Gehaltserhöhung nach 10 Jahren Betriebszugehörigkeit: Wie viel ist möglich?
Du bist seit zehn Jahren im Unternehmen und eine Gehaltserhöhung wäre eigentlich mal wieder fällig? Ein gesetzliches Recht auf mehr Geld hast du zwar auch nach so langer Zeit nicht, aber deine Verhandlungsposition ist ziemlich gut. Wir sagen dir, wie viel mehr nach zehn Jahren in der Firma drin ist, wie du dich auf das Gespräch vorbereitest und mit welchen Argumenten du deine Vorgesetzten wirklich überzeugst.
Nach zehn Jahren in die Gehaltsverhandlung
Nach einem ganzen Jahrzehnt im selben Unternehmen kennst du jeden Prozess, jede Abkürzung im System und jede Eigenart der Kolleg:innen. Du bist die Person, die gefragt wird, wenn jemand nicht mehr weiterkommt. Und trotzdem beschleicht dich vielleicht das Gefühl, dass dein Gehalt deinen täglichen Beitrag nicht so richtig widerspiegelt.
Intern entwickeln sich die Gehälter anders als auf dem freien Markt. Und je länger du bei einem Arbeitgeber bleibst, desto größer wird die Lücke. Das klingt paradox, weil dein Wert für die Firma ja eigentlich mit der Zeit immer mehr wird.
Unternehmen orientieren sich bei Gehaltserhöhungen aber in der Regel immer auch an deinem Einstiegsgehalt. Größere Gehaltssprünge sind nach zehn Jahren daher oft schwierig – ganz besonders, wenn du relativ niedrig eingestiegen bist.
Warum das Gehalt nach zehn Jahren oft hinterherhinkt
Du hoffst, nach zehn Jahren eine Gehaltserhöhung zu kriegen? Dann musst du wahrscheinlich selbst aktiv werden, denn ein Recht darauf gibt es in Deutschland nicht. Nur in tarifgebundenen Unternehmen greifen nach bestimmten Zeiträumen automatische Gehaltssteigerungen.
Viele Betriebe entscheiden sich trotzdem freiwillig für regelmäßige Lohnanpassungen, um die Inflation auszugleichen. Davon hast du aber de facto nicht viel, weil deine Kaufkraft ja dieselbe bleibt.
Die Gehaltskurve flacht mit steigender Betriebszugehörigkeit ab
Und selbst wenn du jedes Jahr drei Prozent mehr Gehalt bekommen haben solltest, verdienen Neueinsteiger:innen inzwischen wahrscheinlich ähnlich. Unternehmen müssen am Markt konkurrenzfähige Gehälter bieten, um neue Fachkräfte zu gewinnen.
Für bestehende Mitarbeitende greifen diese Marktanpassungen aber oft nicht: Die sind ja schon da, da muss man sich im Zweifelsfall nicht mehr ganz so sehr bemühen. Haftkraft und so. Während es am Anfang der Karriere oft noch steiler bergauf geht, flacht die Gehaltskurve mit der Zeit immer mehr ab. Das heißt, neue Kolleg:innen starten auf einem Niveau, das deinem Gehalt nach zehn Jahren der Betriebszugehörigkeit entspricht oder es sogar übersteigt.
Welche Gehaltserhöhung ist nach zehn Jahren möglich?
Dass es in Deutschland keine Pflicht für regelmäßige Gehaltserhöhungen gibt, ist aber gleichzeitig auch dein Ass im Ärmel: Es bedeutet nämlich auch, dass dein Gehalt frei verhandelbar ist. Prinzipiell gelten die üblichen Richtwerte für Gehaltserhöhungen auch noch nach vielen Jahren im selben Unternehmen. Das bedeutet:
- Ohne einen Wechsel der Rolle oder des Verantwortungsbereichs kannst du etwa drei bis sieben Prozent mehr Gehalt anpeilen
- Übernimmst du deutlich mehr Verantwortung, sind fünf bis zehn Prozent realistisch
- Wer in eine Führungsrolle aufsteigt oder eine komplett neue Position übernimmt, kann auch mal zehn bis 15 Prozent verhandeln
Schlagende Argumente nach zehn Jahren im Betrieb
Wie hoch die Gehaltserhöhung ausfällt, wird also vor allem von deiner Leistung und natürlich von der Branche und der Situation des Unternehmens bestimmt. Ein Familienunternehmen im ländlichen Niedersachen kann meistens nicht dasselbe bezahlen wie ein großer Konzern in München. Und wenn die Firma gerade rote Zahlen schreibt, stehen deine Chancen wahrscheinlich auch nicht besonders gut.
Aber nach zehn Jahren verhandelst du grundsätzlich aus einer ziemlich netten Position, die Berufsanfänger:innen schlicht nicht haben. Denn: Du bist teuer zu ersetzen.
Deloitte bezifferte die Kosten für einen Mitarbeiterwechsel im Jahr 2019 auf 14.900 Euro pro Stelle. In schwer zu besetzenden Bereichen kann eine Nachbesetzung sogar noch deutlich teurer werden. Recruiting, Einarbeitung und der Produktivitätsverlust kosten eben. Das musst du nicht direkt so aussprechen, du solltest es aber beim Gehaltsgespräch im Hinterkopf behalten.
Die Vorbereitung auf das Gehaltsgespräch
Marktwertvergleich: Recherchiere über den kununu Gehaltscheck, was andere Angestellte auf vergleichbaren Positionen in deiner Branche und Region verdienen. Konkrete Zahlen sind bei der Verhandlung überzeugender als dein dumpfes Bauchgefühl.
Leistungsbilanz: Am besten dokumentierst du so akribisch wie möglich, was du seit deiner Einstellung erreicht hast. Welche Projekte hast du über die Jahre getragen, wo hast du dem Unternehmen Geld gespart und welche Prozesse laufen vielleicht heute besser, weil du sie optimiert hast?
Entgelttransparenz nutzen: Seit 2017 regelt das Entgelttransparenzgesetz, dass du in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten den Medianverdienst vergleichbarer Positionen erfragen kannst. Von diesem Auskunftsanspruch solltest du vor der Gehaltsverhandlung unbedingt Gebrauch machen: Wer weiß, was sich in der Firma beim Thema Gehalt in den letzten zehn Jahren alles getan hat.
Zukunftswert betonen: Wie lange du dabei bist, ist für sich genommen noch kein Argument für eine Gehaltserhöhung. Formuliere deinen Mehrwert für die Firma mit Ausblick auf die Zukunft: Also warum gerade deine Arbeit für die Entwicklung des Unternehmens so wertvoll ist.
In vielen Fällen kannst du deine Chancen auf eine Gehaltserhöhung steigern, indem du signalisierst, dass andere Firmen dich gerne abwerben würden. Falls du also schon mal von Recruiter:innen kontaktiert wurdest oder sogar ein konkretes Angebot hast, lass deine Vorgesetzten das ruhig wissen. Das kann aber auch nach hinten losgehen: Bluffen würden wir dir daher eher nicht empfehlen.
Wann ist der perfekte Zeitpunkt für die Gehaltsverhandlung nach 10 Jahren?
Du kennst deinen Marktwert und hast alle wichtigen Erfolge der letzten Jahre in einer Leistungsmappe dokumentiert? Dann ist es Zeit, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Das braucht manchmal ein bisschen Fingerspitzengefühl.
Eine gute Gelegenheit für die Gehaltsverhandlung nach zehn Jahren ist dein regelmäßiges Mitarbeitergespräch. Falls das gerade nicht ansteht, ist ein erfolgreich beendetes Projekt ein strategisch kluger Anlass, um eine Gehaltserhöhung anzusprechen. Erfahrungsgemäß ist der Start eines neuen Geschäftsjahres besser als das Ende, weil es dann oft noch Spielraum bei den Budgets gibt.
Zusatztipp: Kenne deine Vorgesetzten! Je besser gelaunt die Führungskraft, desto besser stehen deine Chancen. Falls dein:e Chef:in zum Beispiel morgens oft ein bisschen Anlaufzeit braucht, legst du das Gespräch besser auf den Nachmittag. Termine kurz vor dem Wochenende eignen sich häufig recht gut.
Auf in das Gehaltsgespräch: So verhandelst du erfolgreich
Mit diesen Tipps und Argumenten steigerst du deine Chancen auf eine ordentliche Gehaltserhöhung nach zehn Jahren:
- Trage dein Anliegen sachlich, freundlich und selbstbewusst, aber nicht zu fordernd vor.
- Konzentriere dich auf deine erbrachte Leistung und deinen zukünftigen Wert für die Firma.
- Starte mit kleineren Erfolgen und heb dir das stärkste Argument für später auf: Der letzte Punkt bleibt beim Gegenüber am meisten hängen.
- Verzichte darauf, deine Betriebszugehörigkeit oder das Gehalt deiner Kollegen als Argumente zu verwenden.
- Starte mit einer Zahl, die etwas über deiner Gehaltsvorstellung liegt: So habt ihr noch Verhandlungsspielraum.
Zehn Jahre und trotzdem keine Gehaltserhöhung?
Du hast dich sorgfältig vorbereitet, gut argumentiert – und trotzdem lehnt deine Führungskraft es ab, dir nach zehn Jahren eine Gehaltserhöhung zu geben? Dann heißt es erstmal ruhig bleiben. Ein Nein heißt nicht immer automatisch, dass alles verloren ist.
Auch wenn es dir schwerfällt: Lass dich nicht sofort abspeisen. Frage nach den konkreten Gründen, warum mehr Gehalt gerade nicht drin ist, und bitte um konkrete Ziele, die du für eine Gehaltserhöhung erreichen müsstest. Dann vereinbarst du am besten direkt einen Termin für das nächste Gehaltsgespräch, um das Ganze verbindlich zu machen.
Verhandeln oder gehen?
Vielleicht gibt es auch Alternativen zu mehr Gehalt, wie zum Beispiel Homeoffice, einen Firmenwagen, ein Weiterbildungsbudget, zusätzliche Urlaubstage oder flexible Arbeitszeiten. Auch damit ist die Verhandlung aber nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.
Sollte dein Arbeitgeber in keinster Weise bereit sein, dir entgegenzukommen, tut das gerade nach zehn Jahren im Unternehmen natürlich weh. Wenn du mit deiner Leistung zufrieden bist, sie aber von deinen Vorgesetzten absolut nicht honoriert wird, ist es vielleicht Zeit, sich nach neuen Möglichkeiten umzuschauen. Auch wenn Geld nicht alles ist: Die größten Gehaltssprünge machst du meistens, wenn du den Arbeitgeber wechselst.
Ein gesetzliches Recht auf Gehaltserhöhung existiert nicht. Ausnahmen sind tarifvertragliche Stufensteigerungen oder Regelungen in Betriebsvereinbarungen. In allen anderen Fällen ist die Gehaltserhöhung Verhandlungssache.
Setze auf konkrete Leistungsnachweise und Erfolge, einen fundierten Marktwertvergleich mit externen Gehaltsdaten und deinen zukünftigen Wert für das Unternehmen. Allein mit Betriebstreue zu argumentieren reicht in der Regel nicht: Deine Loyalität ist wenn überhaupt ein ergänzender Punkt.
Ohne Rollenwechsel oder zusätzliche Verantwortung sind 3 bis 7 Prozent ein üblicher Rahmen. Bei neuen Aufgaben oder einer Beförderung sind auch mal 10 bis 15% drin. Entscheidend sind unter anderem Faktoren wie dein konkreter Beitrag und Marktwert, aber auch die Größe, Region und finanzielle Situation des Unternehmens.
Prüfe zunächst deinen Marktwert über den kununu Gehaltscheck: Das gibt dir eine Idee davon, was du verdienen solltest. Dann bereitest du am besten eine Leistungsbilanz vor und suchst aktiv das Gespräch. Falls das Unternehmen dauerhaft keine Anpassungen bietet, ist ein Arbeitgeberwechsel häufig der wirksamste Hebel für mehr Gehalt.
Leider ist das oft so, ja. Wenn du den Arbeitgeber wechselst, sind bis zu 30 Prozent mehr Gehalt drin. Ein solcher Sprung ist intern nur in Ausnahmefällen möglich, hier bleiben die Erhöhungen oft im einstelligen Prozentbereich. Bevor du wechselst, solltest du dir aber überlegen, was dir neben dem Geld an einem Job wichtig ist: Ein kurzer Fahrtweg, flexible Arbeitszeiten, Kündigungsschutz, Abfindungsansprüche, betriebliche Altersvorsorge und auch das nette Team sind mögliche Argumente, um zu bleiben.