Nach 5 Jahren Gehaltserhöhung: Was steht dir zu?
Fünf Jahre im selben Unternehmen: Du hast Krisen gemeistert, Kollegen kommen und gehen sehen und mehrfach bewiesen, was du kannst. Du kennst jeden Prozess, jede Abkürzung und jede ungeschriebene Regel. Aber hast du in dieser Zeit auch finanziell den Sprung gemacht, den du verdienst? Hier erfährst du, wie viel Gehaltserhöhung nach fünf Jahren realistisch ist und wie du am besten verhandelst.
Fünf Jahre im Unternehmen: Zeit für mehr Geld?
Ein Recht auf eine regelmäßige Gehaltserhöhung gibt es in Deutschland nur, wenn es ein Tarifvertrag so vorsieht. Viel wichtiger ist, was du seit deiner Einstellung geleistet und wie du dich entwickelt hast. Nach fünf Jahren hast du damit aber in der Regel eine ziemlich solide Verhandlungsposition.
Du bist kein Risiko mehr: Arbeitgeber investieren viel Geld in die Einarbeitung neuer Mitarbeiter:innen. Nach fünf Jahren in der Firma arbeitest du längst selbstständig, effizient und zuverlässig. Dich zu ersetzen, würde bedeuten: Recruitingkosten, Einarbeitung und eine Menge Wissensverlust. Das wissen auch deine Vorgesetzten.
Du hast echten Mehrwert geschaffen: In fünf Jahren hast du vermutlich einige Projekte abgeschlossen und jede Menge Wissen angehäuft. Du kennst die Eigenheiten von Kund:innen und Kolleg:innen, die internen Abläufe und Fallstricke und die Geschichte hinter manchen Entscheidungen. Dieses sogenannte institutionelle Wissen lässt sich nicht in einem Handbuch festhalten und nicht in einer Übergabe vermitteln: Wenn du gehst, geht es verloren.
Die Preisfrage: Was bin ich eigentlich wert?
Die Chancen für eine Gehaltserhöhung nach fünf Jahren stehen also gar nicht so schlecht. Bevor du ins Gespräch gehst, sollest du dir aber erstmal anschauen, was andere mit deiner Erfahrung und Qualifikation verdienen.
Viele Arbeitnehmer, die lange im selben Unternehmen bleiben, verlieren den Anschluss an die Gehaltsentwicklung ihrer Branche. Die jährlichen Gehaltsrunden (falls es sie gibt) bringen dir meistens zwei, drei Prozent mehr. Das reicht vielleicht, um die Inflation auszugleichen, bringt dich aber nicht wirklich weiter. Und während du auf der Stelle trittst, werden neue Kolleg:innen eingestellt, die mit ähnlichen Aufgaben deutlich mehr verdienen.
Freiwillige Jobwechsel in Deutschland bringen bis zu 30 Prozent mehr Gehalt. Wer intern bleibt, muss sich oft mit deutlich kleineren Anpassungen zufriedengeben: In der Regel bewegen sich die Gehaltserhöhungen beim selben Unternehmen im einstelligen Prozentbereich.
Kenne das Gehalt, das dir zusteht
Das heißt nicht unbedingt, dass du direkt den Job wechseln musst: Es gibt schließlich auch abseits des Gehalts gute Gründe, um bei einem Arbeitgeber zu bleiben. Trotzdem solltest du wissen, was du wert bist: Wenn du merkst, dass du deutlich unter Marktwert bezahlt wirst, ist das in jedem Fall ein starkes Argument für die nächste Gehaltsverhandlung.
So prüfst du deinen Marktwert:
- Gehaltsvergleich nutzen: Der kununu Gehaltscheck zeigt dir, was in deiner Branche, Region und Position üblich ist. Achte dabei auf vergleichbare Berufserfahrung.
- Stellenanzeigen lesen: Immer mehr Unternehmen geben Gehaltsspannen direkt in der Ausschreibung an. Sammle ein paar Beispiele für ähnliche Positionen.
- Im Netzwerk umhören: Gespräche mit ehemaligen Kollegen oder Branchenkontakten können manchmal sehr aufschlussreich sein.
- Recruiter:innen kontaktieren: Personalberater:innen haben einen guten Überblick über aktuelle Gehälter und können dir eine Einschätzung deines Marktwertes geben, ohne dass du dich gleich bewerben musst.
Die durchschnittlichen nominalen Gehaltssteigerungen in Deutschland lagen in den letzten Jahren bei etwa 5 Prozent pro Jahr. Wer in fünf Jahren keine nennenswerte Erhöhung bekommen hat, liegt also möglicherweise 20 bis 25 Prozent unter dem aktuellen Marktniveau.
Wie viel Gehaltserhöhung nach fünf Jahren ist realistisch?
Die Frage, die dich am meisten interessiert, lautet wahrscheinlich: Welche Gehaltserhöhung ist nach fünf Jahren möglich? Es kommt unter anderem darauf an, mit welchem Gehalt du eingestiegen bist, wie es sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat und wie sich dein Verantwortungsbereich verändert hat:
Übliche Zahlen in Österreich
In Österreich sorgen Kollektivverträge oft für automatische jährliche Erhöhungen. Nach fünf Jahren hast du wahrscheinlich bereits mehrere KV-Erhöhungen mitgenommen. Für individuelle Verhandlungen sind oft zusätzlich fünf bis zehn Prozent möglich.
Übliche Zahlen in der Schweiz
Die Schweiz ist traditionell zurückhaltender bei Gehaltserhöhungen. Generelle Erhöhungen liegen meist bei 1,5 bis 2 Prozent jährlich. Nach fünf Jahren ohne nennenswerte Anpassung kannst du aber durchaus fünf bis zehn Prozent mehr fordern, besonders in gefragten Branchen. Individuelle Leistung wird in der Schweiz häufiger über Boni honoriert.
Argumente für deine Gehaltserhöhung nach fünf Jahren
Nach fünf Jahren kannst du schon einiges vorweisen können: Hast du den Umsatz gesteigert, Prozesse verbessert, Kosten gespart, neue Kunden gewonnen oder alte bei Laune gehalten? Je konkreter und messbarer deine Erfolge sind, desto besser.
Informiere dich am besten in unseren Artikeln konkret dazu:
Die Gehaltsverhandlung nach fünf Jahren: Es wird ernst
Eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung will gut geplant sein. Entweder bittest du deine Vorgesetzten um einen konkreten Termin oder du nutzt zum Beispiel das jährliche Mitarbeitergespräch. Um den Zeitpunkt geschickt zu wählen, solltest du auch die Gesamtsituation berücksichtigen: Wie gut ist deine Führungskraft im Moment drauf und wie steht es insgesamt um das Unternehmen? Wenn die Zahlen gerade im Keller sind, sinken auch deine Chancen auf eine Gehaltserhöhung.
Der Moment ist gekommen? Dann geht es jetzt darum, dich gut zu verkaufen und dein Anliegen klar, sachlich, selbstbewusst und dabei freundlich vorzustellen.
So kannst du es formulieren:
„In den vergangenen fünf Jahren habe ich meinen Verantwortungsbereich deutlich erweitert. Ich betreue heute (Kunden/Projekte/Aufgaben) mehr als zu Beginn und habe unter anderem (konkretes Beispiel) erreicht. Angesichts meiner Entwicklung und des aktuellen Marktniveaus möchte ich über eine Anpassung meines Gehalts auf (konkrete Zahl) Euro sprechen.“
Steige ganz bewusst mit einer Zahl ein, die etwas über dem liegt, was du dir vorstellst. Das gibt euch Spielraum für Verhandlungen. Und probier es mal mit einer krummen Zahl, also zum Beispiel mit 54.750 Euro statt 55.000 Euro: Präzise Zahlen wirken überzeugender, weil sie signalisieren, dass du dich gründlich vorbereitet hast.
Keine Gehaltserhöhung nach fünf Jahren?
Du hast dich sorgfältig vorbereitet, deine Argumente gut präsentiert und eine faire Zahl in den Raum gestellt. Trotzdem blockt deine Führungskraft ab oder kommt dir mit Killerphrasen: Das Budget ist knapp, die Zeiten sind unsicher, vielleicht nächstes Jahr. Jetzt ist es wichtig, dass du dich nicht abspeisen lässt, sondern sachlich zu Plan B übergehst.
Frage ruhig nach den konkreten Gründen für die Ablehnung. Liegt es an deiner Leistung oder am Budget? Wenn gerade kein Gehaltssprung drin ist, gibt es vielleicht andere Wege, um mehr aus deinem Job herauszuholen. Steuerfreie Benefits können dir unterm Strich manchmal sogar mehr bringen als eine kleine Bruttoerhöhung. Firmenwagen, Sachbezugskarten, Essenszuschüsse, Jobtickets und Weiterbildungen sind mögliche Alternativen.
Überleg dir, was dir wichtig ist
Vielleicht können dir auch nicht-monetäre Benefits wie flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder zusätzliche Urlaubstage die Zeit bis zur nächsten Gehaltserhöhung versüßen. Wichtig ist, dass du direkt einen nächsten Termin mit deiner Führungskraft vereinbarst und messbare Ziele definierst.
Sollte dein Arbeitgeber nach fünf Jahren zuverlässiger Arbeit absolut nicht bereit sein, dir entgegenzukommen, solltest du dich ehrlich fragen, ob du hier fair behandelt wirst. Wir haben es schon erwähnt: Die besten Chancen für einen Gehaltssprung hast du immer, wenn du den Job wechselst.
Manche Experten empfehlen generell, nach fünf bis sieben Jahren zu prüfen, ob ein Wechsel sinnvoll sein könnte. Zu lange in einer Firma zu bleiben, führt manchmal in eine Komfortzone, die der Karriere eher schadet. Klare Warnsignale: Du trittst finanziell auf der Stelle und entwickelst dich auch fachlich nicht mehr weiter.
Überleg dir, was dir wichtig ist und halte einfach mal die Augen und Ohren offen. Vielleicht bewirbst du dich auf interessante Stellen und führst ein paar Gespräche, um dir einen Überblick über den Markt zu verschaffen. Im besten Fall bekommst du ein tolles Angebot: Das kannst du dann entweder annehmen – oder als Grundlage für eine neue Verhandlung mit deinem aktuellen Arbeitgeber nutzen. Ein bisschen Konkurrenz hat ja noch nie geschadet.
FAQ: Gehaltserhöhung nach fünf Jahren
Das hängt davon ab, wie sich dein Gehalt in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Wenn du regelmäßig kleine Anpassungen bekommen hast, sind weitere 3 bis 7 Prozent realistisch. Wenn dein Gehalt stagniert ist, kannst du 10 bis 20 Prozent fordern, um den Rückstand zum Marktwert aufzuholen. Bei einer Beförderung oder deutlich erweitertem Aufgabenbereich sind auch 15 bis 25 Prozent möglich.
Konkrete, messbare Erfolge überzeugen am meisten: Umsatzsteigerungen, Kosteneinsparungen, neue Kunden oder erfolgreich abgeschlossene Projekte. Dazu der Verantwortungszuwachs, den du in fünf Jahren höchstwahrscheinlich hattest, und dein institutionelles Wissen. Eine Leistungsmappe mit klaren Zahlen und Fakten ist dein stärkstes Werkzeug. Betriebszugehörigkeit und Loyalität allein reichen als Argument nicht aus.
Ja, das ist leider keine Seltenheit. Viele Arbeitgeber zahlen nur minimale jährliche Anpassungen, die oft nicht mal die Inflation ausgleichen. Jobwechsler verdienen häufig deutlich mehr als loyale Mitarbeiter. Wenn dein Gehalt seit fünf Jahren stagniert, liegst du möglicherweise 20 bis 25 Prozent unter deinem aktuellen Marktwert.
Verhandle Alternativen wie steuerfreie Benefits (bis zu 600 Euro pro Jahr), Essenszuschuss, Homeoffice, Jobticket oder zusätzliche Urlaubstage. Vereinbare einen konkreten Folgetermin mit messbaren Zielen und prüfe ernsthaft deine Optionen auf dem Arbeitsmarkt: Ein externes Angebot kann auch die interne Verhandlungsposition stärken.
Das muss jede:r selber wissen. Natürlich gibt es auch abseits des Gehalts Gründe, bei einer Firma zu bleiben. Fakt ist aber: Jobwechsel bringen statistisch gesehen deutlich höhere Gehaltssprünge. Wenn dein Arbeitgeber nach fünf Jahren nicht bereit ist, deine Leistung fair zu honorieren (und auch keine Alternativen anbietet), spricht vieles dafür, sich zumindest umzuschauen.