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Arbeitsmarkt Österreich

22,8 % mehr Langzeitarbeitslose: Der Job-Rückweg wird härter

von Julia P.
Veröffentlicht:  3. Juli 2026, 09:15
2 min
Frau sitzt gelangweilt mit Laptop auf dem Sofa und stützt den Kopf auf die Hände

In Österreich waren Ende Juni 54.800 Menschen länger als zwölf Monate arbeitslos gemeldet. Das sind 10.169 mehr als vor einem Jahr, ein Plus von 22,8 Prozent. Gleichzeitig zeigen aktuelle kununu-Daten: Bewerbungsprozesse werden zwar oft professionell bewertet, bei Tempo, Planbarkeit und Ergebnistransparenz bleibt aber Luft nach oben.

Langzeitarbeitslosigkeit wächst deutlich schneller als die Arbeitslosigkeit insgesamt

Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt laut AMS weiter, aber die stärkste Verschärfung zeigt sich nicht beim Gesamtbestand. Ende Juni waren 295.457 Personen arbeitslos gemeldet, ein Plus von 2,4 Prozent zum Vorjahr. Bei Langzeitarbeitslosen liegt der Anstieg dagegen bei 22,8 Prozent. Damit wächst jene Gruppe besonders stark, die bereits mehr als ein Jahr keinen Job gefunden hat.

Auch die Dauer der Arbeitslosigkeit verlängert sich. Die durchschnittliche Vormerkdauer liegt laut AMS bei 237 Tagen und damit 24 Tage höher als im Vorjahr. Die durchschnittliche Verweildauer abgeschlossener Arbeitslosigkeitsepisoden liegt bei 138 Tagen also elf Tage mehr als im Vorjahr. Der Arbeitsmarkt wird damit nicht nur voller, sondern für viele Betroffene auch zäher.

kununu-Daten zeigen: Gute Gespräche reichen nicht, wenn der Prozess davor und danach hakt

Eine aktuelle kununu-Auswertung von 5.888 österreichischen Bewerbungsbewertungen aus den vergangenen zwölf Monaten zeigt: Bewerbungsprozesse werden insgesamt solide bewertet. Besonders gut schneiden direkte Kontaktpunkte ab: etwa Professionalität, Wertschätzung und die Klarheit der nächsten Schritte, die jeweils bei rund 4 von 5 Sternen liegen. Schwächer sind dagegen jene Phasen, in denen Bewerber:innen warten, planen oder eine Entscheidung nachvollziehen müssen.

Der größte Bruch zeigt sich bei Absagen. Bei erfolgreichen Bewerbungen werden Reaktionsgeschwindigkeit und Ergebnistransparenz sehr gut bewertet. Bei abgelehnten Bewerber:innen kippt das Bild: Fast sechs von zehn bewerten die Reaktionsgeschwindigkeit nur mit 1 oder 2 Sternen, mehr als vier von zehn die Transparenz des Ergebnisses. Das Problem liegt damit weniger im Gespräch selbst, sondern im Umgang mit jenen, die am Ende nicht genommen werden.

Für Menschen, die bereits lange arbeitslos sind, kann genau das zum zusätzlichen Hindernis werden. Späte Rückmeldungen blockieren weitere Bewerbungen, unklare Absagen erschweren die nächste Entscheidung und fehlende Transparenz schwächt das Vertrauen in den Arbeitsmarkt. Gerade bei stark steigender Langzeitarbeitslosigkeit kann gutes Recruiting mitentscheiden, ob Menschen wieder Anschluss finden.

Die eigentliche Frage ist nicht nur, wie viele Jobs offen sind

Das AMS meldet 80.570 sofort verfügbare offene Stellen. Gleichzeitig stiegen die Stellenbesetzungen um 9,3 Prozent. Der Arbeitsmarkt bewegt sich also. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur, ob es Jobs gibt, sondern ob Bewerbungsprozesse Menschen schnell genug wieder in Beschäftigung bringen.