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Reformpaket 2026

Neuer Merz-Plan: Warum schnelles Bewerben bald Steuern spart

Veröffentlicht:  16. Juli 2026, 10:24
2 min
Mann im Anzug sitzt mit einer gelben Mappe auf einem Sofa und schaut zur Seite

Wer nach einer Kündigung die Jobsuche verzögert, zahlt künftig womöglich drauf – das sieht zumindest ein neues Reformpaket von Bundeskanzler Friedrich Merz vor, das Anfang Juli 2026 präsentiert wurde. Die Idee: Wer nach dem Verlust des Arbeitsplatzes besonders schnell eine neue Stelle antritt, soll bei der Abfindung massiv Steuern sparen. Mit diesem sogenannten „Tempo-Bonus“ will die Regierung den nahtlosen Übergang in ein neues Beschäftigungsverhältnis belohnen. Doch die Pläne stoßen bereits auf scharfe Kritik.

Was sich konkret ändern soll

Bisher werden Abfindungen in Deutschland über die sogenannte Fünftelregelung besteuert. Das ist ein Verfahren, das die Steuerlast unabhängig davon glättet, wie schnell eine neue Beschäftigung gefunden wird. Das soll sich nun ändern:

  • Wer nach einer Kündigung besonders schnell wieder eine neue Beschäftigung aufnimmt, soll steuerlich bessergestellt werden
  • Der steuerliche Vorteil steigt mit dem Tempo des Wiedereinstiegs, wer länger sucht, profitiert weniger
  • Ziel der Bundesregierung ist es, laut eigener Angabe „Fehlanreize abzubauen“ und den Wechsel zwischen zwei Beschäftigungsverhältnissen attraktiver zu machen

Flankiert wird die Maßnahme durch eine größere Rolle der Bundesagentur für Arbeit: Neue Instrumente wie Arbeitsmarktdrehscheiben und Job-to-Job-Qualifizierungen sollen Arbeitslosigkeit von vornherein verhindern und Beschäftigte möglichst direkt in neue Tätigkeiten vermitteln.

Person im Businessanzug telefoniert während des Laufens entlang einer spiegelnden Gebäudefassade in einer städtischen Umgebung.
Konkrete Fristen oder Steuersätze für die Staffelung sind im veröffentlichten Reformpapier bislang nicht beziffert

Die Nachteile für Betroffene

  • Druck zur schnellen Jobsuche: Wer aus gesundheitlichen, familiären oder anderen Gründen länger für die Jobsuche braucht, erhält einen geringeren steuerlichen Vorteil
  • Ungleiche Wirkung je nach Arbeitsmarktlage: In strukturschwachen Regionen oder Branchen mit wenigen offenen Stellen ist ein schneller Wiedereinstieg oft schwerer zu schaffen

Da die genaue Staffelung noch nicht feststeht, bleibt vorerst unklar, wie stark sich die Regel im Einzelfall auswirkt

Die Chancen für Betroffene

  • Finanzieller Doppelvorteil: Wer zügig wechselt, profitiert vom neuen Gehalt und einer günstiger besteuerten Abfindung
  • Vorteil für gut vermittelbare Fachkräfte: Wer in gefragten Branchen mit hoher Nachfrage arbeitet, kann den steuerlichen Bonus realistisch nutzen
  • Mobilitätskosten oder Umzugskosten: Möglich wären auch neue steuerliche Erleichterungen für Fahrt- und Umzugskosten bei einem Stellenwechsel.

Konsequent gedacht, aber sozial zweischneidig

Ökonomisch ist die Maßnahme stimmig: Sie soll Menschen schneller wieder in Beschäftigung bringen und sogenannte Fehlanreize im bisherigen System abbauen. Sozialpolitisch ist sie jedoch nicht neutral. Sie belohnt schnelle Vermittelbarkeit, die je nach Branche, Region und persönlicher Lebenssituation sehr unterschiedlich verteilt ist. Die Ausgestaltung folgt zudem der Risikoträgerregelung aus dem Finanzsektor: Der Steuervorteil ist eng an die Lockerung des Kündigungsschutzes für Hochverdiener ab rund 177.450 Euro gekoppelt.