Gehaltserhöhung & Inflation: Was du als Arbeitnehmer:in wissen solltest
Hohe Inflation, verursacht durch Corona-Pandemie, Lieferkettenprobleme und den Ukraine-Krieg, mindert die Kaufkraft. Die EZB steuert mit Zinsanpassungen gegen, wobei Experten bis 2028 relativ hohe Inflationsraten erwarten. Die Schweiz profitiert von einem starken Franken und Eigenversorgung bei Energie. Arbeitnehmer haben keinen direkten Anspruch auf Inflationsausgleich durch Gehaltserhöhungen. Es ist ratsam, in Gehaltsverhandlungen die eigene Leistung statt der Inflation zu betonen. Unternehmen können freiwillige Inflationsausgleichsprämien zahlen. Ökonomen warnen vor einer Lohn-Preis-Spirale, bei der Gehaltserhöhungen die Inflation weiter antreiben.
Was ist Inflation, wie entsteht sie – und gibt es bei hoher Inflation einen Gehaltsausgleich? In diesem Artikel findest du die wichtigsten Antworten rund um das Thema Gehalt und Inflation. Außerdem sagen wir dir, ob Arbeitnehmer:innen Anspruch auf eine jährliche Gehaltserhöhung als Inflationsausgleich haben und wie du am besten verhandelst.
Inflationsausgleich: Mehr Gehalt bei höheren Preisen
Mehr Inflation bedeutet, dass das Preisniveau von Waren, Gütern und Dienstleistungen steigt. Alles wird teurer, die Kaufkraft sinkt – oder anders gesagt: Dein Gehalt ist im Vergleich zu vorher weniger wert. Deshalb nennt man Inflation auch Geldentwertung.
Eine hohe Inflationsrate hat also zur Folge, dass Verbraucher:innen deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen, um die Dinge des täglichen Lebens zu finanzieren. Besonders ärgerlich ist es, wenn die Kosten steigen, aber die Gehälter nicht.
Keine Gehaltserhöhung trotz Inflation?
Leider hast du als Arbeitnehmer:in keinen Anspruch auf eine standardmäßige Gehaltserhöhung als Inflationsausgleich durch dein Unternehmen. Bei sehr hoher Inflation gibt es manchmal Unterstützung von Seiten der Regierung: In Deutschland wurde 2022 beispielsweise ein Inflationsausgleichsgesetz verabschiedet, um die Steuerzahlenden zu entlasten.
Das Gesetz sollte inflationsbedingte Mehrbelastungen ausgleichen, indem die Steuerlast an die Inflation angepasst wurde. Unter anderem wurde der steuerlichen Grundfreibetrag erhöht: Das bedeutet, dass Steuerzahler:innen weniger Lohnsteuer zahlen müssen.
In Österreich wurde im Juli 2022 ebenfalls ein Teuerungs-Entlastungspaket als Ausgleich für die hohe Inflation beschlossen, um der sogenannten „kalten Progression“ entgegenzuwirken.
Warum manche Unternehmen einen freiwilligen Inflationsausgleich zahlen
Es gibt einige Unternehmen, die bei steigenden Lebenshaltungskosten höhere Gehaltskosten einkalkulieren und sich bemühen, ihre Mitarbeitenden zu unterstützen. Das passiert dann allerdings auf freiwilliger Basis.
In Deutschland gab es zum Beispiel bis Ende 2024 die sogenannte Inflationsausgleichsprämie, bei der Arbeitgeber ihren Angestellten zusätzlich bis zu 3.000 Euro pro Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei bezahlen konnten: eine tolle Möglichkeit, die viele Unternehmen auch in Anspruch nahmen.
In manchen Branchen, zum Beispiel bei Tarifverträgen und im öffentlichen Dienst, gibt es ebenfalls oft Gehaltserhöhungen bei Inflation.
Ist die hohe Inflationsrate in der Gehaltsverhandlung ein Argument?
Für dich als Arbeitnehmer:in bedeutet die hohe Inflation, dass du höhere Kosten hast bzw. dass dein Gehalt weniger wert ist. Da scheint es naheliegend, im Bewerbungsprozess oder in der jährlichen Gehaltsverhandlung einen Ausgleich zur Inflation zu verlangen. Fragen kostet ja nix, oder?
Wir raten dir davon allerdings ab. Warum? Weil von einer Inflation alle betroffen sind: Du, alle Kolleg:innen und dein Unternehmen sitzt buchstäblich im selben Boot. Auch dein Arbeitgeber hat bei einer hohen Inflationsrate Mehrkosten für Energie, Transport und Logistik und muss mit steigenden Preisen im Einkauf leben.
Tipps für Gehaltsverhandlungen bei hoher Inflation
Ein Recht auf eine Gehaltserhöhung als Inflationsausgleich hast du also leider nicht. Heißt das jetzt, dass du einfach mit dem Sinken deiner Kaufkraft leben musst? Nicht unbedingt: Es ist fast immer eine gute Idee, regelmäßig in die Gehaltsverhandlung zu gehen. Denn mehr Geld bekommt in der Regel nur, wer danach fragt und selbstbewusst auftritt.
Aber: Für den Wunsch nach einer Gehaltserhöhung gibt es deutlich bessere Argumente als die Inflation. Ganz vorne steht dabei natürlich deine Leistung. Als Vorbereitung für deine nächste Gehaltsverhandlung haben wir hier einige Tipps für dich zusammengestellt.
Was sind die Gründe für hohe Inflation?
Nach der Corona-Pandemie erlebte der deutschsprachige Raum Inflationsraten, die es vorher jahrzehntelang nicht gegeben hatte. In Deutschland gab es 2022 mit 6,9 Prozent die höchste Inflationsrate seit der Einführung des Euro, in Österreich waren es sogar 8,6 Prozent.
Eine hohe Inflation kann unterschiedliche Ursachen haben. Der Grund für die hohen Inflationsraten der letzten Jahre war eine Kombination aus mehreren Faktoren: Während der Corona-Pandemie brach die Wirtschaft ein und weltweit stiegen die Produktions- und Transportkosten, weil während der Pandemie die Lieferketten gestört wurden.
Im Anschluss gab es plötzlich eine erhöhte Nachfrage auf Seite der Verbraucher:innen, die größer war als das Angebot. Dazu kam der Krieg in der Ukraine: Die dadurch entstandenen Rohstoffengpässe verknappten vor allem bei Energie und Getreide das Angebot. Die EU beschloss damals Sanktionen für Russland und reduzierte die Öl-Importe um 90 Prozent, was die Energiepreise weltweit anstiegen ließ.
Wie wird sich die Inflation in den nächsten Jahren entwickeln?
Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht, mit Zinsanpassungen gegenzusteuern, um die Preise zu stabilisieren. 2022 begann sie damit, den Leitzins (also die Grundlage für die Zinsen, die du auf dein Geld bekommst oder für deinen Kredit zahlen musst) nach und nach zu erhöhen, um die Preise zu stabilisieren.
Nachdem die Inflationsraten sich dem Zielniveau von 2,0 Prozent genähert hatten, senkte die EZB den Leitzins im Sommer 2024 erstmals wieder. In Deutschland liegt die Inflationsrate aktuell (Stand Juli 2025) bei 2,0 Prozent, in Österreich bei 3,3 Prozent.
Im Rahmen einer Umfrage des ifo Instituts teilten führende Volkswirt:innen ihre Einschätzung für die weitere Entwicklung. Für die kommenden Jahre erwarten die teilnehmenden Expert:innen relativ hohe Inflationsraten: Bis 2028 gehen sie weltweit von etwa 3,5 Prozent aus.
Für Westeuropa wird erwartet, dass sich das Preisniveau bis 2028 um eine Inflationsrate von 2,0 Prozent einpendelt. Das hängt allerdings auch davon ab, wie sich der Zollstreit mit den USA weiterhin entwickelt.
Wie wird die Inflationsrate gemessen?
In Deutschland wird die Inflationsrate vom Statistischen Bundesamt im Vergleich zum Vorjahresmonat gemessen. Dazu wird ein fiktiver Warenkorb herangezogen, der aus den Preisen von 650 unterschiedlichen Gütern des täglichen Lebens von Verbraucher:innen besteht. In Österreich ermittelt die Bundesanstalt Statistik nach einem ähnlichen Vorgehen die Inflation.
Warum ist die Inflationsrate in der Schweiz niedriger als in Deutschland und Österreich?
Auch in der Schweiz war im Schreckensjahr 2022 die Inflationsrate zunächst gestiegen, allerdings deutlich weniger als in Deutschland und Österreich. Dass die Preise in der Schweiz oft stabiler sind, hat mehrere Gründe.
Zum einen ist der Schweizer Franken im Vergleich zum Euro sehr stark. Importierte Produkte, vor allem aus der Eurozone, sind daher besonders günstig. Zum anderen kann die kleine Schweiz ihren Energiebedarf zu einem großen Teil selbst decken und ist daher wenig abhängig von teuren Energieimporten aus dem Ausland.
In den letzten Monaten drohte der Schweiz aber das umgekehrte Szenario: Bei der sogenannten Deflation sinken die Preise, was im schlimmsten Fall zu einem wirtschaftlichen Abschwung führen kann. Deshalb peilt die EZB grundsätzlich eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an.
Ökonomen warnen vor Lohnerhöhungen: Das Phänomen der Lohn-Preis-Spirale
Kleiner VWL-Exkurs gefällig? Eigentlich liegt es auf der Hand, dass Gehaltserhöhungen die Inflation sogar weiter anheizen können. Durch höhere Gehälter steigen die Kosten auf Seiten der Firmen. Dann müssen diese irgendwann ihre Preise anheben – was wiederum dazu führt, dass die Kosten für die Verbraucher:innen und entsprechend die Inflation weiter steigen.
Die Folge wäre eine Stagflation: Eine Situation mit geringem Wirtschaftswachstum und hoher Arbeitslosigkeit bei steigenden Preisen.
Gehaltserhöhung & Inflation: Fazit und Tipps
Du willst wissen, wie gut du mit deinem Gehalt im Vergleich zu anderen dastehst? Dann haben wir etwas für dich: In unserem Gehaltscheck 2026 haben wir analysiert, was man je nach Beruf, Branche, Erfahrung und Region in Deutschland an Gehalt bezahlt bekommt. So weißt du genau, ob es Zeit ist, mal wieder in die Gehaltsverhandlung zu gehen: Inflation hin oder her.