großen Einfluss auf die Summe am Gehaltszettel hat auch die Branche, in der man arbeitet. So kann ein Marketing Manager in der Pharmaindustrie bei gleicher Qualifikation jährlich rund 10.000 Euro mehr verdienen als im Bereich Transport und Logistik.[3] Um in einem anderen Bereich durchzustarten muss man sich also nicht unbedingt als Quereinsteiger versuchen. Bewerber sollten sich deshalb auch immer über die marktüblichen Gehälter in ihrer Branche und nicht nur in ihrer Position informieren.

Wie groß ist das Unternehmen?

Grundsätzlich gilt: Je größer das Unternehmen, desto besser die Bezahlung. Wer sich bei einer kleinen Firma oder einem Start-Up bewirbt, sollte damit rechnen, dass dort meist nicht der dicke Gehaltsscheck wartet. Denn dazu sind viele Kleinunternehmen gar nicht in der Lage. Die Ausnahme bestätigt aber bekanntlich die Regel. Unter Umständen kann auch in einem kleinen Unternehmen ein hohes Gehalt winken, denn wer sich hier beweist kann manchmal deutlich schneller aufsteigen als in einem Großkonzern. Bewerberinnen und Bewerber sollten hier abwägen welche Perspektive ihnen langfristig wichtiger ist.

Wo liegt der Unternehmensstandort?

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Unternehmensstandort. Ist eine Firma im ländlichen Raum angesiedelt, ist die Bezahlung meist niedriger als in Ballungszentren. Die Lohnunterschiede liegen auch an den unterschiedlich hohen Lebenshaltungskosten. Wer weniger Geld für Miete und Alltägliches ausgeben muss, kann vielleicht mit einem geringeren Gehalt glücklich sein – oder sollte diesen Punkt zumindest bei der Bewerbung im Hinterkopf behalten. In Deutschland gibt es außerdem nach wie vor ein Gefälle zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Stellt man das Gehalt über alles, zieht man am besten nach Baden-Würtemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen – oder gleich in die Schweiz. In welchen Städten Arbeitnehmer besonders zufrieden mit ihrem Gehalt sind und wo noch Nachholbedarf besteht, zeigt der Gehaltszufriedenheitsindex für Deutschland.

Wie viel verdienen Kollegen oder andere in dieser Position?

Insgesamt lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen 2018 unverändert rund 21 % unter dem von Männern. Im direkten Vergleich von Frauen und Männern mi gleicher Qualifikation und Position, waren es immer noch sechs Prozent weniger.[4] Leider spielen immer noch viel zu oft persönliche Merkmale bei der Höhe des Gehalts mit, zum Beispiel Alter, Aussehen oder Geschlecht. Auch im Jahr 2019 gibt es immer noch keine Lohngerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Was gegen diese Ungerechtigkeit hilft? Gehaltsttransparenz ist hier das Zauberwort – trage auch du dazu bei und teile dein Gehalt anonym auf kununu.com. Damit ermöglichst du dir und anderen den Check, wie ihr lohntechnisch innerhalb eures Unternehmens und auf dem Arbeitsmarkt dasteht.

 

Quellen:
[1] StepStone Gehaltsreport für Fachkräfte 2018
[2] StepStone Gehaltsreport für Absolventen 2018/19
[3]
gehaltsindex.com
[4] 
Statistisches Bundesamt