Arbeitsmarkt Österreich
400.000 Joblose, 163.000 offene Stellen – warum passt das nicht zusammen?
Österreich, Mai 2026: 398.342 Menschen sind ohne Job und gleichzeitig bleiben über 163.000 Stellen unbesetzt. Wer gerade selbst im Bewerbungsprozess steckt oder sich fragt, wie sicher sein Arbeitsplatz noch ist, spürt diesen Widerspruch oft am eigenen Leib. Die April-Zahlen des AMS zeigen: Der Arbeitsmarkt ist nicht einfach schwach, er ist aus dem Takt geraten.
Warum trifft es diesmal vor allem Frauen?
Männliche Arbeitslosigkeit war im April sogar rückläufig: minus 1,6 Prozent. Bei Frauen hingegen ein Zuwachs von 4,9 Prozent – fast 9.000 Betroffene mehr als im Vorjahr. Der Grund liegt nicht in mangelnder Qualifikation, sondern in den Branchen.
Der stationäre Handel kämpft gegen Konsumflaute und den Vormarsch des E-Commerce – und baut Stellen ab, die überwiegend von Frauen besetzt waren. Im Pflege- und Gesundheitsbereich sieht das Bild anders aus, aber nicht besser: Dort sorgen Krankenhausausgliederungen, also die Auslagerung von Spitalsbetrieben an private Träger, für hohe Fluktuation und unsichere Beschäftigungsverhältnisse. Das, obwohl die Nachfrage nach Fachkräften in diesem Bereich grundsätzlich wächst, wie AMS-Vorstand Johannes Kopf im Ö1-Mittagsjournal betonte.
Das Ergebnis: Ausgerechnet jene Branchen, die traditionell von Frauen dominiert werden, geraten gleichzeitig unter wirtschaftlichen Druck und bieten weniger Stabilität als noch vor einem Jahr.

Die Zahlen, die Österreich gerade beschäftigen
- Nationale Arbeitslosenquote: 7,5 % – ein weiteres kleines Plus gegenüber dem Vormonat
- Über 103.000 Menschen stecken in Langzeitbeschäftigungslosigkeit – 13,3 % mehr als vor einem Jahr
- Wer keinen Job findet, sucht im Schnitt 134 Tage – eine Woche und mehr länger als noch 2025
- Auf der anderen Seite: +23.000 unselbstständig Beschäftigte im Jahresvergleich
- Neue Stellenausschreibungen nahmen um 5,9 % zu
Je länger, desto schwieriger – die eigentliche Gefahr
Was die Statistik nicht sofort zeigt: Langzeitarbeitslosigkeit ist keine Schwäche von Einzelpersonen, sondern ein strukturelles Problem. Wer einmal länger als ein Jahr aus dem Arbeitsmarkt herausfällt, kämpft danach mit deutlich schlechteren Karten. Schon jetzt macht diese Gruppe 32 Prozent aller beim AMS vorgemerkten Personen aus – Tendenz steigend.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Iran-Krieg und die damit verbundenen Energiepreise Österreichs Wirtschaft zusätzlich belasten. Ursprüngliche Prognosen, die für 2026 einen leichten Rückgang der Joblosigkeit vorhergesagt hatten, sind längst nicht mehr haltbar.
Umso wichtiger: Wer jetzt über einen Branchenwechsel oder eine Weiterbildung nachdenkt, sollte nicht warten, denn der beste Zeitpunkt ist vor dem Eintreten in die Statistik, nicht danach.