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Von Management zu Selbstständigkeit

Warum Ex-Manager:innen in der Selbstständigkeit oft scheitern

Veröffentlicht:  6. Juni 2026, 07:30
2 min
Person im karierten Hemd sitzt im Freien mit angewinkelten Beinen und hält beide Hände am Kopf.

Manager:innen in Deutschland verdienen deutlich mehr als der Durchschnitt – doch kununu-Daten zeigen: Bei Gehaltszufriedenheit und Work-Life-Balance erreichen sie jeweils 3,67 von 5 Punkten. Viele erwägen deshalb den Sprung in die Selbstständigkeit. Das Problem: Sie unterschätzen, was das wirklich bedeutet.

Die Flucht aus dem Konzern

Der Gedanke ist verlockend – eigene Zeiten, keine Konzernpolitik, Erfahrung monetarisieren. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, zeigt sich aber schnell: Die erste Kundenakquisition ist eine ganz andere Arbeit. Jürn-F. Konitzer, der seit 23 Jahren Top-Manager:innen berät, kennt die Quote: „70 bis 80 Prozent unserer Kunden ziehen erst mal eine Selbstständigkeit in Betracht.“ Doch viele scheitern an denselben Hürden.

Positionierung statt Generalisten-Wissen

In der Angestelltenzeit war die Position selbst das Kapital – Netzwerk, Einladungen, Einfluss. Als Selbstständige:r braucht es etwas anderes: klare Spezialisierung. „Bei der Positionierung müssen Sie oft 90 Prozent Ihres Erfahrungsschatzes weglassen“, erklärt Konitzer. Das alte Netzwerk fällt weg – man wurde eingeladen, weil man die richtige Rolle hatte, nicht wegen persönlicher Kompetenz.

Das sind die vier größten Überraschungen:

  1. Enge Spezialisierung ist Pflicht: Bin ich Lieferketten-Expert:in oder Finanzierungs-Specialist? Die Antwort muss präzise sein, sonst bleibt man austauschbar.
  2. 70 Prozent hängen von der Akquise ab: Kundengewinnung ist nicht lästig, sondern essenziell. Wer das verdrängt, scheitert.
  3. Der Rollenwechsel ist psychologisch schwer: Ehemalige Entscheider:innen müssen plötzlich anderen die Entscheidung überlassen – ein Dienstleistungsmindset ist erforderlich.
  4. Interim-Management braucht Geduld: Neun bis zwölf Monate bis zum ersten großen Auftrag sind realistisch.

Heidi Stopper, ehemalige Vorständin bei ProSiebenSat.1, beobachtet dieses Muster ständig:

„Viele ehemalige Manager und Managerinnen wollen inhaltlich arbeiten und sehen die Akquise neuer Kunden als lästig an.“

Der Rollenwechsel vom Chef zum Dienstleister überfordere viele, so Iris Grewe, Partnerin bei Bearing Point und Präsidentin des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater.

Die Illusion der Freiheit

Die Unzufriedenheit von Manager:innen ist berechtigt – aber Selbstständigkeit ist keine garantierte Lösung. Sie verschiebt die Last nur. Bessere Work-Life-Balance braucht nicht nur eine neue Position, sondern Geduld, echte Spezialisierung und die Bereitschaft, sich selbst zu verkaufen. Das unterschätzen fast alle.