Jobangebot: So verhandelst du richtig

Nachdem du den Bewerbungsprozess erfolgreich gemeistert hast, bekommst du die erlösende Nachricht: Du hast den Job! Jetzt liegt es an dir zu entscheiden, ob du das Angebot gleich annimmst oder ob du dich doch in die Verhandlung wagst und dir ein besseres Angebot sicherst.

Kürzlich ist dazu ein Artikel im Harvard Business Review Magazin erschienen, in dem wertvolle Tipps zum Umgang mit Jobangebote veröffentlicht wurden. Welche das sind? Das verraten wir dir in diesem Beitrag.

Die Expertenmeinung

Der Karrierecoach und Autor John Lees vergleicht ein Jobangebot mit dem Verliebtsein. Denn laut ihm hat sich ein Arbeitgeber, der sich dafür entscheidet eine Zusage zu kommunizieren, im Wesentlichen in den Bewerber oder die Bewerberin „verliebt“ und sich psychologisch engagiert. Genau zu dieser Zeit, hast du als Kandidatin oder Kandidat einen großen Einfluss auf Stellenbeschreibung und Gehalts- und Leistungspaket.

Ein weiterer Experte, nämlich der Präsident der Lesley University Jeff Weiss, rät dazu, nach einem Jobangebot erstmals zurückzutreten und ausführlich über die eigenen Ziele nachzudenken. Es ist bedeutend, sich das Angebot in Bezug auf die eigene Entwicklung, Lebensqualität und Vielfalt der gewünschten Arbeit zu durch den Kopf gehen zu lassen.

Schritt 1: Evaluieren

Ändere deine Denkweise

Im ersten Schritt ist es für dich wichtig zu erkennen, dass mit dem Zeitpunkt an dem du das Jobangebot erhältst eine „neue und andere Phase“ in deinem Bewerbungsprozess eingeleitet wird, so Lees. Der Zweck des Interviews ist es, ein Angebot zu bekommen. Ist das erstmals geschafft, geht es darum, dieses abzuwägen und mit dem potenziellen Arbeitgeber in die Verhandlung zu treten.

Du beginnst ein neues Kapitel deines Lebens und auch wenn der Job schon so gut wie dir gehört, ist es wichtig voller Begeisterung und Motivation das Gespräch mit deinem zukünftigen Manager zu suchen. Dein oberstes Ziel muss es sein mit einem hohen Engagement in die Verhandlung zu treten und das beste für dich herauszuholen.

Sei methodisch

Als nächstes sollest du darüber nachdenken, was dir sowohl im Berufs- als auch im Privatleben wichtig ist und das Angebot anhand dieser Faktoren zu evaluieren. Menschen neigen oft dazu, sich ausschließlich auf das Gehalt zu fokussieren, was aber mindestens genauso wichtig ist, ist die Frage: „Was ist mir wirklich wichtig?“. Denn das Gehalt ist am Ende des Tages nur eine von vielen Komponenten, die sich auf die Zufriedenheit auswirkt.

Im folgenden Abschnitt werden die wichtigsten Aspekte vorgestellt, über die du dir Gedanken machen solltest:

Aufgabengebiet

Es ist wichtig darüber nachzudenken, ob die angeführten Tätigkeiten auch tatsächlich jene sind, die zur sogenannten Arbeitszufriedenheit beitragen. Das kannst du nur dann herausfinden, wenn du genau weißt, welche Fähigkeiten du besitzt und wie du diese auch einsetzen möchtest.

Hast du dies erstmals ergründet, solltest du einen genauen Blick darauf werfen, inwiefern das Angebot mit den Aufgaben übereinstimmt, die du zu künftig übernehmen musst. Ein tieferes Verständnis davon, was von dir erwartet wird ist entscheidend um zu ergründen, ob man den Job auch wirklich möchte.

Cultural Fit

Ein weiterer Faktor, der einen hohen Stellenwert einnimmt, ist jener des Cultural Fit. Dazu solltest du dir folgende Fragen stellen: Ist das ein Ort, an dem ich glücklich sein werde? Wo werden die Herausforderungen liegen und woran werde ich wachsen können? Wie ist die Kultur der Organisation? Gibt es eine hohe Fluktuation? Eine Möglichkeit, um Antworten auf diese Fragen zu finden ist es, sich auf Plattformen wie kununu oder XING umzusehen, um zu lesen, was in den Bewertungen geschildert wird oder um herauszufinden, wer die Personen sind, die im Unternehmen arbeiten.

Selbstverständlich wirst du nicht in der Lage sein, die Unternehmenskultur zu verhandeln oder zu ändern aber es hilft, wenn man vorher weiß, worauf man sich einlässt.

Flexibles Arbeiten, Urlaub und andere Vorteile

Für viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind Aspekte wie Urlaub oder auch flexible Zeiteinteilung von großer Bedeutung. Während Gesundheitsleistungen in der Regel nicht verhandelbar sind, ist es gut möglich, dass eine zusätzlicher bezahlter Urlaub eine verhandelbare Option ist.

Wenn Flexibilität kein expliziter Bestandteil des Stellenangebotes ist, kannst du das Thema in der Verhandlungsphase auf jeden Fall ansprechen. Wichtig ist zu bedenken, dass man viel eher Erfolg damit haben wird, wenn man seinen eigenen Wert erkennt und auch kommuniziert. Ist man perfekt für den Job geeignet und der Markt angespannt, hat man laut Lees eine Menge Einfluss in der Verhandlungsphase.

Schritt 2: Die Verhandlung

Fragen, Informationen, Ideen

Sobald du diese Überlegungen angestellt hast und weißt, welche Bestandteile des Angebots du gerne abändern möchtest, musst du entscheiden welche Karten du spielst und in welcher Reihenfolge. Die Formulierungen in der Verhandlungsstrategie erfordern Kreativität und müssen je nach Gegenüber auch angepasst werden.

Bedenke nicht nur Änderungswünsche zu äußern, sondern auch deinen Gesprächspartner mit Fragen, Informationen und Ideen auszustatten. Versetze dich hierbei nicht nur in deine eigene Lage sondern auch in jene deines Gegenübers. Eine mögliche Formulierung wäre folgende: „Das Gehalt, das sie anbieten ist gut aber ich möchte mich in dieser Rolle zukünftig weiterentwickeln und könnte mir Optionen wie ein Mentoring-Programm, ein Rotationsprogramm oder Weiterbildungskurse gut vorstellen. Welche Optionen wären möglich?“

Sei widerstandsfähig aber positiv eingestellt

Achte darauf, dass du während der gesamten Verhandlung widerstandsfähig aber frohsinnig bleibst und zeigst, dass du eine sorgfältige Evaluierung vorgenommen hast. Du könntest dies zum Beispiel in dieser Form kommunizieren: „Ich bin mit der Rolle und den Verantwortlichkeiten sehr zufrieden, würde aber gerne einen Tag pro Woche von zuhause aus arbeiten.“

Es geht gar nicht darum, was man verlangt, sondern vielmehr wie man es verlangt. Bereite dich vor dem Gespräch umfassend vor und und sei währenddessen respektvoll und konstruktiv. Du möchtest als jemand gesehen werden, mit dem gerne zusammenarbeitet und das Beste aus diesem Jobangebot herausholen.

Sage es, wenn es nicht das Richtige ist

Im Idealfall gibt es bei dieser Art von Verhandlungen ein Geben und Nehmen. Solltest du aber immer wieder ein „Nein“ für alles, was du verlangst als Antwort bekommen, zeugt das von Inflexibilität seitens deines Gegenübers. Möglicherweise deutet das schon auf einen Führungsstil hin, mit der nicht zu dir und deinen Vorstellungen passt.

Schenke in diesem Fall deinem eigenen Gefühl besondere Aufmerksamkeit und wenn dieses dir sagt, dass du die Position nicht annehmen solltest, höre zu. Es ist es keine Schande, ein Stellenangebot abzulehnen, wenn es nicht richtig passt, immerhin geht es um deine Zukunft.

 

Quelle:
[1] Harvard Business Review