Neuer Doppelbudget-Beschluss
Doppelbudget: Drei Branchen gewinnen, drei verlieren
30.400 Euro brutto im Jahr verdienen Verkäufer:innen in Österreich im Schnitt – und ihre Branche zählt beim neuen Doppelbudget zu den Profiteuren. Die Entlastung über niedrigere Lohnnebenkosten landet aber beim Arbeitgeber, während gering Verdienende ab 2027 mehr in die Arbeitslosenversicherung zahlen. Welche Berufe profitieren und welche das Sparpaket trifft, zeigt der Branchen-Check.
Die Entlastung kommt 2028, die Mehrkosten früher
Am Mittwoch hat die Bundesregierung das Doppelbudget 2027/28 vorgelegt, der Beschluss folgt Anfang Juli. Für den Arbeitsmarkt zählt: Ab 2028 sinkt der Beitrag der Unternehmen zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) um einen Prozentpunkt – rund zwei Milliarden Euro, die personalintensive Branchen entlasten. Zugleich fällt für Geringverdiener:innen die Begünstigung bei der Arbeitslosenversicherung weg: Sie zahlen künftig den vollen Beitrag, rund 36 Euro mehr pro Monat.
Profitieren sollen Branchen mit vielen, niedrig bezahlten Beschäftigten. Das mittlere Vollzeit-Einkommen in Österreich liegt bei rund 55.700 Euro brutto im Jahr – diese Berufe bleiben klar darunter:
- Handel – Verkäufer:in: Ø 30.400 Euro brutto im Jahr
- Gastronomie – Koch/Köchin: Ø 34.400 Euro brutto im Jahr
- Pflege – Pflegeassistent:in: Ø 38.900 Euro brutto im Jahr

Hier profitiert vor allem der Arbeitgeber
Alle drei liegen weit unter dem Mittel, im Handel kaum über der Hälfte. Das ist das Paradox: Entlastet werden die Unternehmen, nicht die Belegschaft und das erst 2028, während die Mehrbeiträge schon 2027 greifen.
Drei Branchen mit direkten Kürzungen
Auf der Verliererseite brechen Aufträge oder Mittel weg – bei besseren Gehältern. Beim öffentlich-rechtlichen ORF fällt die Vorsteuer-Abgeltung weg, minus 93 Millionen Euro pro Jahr bei eingefrorenem Beitrag; Stellenabbau droht, Redakteur:innen verdienen dort im Schnitt 53.300 Euro.
Bei der Bahn-Infrastruktur werden Bauprojekte um 55 (2027) und 285 Millionen Euro (2028) gekürzt – das trifft Bau und Bahntechnik, Gleisbauer:innen kommen auf 41.700 Euro. Sparmaßnahmen bei Kuren und Reha setzen zudem beispielsweise Physiotherapeut:innen (44.100 Euro) unter Druck.
Ob die Rechnung aufgeht, zeigt sich erst nach dem Beschluss Anfang Juli – und 2028, wenn die Lohnnebenkostensenkung greift. Bis dahin spüren die Beschäftigten mit den kleinsten Gehältern die Mehrkosten.