Gehalt im Praktikum: alles zu Verdienst, Gehaltsgrenzen & Steuern

Ein Praktikum ist die beste Möglichkeit, vor oder während Studium oder Ausbildung in einen Beruf reinzuschnuppern. Viele Studiengänge sehen ein Pflichtpraktikum als Teil der Ausbildung vor. Aber wie sieht es eigentlich mit dem Gehalt aus? Hast du in jedem Fall Anspruch auf ein Gehalt im Praktikum? Und wenn ja, wie hoch ist die Vergütung? Ist das Praktikumsgehalt verhandelbar? Wie viele Steuern und Abgaben musst du als Praktikant:in zahlen? In diesem Artikel erfährst du alles, was du wissen musst.

Praktikum ohne Vergütung – geht das überhaupt?

Bis vor einigen Jahren waren unbezahlte Praktika der Normalfall. Nicht umsonst hat sich in den 1990er Jahren der Begriff „Generation Praktikum“ etabliert. In vielen Branchen galten unbezahlte Praktika als Voraussetzung für eine Festanstellung. Zahlreiche Absolvent:innen hangelten sich als willkommene (weil unbezahlte) Arbeitskraft von Praktikum zu Praktikum, oft ohne konkrete Aussicht auf Festanstellung. Um prekäre Beschäftigungen wie unbezahlte Praktika einzudämmen, wurde in Deutschland 2015 der Mindestlohn eingeführt. Zunächst lag der Mindestlohn bei 8,50 Euro (brutto) pro Stunde. In den folgenden Jahren wurde er mehrfach angehoben, aktuell liegt er bei 12 Euro (brutto). Der Mindestlohn gilt für jede:n Arbeitehmer:in, der:die sich in Deutschland in einem Arbeitsverhältnis befindet, also auch für Praktikant:innen.

Allerdings sieht das Mindestlohngesetz (MiLoG) Ausnahmen vor für Personen, die sich in Schule, Ausbildung oder Studium befinden. Wenn dein Praktikum fester Bestandteil deiner Ausbildung oder deines Studiums ist (Pflichtpraktikum), hast du daher keinen Anspruch auf ein Praktikumsgehalt, es sei denn, dein Arbeitgeber sieht auch für Pflichtpraktikant:innen eine Vergütung vor. Sogenannte freiwillige Praktika ab mindestens drei Monaten Dauer müssen mindestens mit dem Mindestlohn vergütet werden.

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Tipp

Du bist dir nicht sicher, ob dein Studiengang ein Pflichtpraktikum vorsieht? Wirf einen Blick in die Prüfungsordnung, dort sind alle Anforderungen festgehalten.

Gehalt im Praktikum: Wie viel verdienen Praktikant:innen?

Dein Gehalt als Praktikant:in hängt von vielen Faktoren ab, allen voran von der Art deines Praktikums, also ob es sich um ein Pflichtpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum handelt. Auch die Dauer deines Praktikums ist natürlich ausschlaggebend. Im Folgenden gehen wir auf die Unterschiede im Verdienst je nach Praktikumsart ein.

Der kununu Gehaltscheck kann dir einen ersten Anhaltspunkt liefern, wie viel du durchschnittlich als Praktikant:in verdienen kannst. Laut Praktikant:innen, die ihr Gehalt mit anderen kununu Nutzer:innen geteilt haben, liegt das durchschnittliche Gehalt für ein in Vollzeit absolviertes Praktikum bei 16.500 Euro im Jahr, was ein Verdienst von 1.375 Euro im Monat ist.

Gehalt im Pflichtpraktikum

Auch wenn Unternehmen Pflichtpraktika nicht vergüten müssen, zahlen viele freiwillig ein Praktikumsgehalt. Du musst also nicht automatisch ein unbezahltes Pflichtpraktikum in Kauf nehmen, bei deiner Suche nach einem Praktikumsplatz solltest du das im Hinterkopf behalten. Viele Unternehmen machen in Stellenanzeigen auch für Praktika Angaben zum Gehalt. Spätestens im Interview solltest du nach der Bezahlung fragen, beziehungsweise aktiv in die Verhandlung gehen. Lege dir dafür Argumente zurecht, weshalb das Unternehmen von dir als Praktikant:in profitiert.

Gehalt im freiwilligen Praktikum

Bei einem freiwilligen Praktikum von mindestens drei Monaten wirst du zumindest nach Mindestlohn bezahlt, das sind in Deutschland aktuell 12 Euro pro Stunde. Hochgerechnet auf eine 40-Stundenwoche kommst du so auf eine monatliche Vergütung für dein Praktikum von ca. 1.900 Euro. Dabei handelt es sich um das Bruttogehalt, also vor Steuern und Abzügen.

Natürlich gibt es auch zahlreiche Unternehmen, bei denen die Vergütung für freiwillige Praktika über dem Mindestlohn liegt. Als grobe Orientierung gilt: In den Branchen, in denen man als Festangestellte:r am besten verdient, gibt es auch gute Aussichten für Praktikumsvergütungen. Dazu zählen traditionell die Banken- und Versicherungsbranche sowie Maschinenbau-, Chemie- und Automobilbranche. Wie du dein Netto-Gehalt (also den Betrag, der am Ende auf deinem Konto landet) ausrechnest, erfährst du hier:

Gehalt im Schüler:innen-Praktikum

Praktika während der Schulzeit sind eine gute Möglichkeit, herauszufinden, welche berufliche Laufbahn du später einmal einschlagen möchtest. Um ein Praktikum zu absolvieren, musst du mindestens 13 Jahre alt sein. Die meisten Schulen in Deutschland planen ein oder mehrere Praktika als Teil des Unterrichts ein. In Gymnasien finden Praktika meist in Klasse 9 bis 11 statt, in Haupt- und Realschulen schon in der 9. Klasse. Üblicherweise dauert ein Praktikum im Rahmen des Schulunterrichts eine Woche, in der du jeden Tag bis zu acht Stunden im Betrieb arbeitest beziehungsweise in die Abläufe hineinschnupperst. (Wenn du unter 15 Jahre alt bist, darfst du nur maximal sieben Stunden pro Tag arbeiten.)

Richtig mitarbeiten im Arbeitsalltag wirst du im Rahmen eines Schulpraktikums wahrscheinlich nicht. Das Ziel ist es, dass du ein Bild vom Unternehmen und den Arbeitsabläufen bekommst. Für ein Schüler:innen-Praktikum gibt es in der Regel keine Vergütung.

Gehalt im Langzeitpraktikum/Jahrespraktikum

Normalerweise dauern Praktika drei bis sechs Monate, die Dauer von Pflichtpraktika im Rahmen eines Studiums oder einer Ausbildung ist in der Prüfungs- oder Ausbildungsordnung definiert. Ein Jahres- oder Langzeitpraktikum kann als Einstiegsqualifikation (EQ) vor allem für handwerkliche Berufe gelten.

Wenn du bereits weißt, welchen Ausbildungsweg du wählen möchtest, aber noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hast, kann ein gefördertes Langzeitpraktikum die richtige Wahl für dich sein: Du bekommst eine Vergütung für deine Arbeitsleistung und einen tiefen Einblick in den Beruf. Wenn du im Anschluss eine Ausbildung im gleichen Bereich machst, kann dir bei guter Leistung deine Einstiegsqualifikation angerechnet werden, wodurch sich deine Ausbildungszeit verkürzt.

Kann sich auch ein unbezahltes Praktikum lohnen?

Na klar! Auch ohne Vergütung kann ein Praktikum unter Umständen für dich Sinn machen. Ob sich ein Praktikum für dich lohnt, sollte nicht in erster Linie von der Höhe der Bezahlung abhängen. Es geht darum, neue Erfahrungen zu machen, sich in einem neuen Umfeld einzubringen, sich weiterzuentwickeln – und herauszufinden, ob du schon deinen Traumjob gefunden hast. Was genau ein gutes Praktikum ausmacht, erfährst du hier:

Alternative zum Praktikum: ein Job als Werkstudent:in

Während eines Praktikums arbeitet man üblicherweise in Vollzeit im Unternehmen, zum Beispiel in den Semesterferien oder während eines Praxissemesters. Der Fokus im Praktikum liegt auf dem praktischen Lernen, deine Tätigkeit sollte einen Bezug zu deinem Studium haben. Wenn du nach einer Möglichkeit suchst, Berufserfahrung zu sammeln und gleichzeitig Geld zu verdienen, kann ein Job als Werkstudent:in die richtige Wahl sein. Werkstudent:innen arbeiten in der Regel zwischen 16 bis maximal 20 Stunden in der Woche, begleitend zu Studium. Die Tätigkeit muss keinen inhaltlichen Bezug zu deinem Studium haben. Alles Wissenswerte zu Gehalt, Gehaltsgrenzen und Steuern als Werkstudent:in erfährst du hier:

Praktikumsgehalt: Muss man Steuern zahlen?

Auch als Praktikant:in wird dein Gehalt beziehungsweise deine Praktikumsvergütung als Brutto-Betrag angegeben, also vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Steuerrechtlich zählst du als Student:in als normale:r Arbeitnehmer:in, sobald du einen Arbeitsvertrag hast und für deine Arbeitsleistung Geld verdienst. Grundsätzlich gilt: Wer im Jahr mehr verdient als den Grundfreibetrag (aktuell 9.984 Euro), muss Steuern auf das Einkommen zahlen.

Ob du als Praktikant:in in die Sozialversicherung einzahlen musst, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:

Sozialversicherungsfreiheit im Pflichtpraktikum

Die Vergütung ist bei einem Pflichtpraktikum im Rahmen deines Studiums nicht sozialversicherungspflichtig, das heißt, du musst nicht in Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- oder Pflegeversicherung einzahlen.

Achtung: Auch wenn du während deines Pflichtpraktikums von der Sozialversicherung befreit bist, musst du kranken- und pflegeversichert sein. Oft sind Studierende bis 25 Jahre sowieso beitragsfrei in der Familienversicherung mitversichert, alternativ kannst du über alle gesetzlichen Krankenkassen in die studentische Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen.

Sozialversicherung im freiwilligen Praktikum

Ein freiwilliges Praktikum bleibt versicherungsfrei, wenn es als geringfügig entlohnter Minijob eingestuft werden kann. Das bedeutet jedoch, dass das Praktikumsgehalt bei maximal 520 Euro pro Monat liegt. Liegt dein Gehalt für ein freiwilliges Praktikum über dieser Grenze, so ist es sozialversicherungspflichtig. Der Begriff Jahrespraktikum ist etwas irreführend: Betriebliche Langzeitpraktika zur Einstiegsqualifizierung (EQ) dauern zwischen sechs und maximal 12 Monate.

Dein Gehalt im Langzeitpraktikum beträgt mindestes den Mindestlohn von aktuell 12 Euro pro Stunde. Du schließt mit dem Betrieb einen Praktikumsvertrag ab, dein Betrieb zahlt dir eine monatliche Praktikumsvergütung und du bist sozialversichert. Auf Antrag kann dein Arbeitgeber einen Zuschuss von der Bundesagentur für Arbeit erhalten.

Weitere Informationen zu einem Langzeitpraktikum mit Einstiegsqualifizierung (EQ) findest du hier.

letztes Update: 20. Januar 2023