Krise im Handwerk
Fast jeder Dritte bricht ab: Die bittere Realität der Ausbildung
29,5 Prozent aller Ausbildungsverträge in Deutschland werden vorzeitig gelöst. Besonders häufig betrifft das Berufe, die gleichzeitig als besonders krisensicher gelten – vom Handwerk über die Gastronomie bis zur Pflege. Neue kununu Daten zeigen außerdem, wie zufrieden Azubis mit ihrem Gehalt sind.
Die Abbruch-Spitzenreiter: In diesen Berufen wirft jeder Zweite hin
Nicht jede Vertragslösung bedeutet das Ende einer Ausbildung. Viele Auszubildende wechseln den Betrieb oder beginnen eine andere Lehre. Trotzdem zeigt die Vertragslösungsquote des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), in welchen Berufen die Ausbildung besonders häufig vorzeitig endet.
- Koch/Köchin: 51,4 %
- Friseur:in: 50,9 %
- Fachmann/Fachfrau für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie: 49,7 %
- Hotelfachmann/-frau: 44,4 %
- Bäcker:in: 43,2 %
- Fleischer:in: 36,5 %
- Medizinische:r Fachangestellte:r: 34,5 %

Warum gerade Zukunftsberufe so oft betroffen sind
Ausgerechnet viele Berufe mit den höchsten Vertragslösungsquoten gelten als besonders KI- und zukunftssicher. Pflegekräfte, Handwerker:innen oder Köch:innen werden auch künftig dringend gebraucht.
Trotzdem führen Schichtarbeit, körperliche Belastung, Zeitdruck oder eine geringe Vergütung häufig dazu, dass Auszubildende ihren Vertrag vorzeitig beenden oder den Betrieb wechseln. Das zeigt unter anderem der Datenreport des BIBB.
Trotz hoher Belastung: In diesen Berufen sind Azubis mit ihrem Gehalt am zufriedensten
Wie unterschiedlich Auszubildende ihre Bezahlung bewerten, zeigen rund 4.600 kununu Bewertungen aus Deutschland.
| Beruf | Tarifliche Ausbildungsvergütung (erstes bis letztes Lehrjahr gerundet) ** | Gehaltszufriedenheit* |
|---|---|---|
| Pflegefachkraft | 1.340–1.503 € | 66,3 % |
| Erzieher:in | 1.340–1.503 € | 59,9 % |
| Restaurantfachkraft | 1.000–1.200 € | 57,3 % |
| Hotelfachkraft | 1.000–1.200 € | 52,8 % |
| Koch/Köchin | 1.000–1.200 € | 47,3 % |
| Fleischer:in | 900–1.250 € | 46,9 % |
| MFA | 1.000–1.300 € | 43,4 % |
| Bäcker:in | 900–1.200 € | 33,7 % |
| Friseur:in | 710–1.000 € | 27,8 % |
Quellen: **Bundesagentur für Arbeit (Ausbildungsvergütungen), *kununu (4.598 Azubi-Bewertungen seit 2020).
Auffällig ist: Pflege-Azubis bewerten ihre Vergütung am besten, obwohl der Beruf als besonders belastend gilt. Ein Grund dafür könnte die starke Lohnentwicklung der letzten Jahre in Pflegeeinrichtungen sein.
Schlusslicht sind Friseur:innen und Bäcker:innen. Dort ist nicht einmal jede dritte befragte Person mit dem Gehalt zufrieden. Das dürfte auch daran liegen, dass beide Berufe traditionell zu den niedrig vergüteten Ausbildungsberufen gehören. Gleichzeitig sind die Arbeitszeiten oft anspruchsvoll – etwa durch frühe Arbeitsbeginnzeiten im Bäckerhandwerk oder Samstagsarbeit im Friseurhandwerk.
Zukunftssicher allein reicht vielen jungen Menschen nicht
Die Zahlen verdeutlichen: Arbeitsplatzsicherheit allein hält viele Auszubildende nicht. Gute Betreuung, faire Arbeitszeiten und eine angemessene Vergütung gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Wer Nachwuchs langfristig binden möchte, muss deshalb nicht nur Ausbildungsplätze anbieten, sondern auch attraktive Arbeitsbedingungen schaffen.