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Doppelqualifikation

Handwerk und Büro in einem: Azubis müssen sich bei dieser Ausbildung nicht mehr entscheiden

von Anna W.
Veröffentlicht:  17. September 2026, 18:19
2 min
Zwei Personen in Schutzhelmen stehen in einer Werkhalle zwischen Maschinen; der Mann zeigt auf etwas, während die Frau ein Tablet hält.

In Bayern absolvieren derzeit nur vier Auszubildende die Ausbildung zum Technischen Kaufmann (IHK). Das Modell kombiniert eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Feinwerkmechaniker mit kaufmännischen Inhalten – und richtet sich an Jugendliche, die sich nicht zwischen Handwerk und Büro entscheiden wollen.

Die Ausbildung verbindet Feinmechanik mit Betriebswirtschaft

Die Ausbildung zum Technischen Kaufmann/Kauffrau (IHK) gibt es erst seit wenigen Jahren. Ihr Ziel ist es, technische und kaufmännische Kompetenzen in einem Ausbildungsweg zusammenzuführen. Die Auszubildenden lernen zunächst die Abläufe in der Fertigung kennen und beschäftigen sich zugleich mit Themen wie Planung, Vertrieb und Betriebswirtschaft.

Damit unterscheidet sich die Ausbildung deutlich von klassischen technischen oder kaufmännischen Berufen. Wer sie absolviert, soll nicht nur Maschinen bedienen oder technische Zeichnungen verstehen, sondern später auch Kunden beraten, Fertigungsprozesse planen und als Schnittstelle zwischen Werkstatt und Büro arbeiten können.

Eine lächelnde Frau sitzt mit einem Laptop an einem Schreibtisch in einem hellen Büro.
Der Weg eignet sich für junge Menschen, die sich sowohl für Technik als auch für Organisation, Beratung und Zahlen interessieren.

Warum nur wenige Jugendliche diesen Ausbildungsweg wählen

Die geringe Zahl der Auszubildenden hat mehrere Gründe.

  • Das Berufsbild ist noch vergleichsweise neu und vielen Schulabgängern daher kaum bekannt.
  • Außerdem setzt es ein doppeltes Interesse voraus: Gefragt sind sowohl handwerkliches Geschick und technisches Verständnis als auch Interesse an kaufmännischen Aufgaben.
  • Hinzu kommt der hohe Anspruch der Ausbildung. In der Feinmechanik müssen Bauteile teilweise auf einen Tausendstel Millimeter genau gefertigt werden. Gleichzeitig stehen wirtschaftliche Zusammenhänge, Kundenkontakte und organisatorische Aufgaben auf dem Lehrplan. Die Ausbildung spricht damit eine kleinere Gruppe an als ein klassischer technischer oder kaufmännischer Beruf.
  • Auch die Organisation kann eine Herausforderung sein. Der Berufsschulunterricht findet in einer spezialisierten Klasse statt. Für manche Auszubildende bedeutet das, regelmäßig an einen weiter entfernten Schulstandort zu fahren und dort während der Schulwoche untergebracht zu sein.

Die Doppelqualifikation eröffnet verschiedene berufliche Perspektiven

Während der Ausbildung durchlaufen die Azubis unterschiedliche Fertigungsbereiche und lernen den gesamten Weg eines Produkts kennen. Dieser beginnt bei der ersten Idee und reicht über technische Zeichnungen, selbst erstellte Programme und 3-D-Simulationen bis zu den einzelnen Fertigungsschritten.

Das schafft eine besondere Grundlage für spätere Tätigkeiten im technischen Vertrieb, in der Arbeitsvorbereitung, in der Produktionsplanung oder im Kundenservice. Wer die technischen Details aus eigener Erfahrung kennt, kann Kunden und Kollegen im Büro kompetenter beraten.

Die Ausbildung ist deshalb vor allem für Unternehmen interessant, die Fachkräfte an der Schnittstelle zwischen Produktion und Verwaltung benötigen. Für Jugendliche bietet sie die Möglichkeit, technische Praxis und kaufmännisches Wissen von Anfang an miteinander zu verbinden. Gerade weil dieser Weg selten ist, kann die Qualifikation ein klares Profil auf dem Arbeitsmarkt schaffen.