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Porträt einer Person mit lockigem Haar, Hände vor dem Gesicht gefaltet, Zeigefinger an den Lippen, in Innenraum mit Fenster und Regal im Hintergrund.

Ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit: Wie steht es um Entgeltgleichheit in Deutschland?

Deutschland kämpft noch mit ungleicher Bezahlung: Frauen verdienen aktuell im Schnitt 16 % weniger als Männer bei gleicher Arbeit. Das Entgelttransparenzgesetz soll helfen, doch strukturelle Probleme wie horizontale und vertikale Segregation, Erwerbsunterbrechungen und unbewusste Vorurteile halten die Lücke offen.

Das Gesetz gibt dir in größeren Betrieben das Recht auf Auskunft über Vergleichsgehälter. Nutze das! Auch die neue EU-Richtlinie zu Gehaltstransparenz stärkt deine Position. Wichtig: Sprich Lohnunterschiede aktiv an, informiere dich über branchenübliche Gehälter und verhandle selbstbewusst. Transparenz und Wissen sind deine besten Waffen für faire Bezahlung – unabhängig vom Geschlecht.

Von Entgeltgleichheit ist Deutschland noch weit entfernt und Frauen verdienten aktuell im Durchschnitt rund 16 Prozent weniger als Männer. Und das, obwohl sie die gleiche Arbeit leisten. Was bedeutet Entgeltgleichheit überhaupt, was sind Ursachen für ungleiche Bezahlung und wie kannst du aktiv dagegen vorgehen? Wir ordnen das Thema genauer für dich ein.

Definition: Was bedeutet Entgeltgleichheit?

Entgeltgleichheit bedeutet, dass gleichwertige Arbeit unabhängig vom Geschlecht – oder der Religion, Herkunft, sexuellen Orientierung o. Ä. – gleich bezahlt wird. Das bedeutet: Wenn du und eine andere Person die gleiche oder gleichwertige Leistung und Verantwortung im Job erbringt, sollt ihr für diese Arbeit auch das gleiche Entgelt erhalten.

Grundlage dafür ist in Deutschland das Entgelttransparenzgesetz (§ 2 EntgTranspG), das ausdrücklich darauf abzielt, geschlechtsspezifisch ungleiche Bezahlung zu verhindern und mehr Transparenz in die Gehaltsstrukturen zu bringen. Ergänzend hat das Bundesarbeitsgericht mehrfach bestätigt, dass gleiche Entlohnung auch dann gelten muss, wenn Aufgaben, Qualifikation und Einsatz vergleichbar sind. Lohndiskriminierung ist demnach nicht nur bei identischen Jobs, sondern auch bei gleichwertiger Arbeit verboten. Du sollst für deine Leistung nicht weniger verdienen, nur weil du einem bestimmten Geschlecht angehörst.

Ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit: Mögliche Ursachen

Dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, hat mehrere Gründe. Ein zentraler Faktor ist die sogenannte horizontale und vertikale Segregation des Arbeitsmarktes. Was das bedeutet? Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen und seltener in Führungspositionen. Hinzu kommen Erwerbsunterbrechungen, etwa durch Elternzeit oder unbezahlte Care-Arbeit, die sich langfristig auf Karriere- und Gehaltsentwicklung auswirken.

Selbst bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit konnten diverse Studien den sogenannten bereinigten Gender Pay Gap nachweisen. Dieser bildet den Teil der Lohnlücke, der sich nicht vollständig durch strukturelle Unterschiede erklären lässt. Hier spielen möglicherweise stereotype Rollenbilder, unbewusste Vorurteile oder unterschiedliches Verhalten in den Gehaltsverhandlungen eine Rolle. Die ungleiche Bezahlung von Frau und Mann dürfte damit nicht nur durch individuelle Entscheidungen, sondern auch durch gesellschaftliche Strukturen entstehen.

Diese Gründe könnte eine ungleiche Bezahlung bei dir beispielsweise haben:

  • Erwerbsunterbrechungen: Zeiten außerhalb des Arbeitsmarktes wirken sich negativ auf Lohnentwicklung und Karrierechancen aus.
  • Unbewusste Vorurteile: Stereotype Vorstellungen darüber, wer mehr oder weniger geeignet für bestimmte Aufgaben ist, können sich auf Beförderungen und Gehaltsverhandlungen auswirken.
  • Unterschiede in Gehaltsverhandlungen: Es konnte nachgewiesen werden, dass Frauen nicht seltener, dafür weniger aggressiv Gehalt verhandeln – natürlich auch wegen sozialer Normen und Rollenbilder.
  • Strukturelle Faktoren: Fehlende Flexibilität, Teilzeitquoten und ungleiche Verteilung von Care-Arbeit verstärken Unterschiede in der Gehaltsentwicklung.

Entgelttransparenzgesetz: Das trägt es zur Entgeltgleichheit bei

Das aus einer EU-weiten Norm entstandene Entgelttransparenzgesetz soll bei Ungleichheit in der Bezahlung für mehr Durchblick sorgen. Wenn du in einem Betrieb mit mehr als 200 Beschäftigten arbeitest, hast du grundsätzlich alle zwei bis drei Jahre einen Auskunftsanspruch. Du kannst erfragen, nach welchen Kriterien dein Gehalt festgelegt wird und wie hoch das durchschnittliche Vergleichsentgelt von Kolleg:innen eines anderen Geschlechts in einer vergleichbaren Position ist.

Das Ziel des Gesetzes ist es, mögliche Ungleichbehandlungen sichtbar zu machen. Denn nur wenn Transparenz herrscht, können Beschäftigte prüfen, ob sie fair bezahlt werden. Für größere Unternehmen gelten zudem Prüf- und Berichtspflichten, die helfen sollen, strukturelle Benachteiligungen aufzudecken.

Welchen Effekt die Norm hat, lässt sich voraussichtlich erst in den nächsten Jahren absehen. Mehr über die Einführung des Entgelttransparenzgesetz liest du übrigens hier:

Warum existiert ungleiche Bezahlung trotz Gesetz?

Ein Gesetz allein beseitigt keine tief verwurzelten Strukturen in unserer Gesellschaft – zumindest nicht sofort. Weibliche Beschäftigte machen ihren Auskunftsanspruch womöglich aus Angst vor Stigmatisierung oder Unsicherheit nicht geltend und wissen deshalb gar nicht, dass sie eigentlich mehr verdienen sollten. Zudem greift das Entgelttransparenzgesetz vorerst nur in größeren Betrieben und sieht keine automatischen Sanktionen vor, wenn Ungleichheiten festgestellt werden.

kununu leistet mit seinen Gehaltsdaten einen Beitrag zur Gehaltstransparenz in unserer Gesellschaft. Wir glauben: Wenn du weißt, wie viel andere Beschäftigte in deinem Unternehmen in der gleichen Rolle verdienen, profitierst du von mehr Fairness in der Gehaltsstruktur.

Entgeltgleichheit und Geschlechter in Deutschland

In Deutschland gibt es gemäß des Gesetzes über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag offiziell drei Geschlechtseinträge – nämlich weiblich, männlich und divers. Zudem hast du die Möglichkeit, keinen Geschlechtseintrag eintragen zu lassen. Die gesetzliche Grundlage dafür findest du in § 22 Absatz 3 des Personenstandsgesetzes.

Die Option eines diversen Geschlechtseintrags wurde 2018 nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts eingeführt und soll Menschen berücksichtigen, die sich weder eindeutig dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen. Seit 2024 erleichtert das ebenfalls neu eingeführte Selbstbestimmungsgesetz zudem die Änderung des Geschlechtseintrags. Dein Entgelt sollte in jedem Fall unabhängig von deinem Geschlechtseintrag sein.

Das kannst du gegen ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit tun

Wenn du das Gefühl hast, unfair bezahlt zu werden, musst du das nicht einfach hinnehmen. Ein erster möglicher Schritt findet sich im Gender Policy Paper der Universität Konstanz. In diesem empfehlen Forscher:innen, dich aktiv für mögliche Lohnunterschiede zu sensibilisieren und Transparenz aktiv einzufordern. Frauen werden zwar für Berufserfahrung und Führungsverantwortung entlohnt, oft aber in geringerem Umfang als Männer. Was sich subjektiv wie eine gerechte Gehaltserhöhung anfühlt, kann im direkten Vergleich also trotzdem niedriger ausfallen.

Nutze deshalb deinen gesetzlichen Auskunftsanspruch nach dem Entgelttransparenzgesetz. In größeren Unternehmen kannst du Informationen über Vergleichsgehälter anfordern. Zusätzlich verpflichtet eine neue EU-Richtlinie seit 2024 Unternehmen ab 150 Beschäftigten zu mehr Gehaltstransparenz. Diese Regelungen geben dir Argumente an die Hand und stärken zusätzlich deine Position in einer Gehaltsverhandlung.

Ein weiterer wichtiger Schritt: Verhandle dein Gehalt regelmäßig und gut vorbereitet. Informiere dich nicht nur über firmeninterne Vergleichswerte, sondern auch über branchenweite Unterschiede, etwa mithilfe von Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Wenn du weißt, wie hoch der Gender Pay Gap in deiner Branche ist, kannst du strukturelle Nachteile gezielt ansprechen. Transparenz, Information und Selbstbewusstsein sind zentrale Hebel für mehr Entgeltgleichheit.