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Bürgergeldreform

Mindestlohn oder Grundsicherung: Das lohnt sich 2026 in Deutschland mehr

Veröffentlicht:  18. Mai 2026, 08:00
2 min
Ein entspannter Mann lehnt sich mit geschlossenen Augen in seinem Bürostuhl zurück und macht eine Pause an seinem Schreibtisch.

Ab Juli 2026 ersetzt die neue Grundsicherung das Bürgergeld. Die Debatte, ob sich Arbeit in Deutschland überhaupt noch finanziell lohnt, ist damit neu entfacht. Die Antwort darauf liefert ein Blick in die Zahlen.

Nach Bürgergeldreform: Arbeiten lohnt sich 2026 weiterhin

Alleinstehende Arbeitnehmer:innen, die in Vollzeit zum Mindestlohn arbeiten, haben im Bundesdurchschnitt 557 Euro mehr im Monat zur Verfügung als jemand, der Bürgergeld bezieht. Dass dieser Unterschied so klar ausfällt, hat mit der Erhöhung des Mindestlohns und der Bürgergeldreform zu tun.

Seit dem 1. Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 13,90 Euro brutto pro Stunde, 2027 steigt er weiter auf 14,60 Euro. Bei einer 40-Stunden-Woche ergibt das rund 2.410 Euro brutto im Monat. Die Grundsicherung für Alleinstehende steht dagegen seit 2025 bei einem Regelsatz von 563 Euro. Selbst mit Leistungen wie der Mietübernahme bleibt die Lücke zur Lohnarbeit klar bestehen.

Bäckereitheke mit Broten, Brötchen und Gebäck, Verkäuferin links hinter Glasvitrine
Der Mindestlohn in Deutschland liegt aktuell bei 13,90 Euro. In Vollzeit verdient man somit 2.410 Euro.

Das ändert sich ab Juli 2026 für Grundsicherungsempfänger:innen

Die neue Grundsicherung bringt ab Sommer 2026 für Leistungsempfänger:innen schärfere Regeln. Zur besseren Einordnung, ob sich Arbeit noch lohnt, hier die wichtigsten Änderungen:

  • Härtere Sanktionen: Grundsicherungsempfänger:innen, die zwei Jobcenter-Termine ohne Grund versäumen, verlieren 30 Prozent ihrer finanziellen Leistung. Beim dritten Versäumnis wird sie eingestellt und im Folgemonat entfallen bei weiterem Fernbleiben alle Leistungen inklusive der Mietübernahme.
  • Schonfristen entfallen: Erspartes muss vom ersten Tag an eingesetzt werden und wird bei den Leistungen gegengerechnet. Freibeträge werden zudem an Alter und Beitragszeiten gekoppelt.
  • Vermittlung vor allem anderen: Die tatsächliche Qualifizierung für einen Job tritt in den Hintergrund. Wichtiger ist, Arbeitslose schnell in einen Job zu vermitteln.

Das sagen Studien über den Mythos vom lohnenden Nichtstun

Die Vorstellung, Grundsicherung und Mindestlohn lägen finanziell nahe beieinander, hält sich hartnäckig. Sie stimmt aber nicht. Eine Untersuchung des WSI der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Der Vorsprung für Erwerbstätige gilt für alle Haushaltstypen. Für Alleinerziehende mit einem Kind beträgt der Einkommensunterschied sogar 749 Euro, weil staatliche Leistungen wie Kindergeld oder Wohngeld nur für Erwerbstätige in vollem Umfang greifen.

Eine Studie aus Norwegen beleuchtet, unter welchen Bedingungen der Arbeitsanreiz tatsächlich verschwinden kann. Wenn Mindestlohn und Sozialleistungen beide nahe an das Existenzminimum sinken, kann Grundsicherung zur rational überlegenen Wahl werden. Das liegt dann daran, dass der Aufwand des Arbeitens den marginalen finanziellen Vorteil übersteigt. Für Deutschland gilt das derzeit nicht. Die Lösung liege laut der Studie ohnehin nicht im Kürzen von Sozialleistungen, sondern darin, Mindestlöhne konsequent oberhalb des Existenzminimums zu halten.