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Doppelbudget 2027/28 beschlossen

Lohnnebenkosten sinken: Was Arbeitnehmer vom Doppelbudget wirklich haben

von Julia P.
Veröffentlicht:  4. Mai 2026, 10:38
2 min
Junger Mann sitzt am Tisch, hält einen Stift und schaut nachdenklich aus dem Fenster eines modernen Gebäudes.

Die Einigung ist da: Die österreichische Bundesregierung hat das Doppelbudget 2027/28 beschlossen und eines der zentralen Versprechen klingt gut: Die Lohnnebenkosten sollen sinken. Zwei Milliarden Euro Entlastung pro Jahr, ab 2028. Doch das Geld landet zunächst bei den Unternehmen, nicht auf den Gehaltskonten der Beschäftigten. Ob und wie viel davon bei Arbeitnehmern ankommt, ist derzeit noch offen.

Zwei Milliarden Euro Entlastung – aber für wen?

Ab 2028 soll der Beitrag der Arbeitgeber zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) von 3,7 auf 2,7 Prozent der Bruttolohnsumme sinken. Das entspricht einer Entlastung von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr – für österreichische Betriebe. Nicht für Arbeitnehmende. Denn die Lohnnebenkosten, um die es hier geht, zahlen Arbeitgeber obenauf auf das vereinbarte Gehalt. Im Geldbörserl der Beschäftigten ändert sich dadurch zunächst nichts.

Ob Unternehmen die Ersparnis weitergeben, etwa über höhere Löhne in der nächsten KV-Runde, ist offen. Bundeskanzler Stocker formulierte das Ziel bei der Pressekonferenz im Bundeskanzleramt so:

Dabei haben wir ein klares Motto verfolgt: Aufschwung, Gerechtigkeit und Reformen. Aufschwung, indem wir gezielt Wachstumsimpulse setzen und den Standort stärken. Gerechtigkeit, indem wir die Lasten ausgewogen verteilen. Reformen, indem wir strukturelle Veränderungen anstoßen, die unser Land langfristig effizienter und zukunftsfit machen.

Wann die Ersparnis doch beim Gehalt ankommt

Das Bild ist je nach Lebenssituation sehr unterschiedlich. Profitieren könnten:

  • Arbeitnehmer in KMUs, wenn Betriebe die Ersparnis in Gehaltserhöhungen weitergeben
  • Jobsuchende, weil günstigere Lohnkosten Neueinstellungen attraktiver machen – die WKO verweist auf EcoAustria-Berechnungen, wonach ein Prozentpunkt Senkung zwischen 10.000 und 12.000 neue Jobs bringen kann
  • Alle Beschäftigten, wenn sinkende Lohnnebenkosten den Standort Österreich langfristig stärken

Diese Gruppen gehen leer aus

  • Arbeitnehmer über 60, denn die bisherige Beitragsbefreiung für diese Gruppe wird gestrichen – der FLAF-Beitrag gilt künftig für alle Beschäftigtengruppen einheitlich
  • Bezieher von Familienbeihilfe, weil die Arbeiterkammer befürchtet, dass die Umstrukturierung des Fonds diese Leistungen langfristig unter Druck bringt
  • Beschäftigte in Branchen ohne starke Gewerkschaft, wo die Weitergabe von Ersparnissen nicht durch KV-Verhandlungen gesichert ist
Person bearbeitet Finanzunterlagen mit Stift und Taschenrechner, umgeben von Diagrammen und Dokumenten auf dem Schreibtisch
Ob die Entlastung der Arbeitgeber bei den Beschäftigten ankommt, entscheiden erst die Kollektivvertragsrunden 2027/28.

Babler sagt: Die Unternehmen zahlen sich das selbst

Ein berechtigter Einwand lautet: Wenn Unternehmen entlastet werden, zahlen dann nicht am Ende doch Arbeitnehmer drauf – über höhere Steuern? Vizekanzler Babler verneinte das bei der Pressekonferenz explizit: „Die Unternehmer finanzieren sich das selbst.“

Die Gegenfinanzierung kommt demnach aus:

  • KöSt-Erhöhung von 23 auf 24 Prozent für Unternehmen mit Gewinn über einer Million Euro
  • Verlängerung der Bankenabgabe um drei Jahre (rund 300 Mio. Euro/Jahr)
  • Höhere Immobilienertragssteuer
  • Drittes Paket zur Steuerbetrugsbekämpfung

Erst im Juni wird es wirklich konkret

Die Eckpunkte stehen, die Details allerdings noch nicht. Außenministerin Meinl-Reisinger sprach bei der Präsentation von einem „größeren Wurf“, der über das Pflichtprogramm hinausgehe.

Wie groß er tatsächlich ist, wird die Budgetrede im Juni zeigen – dann starten auch die Detailverhandlungen mit den einzelnen Ressorts. Für Arbeitnehmer gilt bis dahin: Die Richtung ist klar, aber ob und wie viel davon im eigenen Gehalt ankommt, entscheiden die KV-Runden 2027/28.