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Frauengehälter in männerdominierten Branchen: Wann ist Feierabend?

Frauen verdienen in männerdominierten Branchen oft weniger. Im Handwerk sind nur 10,3 % der Beschäftigten weiblich. In der Autobranche verdienen Männer im Schnitt 55.664 Euro, Frauen 47.967 Euro. In der IT sind es 61.655 Euro (Männer) zu 52.543 Euro (Frauen). Die Energiebranche zeigt ähnliche Differenzen: 61.948 Euro (Männer) zu 52.632 Euro (Frauen). Bau und Architektur bilden eine Ausnahme mit "nur" 9,63 % Unterschied. Die Finanzbranche weist mit 21,02 % die größte Lücke auf. Viele Unternehmen setzen auf Diversity-Programme, aber traditionelle Rollenbilder und geringere Aufstiegschancen für Frauen bleiben Herausforderungen. Transparente Kommunikation und Unterstützung von Diversitätsinitiativen können helfen, die Situation zu verbessern.

Noch immer gelten viele technische oder handwerkliche Berufe als klassische Männerdomänen. Das spiegelt sich nicht nur in der Beschäftigtenzahl, sondern auch durchgehend im Gehalt wider. Doch wie groß ist der Unterschied wirklich? Wir haben die Gehaltsdifferenz in Arbeitszeit umgemünzt und berechnet, wann Frauen demnach Feierabend machen dürfen.

So viele Frauen arbeiten in Deutschland

Ein Betrieb, in dem du auf keine einzige weibliche Arbeitnehmerin triffst? Durchaus möglich. Im Handwerk sind beispielsweise gerade einmal 10,3 Prozent der Beschäftigten weiblich. Frauen, die sich in diesen Branchen durchsetzen, verdienen im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen.

Bevor wir aber voll in das Thema Gehalt von Frauen in männerdominierten Branchen eintauchen, schauen wir uns mal kurz an, wie die Situation von Arbeitnehmerinnen in Deutschland allgemein aussieht.

Laut dem Statistisches Bundesamt lag die Erwerbstätigenquote von Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren im Jahr 2024 bei 74 Prozent. Dagegen waren etwa 81 Prozent der Männer berufstätig. Gleichzeitig arbeitete fast jede zweite erwerbstätige Frau (49 Prozent) in Teilzeit. Bei Männern betrug dieser Anteil gerade einmal zwölf Prozent.

Wahrscheinlich weißt du schon, dass Frauen generell weniger verdienen als Männer. Im Schnitt liegt der Gender Pay Gap derzeit 2025 bei rund 15,69 Prozent. Doch wie hoch ist er in den klassisch männerdominierten Branchen?

Um das besser zu veranschaulichen, haben wir mit einem Augenzwinkern die Differenz in Arbeitsstunden umgerechnet. Wie viele Stunden müssten Frauen weniger arbeiten, wenn sie den gleichen Stundensatz verdienen wie männliche Kollegen? Oder umgekehrt: Ab wann arbeiten Frauen in den einzelnen Branchen gratis?

Automobilbranche: Statussymbol mit Lücke?

Ihr Auto sehen viele Männer als Prestigeobjekt. Manche gehen sogar so weit zu sagen, dass ihr Sexappeal durch die Marke ihres Kraftfahrzeugs steigen kann. Bei so viel Liebe für das Auto ist es kein Wunder, dass die Automobilbranche seit jeher als männerdominiert gilt. Vor 15 Jahren arbeiteten gerade einmal zwischen zwölf und 18 Prozent weibliche Beschäftigte in der Branche.

Mittlerweile setzen sich Unternehmen wie BMW jedoch stark für mehr Gleichstellung im Job ein. Transparenten Karrierepfade, Mentoring-Programme und Initiativen, die mehr Frauen in Führungspositionen bringen sollen, machen BMW – und andere Unternehmen der Automobilindustrie – als Arbeitgeber für Frauen immer attraktiver.

Den Initiativen einzelner Arbeitgeber steht allerdings der traurigen Realität gegenüber. So zeigt sich beim Gehalt, dass Männer in der Autobranche im Schnitt 55.664 Euro brutto im Jahr verdienen. Frauen hingegen erhalten nur 47.967 Euro. Das sind 7.697 Euro oder rund 13,8 Prozent weniger.

Übersetzt in Arbeitszeit würde das bedeuten: Während Männer einen Achtstundentag arbeiten, könnten Frauen eine gute Stunde (66 Minuten) eher Feierabend machen. Immerhin bekommen sie ja auch fast 14 Prozent weniger Gehalt.

IT: Männerquote by Default?

Von klein auf wird Jungen fälschlicherweise ein besseres Verständnis für Zahlen zugeschrieben als Mädchen. Dieses über die Jahre verinnerlichte Denken könnte einer der Gründe sein, warum der Anteil an Frauen in der IT – also da, wo Zahlen, Formeln und Codes besonders wichtig sind – so klein ist. Frauen machen hier gerade einmal rund 19 Prozent der Beschäftigten aus.

Der Gehaltsunterschied zwischen weiblichen und männlichen Beschäftigten fällt ebenfalls deutlich aus. So verdienen Männer durchschnittlich 61.655 Euro, Frauen jedoch nur 52.543 Euro. Das sind 9.112 Euro weniger, was einem Minus von 14,78 Prozent entspricht.

Oder bildlich gesprochen: Wenn beide eine 40-Stunden-Woche haben und um 8 Uhr morgens starten, könnte sie am Freitag schon um kurz nach 11 Uhr ins Wochenende starten, während er noch bis 17 Uhr sitzen bleiben muss.

Dass diese Rechnung nicht ganz aufgehen kann, haben einige IT-Unternehmen schon bemerkt. Sie investieren inzwischen gezielt in Diversity-Programme und flexible Arbeitsmodelle, um Frauen stärker anzusprechen. Doch solange technische Studiengänge und Führungspositionen mehrheitlich männlich besetzt bleiben, wird sich der Gender Pay Gap wahrscheinlich nur langsam schließen.

Energiebranche: Starke Branche, wenig Licht auf Frauen

Ob Energiewende, Netzausbau oder nachhaltige Versorgung: Die Energiebranche wächst und bietet krisensichere Jobs. Doch wirklich attraktiv für Frauen ist die Branche nicht. In traditionellen Energieunternehmen arbeiten 78 Prozent Männer. Etwas besser sieht es bei Unternehmen aus, die mit erneuerbaren Energien zu tun haben – aber auch nur etwas. Hier liegt der Frauenanteil immerhin bei 32 Prozent.

Die wenigen Frauen in der Energiebranche müssten dann doch zumindest gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, oder? Leider nicht. Frauen verdienen im Schnitt 52.632 Euro, Männer ganze 61.948 Euro. 9.316 Euro weniger gibt es damit für weibliche Beschäftigte. In Prozent sind das 15,04 Prozent Unterschied.

Das bedeutet in einer nicht ganz ernst zu nehmenden Theorie, dass Frauen täglich statt der 8 Stunden nur 6 Stunden 48 Minuten arbeiten müssten. Das wäre also eine gute Stunde früher Feierabend!

Bau & Architektur: Zwischen Beton und Bias

Auf der Baustelle trifft man Frauen nach wie vor selten. Aber auch in den Büros und in anderen Tätigkeiten gibt es in der Bau- und Architekturbranche ausgesprochen wenige weibliche Beschäftigte. Nur 14 Prozent der Angestellten im Bau- und Architekturbereich sind weiblich.

Dabei steigen die Zahlen an den Hochschulen und immer mehr Studentinnen wählen Fächer wie Architektur oder Bauingenieurwesen. Rund 30 Prozent der Studierenden ist bei diesen Fächern mittlerweile weiblich. Doch im späteren Berufsleben kommt dieser Wandel bisher kaum an.

Ähnliches gilt für den späteren Verdienst, wo es aktuell eine Differenz von 9,63 Prozent gibt. Zu Ungunsten der Frauen, versteht sich. Männer erhalten ein Bruttojahresdurchschnittsgehalt von 49.934 Euro, Frauen in Höhe von 45.125 Euro im Jahr. Das ist ein Unterschied von 4.809 Euro.

Klingt nicht dramatisch? In der „Feierabend-Theorie“ bedeutet das, dass Frauen täglich statt 8 Stunden nur ca. 7 Stunden und 14 Minuten arbeiten müssten.

Elektro & Elektronik: Hochspannung im Job, Kurzschluss beim Gehalt

In der Elektro- und Elektronikbranche herrscht beim Thema Gleichstellung eine sprichwörtliche Schieflast. Elektro-Beschäftigte verstehen die Anspielung vielleicht schon. Aber für alle anderen kurz zusammengefasst: Es arbeiten deutlich mehr Männer in diesem Bereich als Frauen – in Österreich zum Beispiel fast dreimal so viele.

Beim Gehalt zeigt sich, warum Elektro und Elektronik für Frauen wenig attraktiv ist. Denn auch hier erhalten männliche Beschäftigte 54.652 Euro im Jahresdurchschnitt, während ihre weiblichen Kolleginnen nur 46.135 Euro auf dem Konto sehen. Das sind ganze 8.517 Euro bzw. 15,58 Prozent weniger.

Anders gesagt: Wenn Frauen den gleichen Stundenlohn bei gleichbleibendem Monatslohn hätten, könnten Frauen jeden Tag 1 Stunde und 15 Minuten früher nach Hause gehen.

Finanzbranche: Starke Kurse, schwache Fairness

In kaum einer Branche wird so gern über Prozente, Rendite und Performance gesprochen wie in der Finanzwelt. Ironisch nur, dass die Präzision ausgerechnet bei der Gehaltsverteilung weniger wichtig zu sein scheint: Der Gender Pay Gap in dieser Branche zeigt deutlich, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

Männer verdienen im Schnitt 58.871 Euro brutto pro Jahr, Frauen 46.497 Euro. Das sind 12.374 Euro weniger – ein Minus von satten 21,02 Prozent. Um echte Gleichstellung zu erreichen, dürfte Frau den Stift eigentlich täglich 1 Stunde 41 Minuten früher fallen lassen als ihre männlichen Kollegen.

Was muss sich ändern – und was ändert sich schon?

Traditionelle Rollenbilder in technischen und industriellen Berufen erschweren den Einstieg für Frauen. Aber Arbeitnehmerinnen in männerdominierten Branchen kämpfen nicht nur mit Vorurteilen im Job selbst. Zu einem niedrigeren Gehalt als bei Männern kommt hinzu, dass auch ihre Aufstiegschancen schlechter aussehen. Beispielsweise waren laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2024 nur 29,1 Prozent aller Führungspositionen in Deutschland von Frauen besetzt

Auch wenn die Zahlen im Moment noch nicht allzu erfreulich wirken: Der Frauenanteil in den Unternehmen ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Und auch der Gender Pay Gap schrumpft – zwar langsam, aber er schrumpft. Unterstützend wirkt auch, dass sich immer mehr Frauen für mathematische oder technische Studiengänge entscheiden und damit den Druck auf Veränderung in der Arbeitswelt erhöhen.

Fragst du dich, wie du selbst positive Veränderungen für berufstätige Frauen anstoßen kannst? Sprich Ungleichheiten offen an, unterstütze Initiativen für mehr Diversität in deinem Unternehmen und gib beim nächsten Mitarbeiter:innengespräch ehrliches Feedback zu deiner Situation. Schon kleine Impulse können helfen, mehr Bewusstsein für faire Chancen und gleiche Bezahlung zu schaffen.

Auf kununu kannst du außerdem dein Gehalt angeben und deinen Arbeitgeber bewerten. Das zeigt anderen, wo sie tolle Arbeitgeber für Frauen, denen Gleichstellungsthemen am Herzen liegen, finden können.