Zum Inhalt springen

Grundsicherung statt Bürgergeld

30 Prozent weniger Geld: Neue Grundsicherung wird strenger

Veröffentlicht:  21. Juni 2026, 07:02
2 min
Frau sitzt auf dem Sofa und schaut besorgt auf ihr Smartphone

30 Prozent weniger Geld schon beim ersten schweren Verstoß: Zum 1. Juli 2026 löst die neue Grundsicherung das Bürgergeld ab – mit spürbar strengeren Regeln für Arbeitsuchende. Wer zumutbare Arbeit hartnäckig verweigert, riskiert sogar den kompletten Leistungsentzug. Betroffen sind rund 5,5 Millionen Menschen in Deutschland.

30 Prozent Kürzung und das ist erst der Anfang

Herzstück ist eine härtere Standardsanktion: Bei einer erheblichen Pflichtverletzung, etwa der Ablehnung zumutbarer Arbeit, kürzt das Jobcenter den Regelbedarf um 30 Prozent. Bei Wiederholung steigt sie bis zum vollständigen Wegfall der Leistung. Diese Totalsanktion soll laut Bundesregierung nur sogenannte Totalverweigerer treffen; Minderjährige und Schutzbedürftige sind ausgenommen.

Das ändert sich zum 1. Juli 2026:

  • Neuer Name: Aus Bürgergeld wird Grundsicherung für Arbeitsuchende, die Leistung heißt Grundsicherungsgeld.
  • Schärfere Sanktionen: 30 Prozent Kürzung, in der Eskalation bis zum vollständigen Entzug.
  • Vermittlungsvorrang: Arbeit geht vor Qualifizierung.
  • Strengeres Vermögen: Die Karenzzeit fällt weg, das Schonvermögen richtet sich nach dem Alter.
  • Nullrunde: Der Regelsatz bleibt 2026 bei 563 Euro für Alleinstehende.

Beim Ersparten zählt jetzt das Lebensalter

Auch beim Vermögen wird es enger: Bisher blieben im ersten Jahr bis zu 40.000 Euro geschützt, diese Karenzzeit entfällt, das Jobcenter prüft ab dem ersten Tag.

Stattdessen gelten altersabhängige Freibeträge, nach gängiger Auslegung von rund 5.000 Euro für unter 30-Jährige bis zu 20.000 Euro ab 51 Jahren. Wer nach dem Arbeitslosengeld I in die Grundsicherung rutscht, muss Erspartes früher einsetzen- die Reform trifft also nicht nur Langzeitbeziehende.

Fördern und Fordern – oder Rolle rückwärts?

Politisch ist die Reform ein Kompromiss: Kanzler Friedrich Merz wirbt für Fördern und Fordern, Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) für mehr Verbindlichkeit. Im Bundestag stimmten Union und SPD am 5. März 2026 mit 320 zu 268 Stimmen zu – die SPD milderte die härtesten Kürzungspläne der Union zuvor ab. Von außen kommt scharfe Kritik: VdK-Präsidentin Verena Bentele nennt die Reform eine Rolle rückwärts, Diakonie und DGB warnen vor Existenzängsten und Wohnungsverlust.

Ob die strengeren Regeln mehr Menschen in Arbeit bringen, ist offen. Sicher ist nur: Das soziale Netz, auf das jede:r angewiesen sein kann, ist enger geknüpft. Wer Leistungen bezieht, sollte Termine wahrnehmen und Bescheide genau prüfen.