Gehalt enthüllt
Verfassungswidrig bezahlt? So viel verdienen Finanzbeamte
Wer seine Steuererklärung abgibt, wartet meist gespannt auf den Bescheid. Rückzahlung oder Nachzahlung stehen im Mittelpunkt. Aber was verdienen eigentlich die Beamten, die diese Steuerfälle in Deutschland bearbeiten? Und was hat es mit der verfassungswidrigen Besoldung auf sich, über die gerade gesprochen wird?
Zwischen 2.300 und über 5.000 Euro brutto
Die Antwort hängt stark von der Laufbahn ab. Finanzbeamte werden nicht wie Angestellte bezahlt, sondern nach Besoldungsgruppen:
- Mittlerer Dienst, Einstieg (A6): etwa 2.300 bis 2.900 Euro brutto monatlich, je nach Bundesland
- Mittlerer Dienst, Endstufe (A9): etwa 3.600 bis 4.100 Euro brutto nach Erfahrungsstufen und Beförderung
- Gehobener Dienst, Einstieg (A9, via duales Studium): rund 3.300 bis 3.400 Euro brutto
- Gehobener Dienst, Endstufe (A13): über 5.000 Euro brutto möglich
Schon in der Ausbildung gibt es Geld
Bevor überhaupt ein Aktenzeichen angelegt wird, verdienen angehende Finanzwirt:innen bereits während der zweijährigen Ausbildung monatlich rund 1.470 Euro brutto in der Rolle von Steueranwärter:innen. Wer sich für das dreijährige duale Studium zum Diplom-Finanzwirt entscheidet, bekommt in dieser Zeit knapp 1.550 Euro brutto. Erst danach folgt die Ernennung zur Beamtin oder zum Beamten auf Probe, und damit der Einstieg in die Besoldungstabelle.
Besoldung: Wieso gerade darüber diskutiert wurde
Anders als in vielen Unternehmen wird bei Finanzbeamt:innen kein Gehalt verhandelt. Entscheidend sind ausschließlich Besoldungsgruppe, Erfahrungsstufe, Laufbahn und das jeweilige Bundesland. Genau dieses System steht 2026 selbst auf dem Prüfstand: Das Bundesverfassungsgericht hat die Beamtenbesoldung in Teilen für verfassungswidrig erklärt, weil sie über Jahre zu niedrig angesetzt war. Die Folge ist eine milliardenschwere Nachzahlung, bis zu 7,6 Milliarden Euro bis 2027:
Ab 1. April 2026 steigen die Gehälter der Landesbeschäftigten um 2,8 Prozent, mindestens 100 Euro, mit weiteren Schritten von 2,0 Prozent im März 2027 und 1,0 Prozent im Januar 2028. Mehrere Bundesländer weichen aber leicht davon ab: Sachsen-Anhalt und Brandenburg zahlen über mehrere Jahre gestreckt deutlich mehr (11 bzw. 7 bis 18 Prozent, bei Brandenburg gekoppelt an längere Arbeitszeit), während Schleswig-Holstein, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen mit 3,0 bis 4,0 Prozent über dem Standardsatz liegen. Bayern verschiebt die erste Erhöhung dagegen auf den 1. Oktober 2026.

Mehr als nur Steuerbescheide
Der Berufsalltag ist breiter gefächert, als viele denken. Finanzbeamt:innen prüfen nicht nur Steuererklärungen und setzen Steuern fest, sie beraten intern zu komplexen Steuerfragen und arbeiten in Bereichen wie Veranlagung, Bewertung, Betriebsprüfung, Finanzkasse oder Steuerfahndung.
Solides Gehalt, sichere Laufbahn, aber gerade in Bewegung?
Reich wird im Finanzamt niemand automatisch. Dafür bietet der Job ein planbares Einkommen, einen automatischen Aufstieg über Erfahrungsstufen und eine der sichersten Laufbahnen überhaupt. Genau darin liegt der Reiz: ein Beruf, den fast jeder kennt, mit einem Gehaltssystem, das gerade selbst neu verhandelt wird, nur eben in Karlsruhe statt am Küchentisch.