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Abwanderung von Ärzt:innen

Schweiz lockt deutsche Ärzt:innen: 142.500 CHF Durchschnittsgehalt

Veröffentlicht:  30. Mai 2026, 16:40
2 min
Person im weißen Arztkittel mit Stethoskop steht mit verschränkten Armen in einem hellen Krankenhausflur.

Rund 2.200 Ärztinnen und Ärzte haben Deutschland 2024 verlassen, 675 davon zog es in die Schweiz. Das beliebteste Auswanderungsziel zahlt im Schnitt 142.500 Schweizer Franken brutto pro Jahr, deutlich mehr als hierzulande. Der Vergleich ist trotzdem komplizierter als gedacht.

Vier Treiber des Ärztemangels

Der Ärztemangel in Deutschland spitzt sich zu. Die Bundesärztekammer meldet zum 31. Dezember 2024 zwar 437.000 berufstätige Ärzt:innen, doch die Zahl der Niedergelassenen sank seit 2019 um 8,3 Prozent. Bis 2040 droht laut Zentralinstitut eine Lücke von 30.000 bis 50.000 Mediziner:innen.

Statt rund 14.000 Medizin-Studienplätzen wie in den 1980er Jahren werden heute nur noch etwa 12.000 jährlich vergeben. Der demografische Wandel wirkt doppelt: Die Babyboomer werden älter und häufiger krank, gleichzeitig sind 23 Prozent aller Ärzt:innen über 60. Hinzu kommt die Abwanderung ins Ausland.

Die wichtigsten Ursachen im Überblick:

  • Zu wenige Studienplätze, lange Ausbildungsdauer
  • Hohe Arbeitsbelastung und familienunfreundliche Schichten
  • Mehr Patient:innen, weniger Ärzt:innen
  • Bessere Bezahlung und Bedingungen jenseits der Grenze
Drei medizinische Fachkräfte betrachten und besprechen MRT- und CT-Aufnahmen auf beleuchteten Bildschirmen in einem Untersuchungsraum.
Bevor deutsche Ärzt:innen in der Schweiz oder Österreich arbeiten dürfen, müssen sie eine Anerkennung ihrer Ausbildung einholen. Das kann einige Zeit, Geld und Geduld kosten.

Schweiz und Österreich sind die Top-Ziele

Von den 2.197 ausgewanderten Mediziner:innen 2024 entschieden sich 675 für die Schweiz und 331 für Österreich. Rund 46 Prozent gehen damit in den deutschsprachigen Raum. Die kununu-Gehaltsdaten zeigen, warum vor allem die Schweiz punktet:

  • Deutschland: 88.700 Euro Durchschnitt, Bandbreite 49.400 bis 149.700 Euro
  • Österreich: 86.600 Euro Durchschnitt, Bandbreite 42.700 bis 154.700 Euro
  • Schweiz: 142.500 CHF Durchschnitt – umgerechnet rund 153.000 Euro, Bandbreite 77.500 bis 237.200 CHF

Je nach Fachbereich und Erfahrung ist sogar noch mehr drin.

Im deutschsprachigen Ausland scheint außerdem der administrative Aufwand insgesamt deutlich geringer zu sein. Ärzte berichten über die Möglichkeit, mit den neuesten medizinischen Geräten zu arbeiten und sich im Fachgebiet kontinuierlich weiterzubilden.

Lebenshaltungskosten relativieren den Vorsprung

So verlockend die Schweizer Zahlen wirken: Mieten, Krankenversicherung und Lebensmittel sind dort teils doppelt so teuer wie in Deutschland. Eine Vierzimmerwohnung in Zürich kostet schnell 3.500 CHF kalt. Nach Fixkosten schrumpft der Gehaltsvorsprung deutlich.

Österreich punktet anders: Das Gehalt ähnelt Deutschland, doch geregelte Dienste und kürzere Wege machen den Wechsel attraktiv.

Solange die Klinikreform erst ab 2028 spürbare Effekte zeigen soll, bleibt das Ausland attraktiv. Jede:r ausgewanderte Ärzt:in reißt eine weitere Lücke – die durch Zuwanderung zwar gefüllt wird, den strukturellen Mangel aber nicht löst.