Zum Inhalt springen

Hitze am Arbeitsplatz

Hitzewelle: Diese Berufe schuften bei 39 Grad und verdienen erschreckend wenig

von Dunja R.
Veröffentlicht:  17. August 2026, 09:04
2 min
Fensterputzer in blauer Arbeitskleidung und mit Sicherheitshelm reinigt, an Seilen gesichert, die Fenster einer Gebäudefassade.

39,2 Grad zeigte kürzlich das Thermometer in einem Rettungswagen irgendwo in Mannheim. Und laut DGB-Index Gute Arbeit wird es auch nicht besser: Bis zu 40 Tage im Jahr mit 30 Grad oder mehr soll es künftig geben. In dieser Hitze wird die Arbeit zur körperlichen Belastung. Welche Berufsgruppen es besonders trifft und was sie verdienen.

Rettungsdienst: Hitze plus Zeitdruck ist eine gefährliche Mischung

Wer laut DGB-Index Gute Arbeit sehr häufig unter Zeitdruck steht, ist zu 48 Prozent stark hitzebelastet, gegenüber 23 Prozent ohne Zeitdruck. Rettungssanitäter:innen erleben bei Hitze beides gleichzeitig: mehr Einsätze und mehr Druck. Das Gehalt bietet dafür wenig Ausgleich.

  • Rettungssanitäter:in: Ø 35.800 € brutto/Jahr
  • Notfallsanitäter:in: Ø 47.900 € brutto/Jahr

Zukunftsausblick: Destatis-Berechnungen zeigen, schon 2034 könnten bis zu 350.000 Pflege- und Gesundheitsfachkräfte fehlen, bis 2049 sogar bis zu 690.000. Eine solche Lücke treibt Gehälter erfahrungsgemäß nach oben.

Pflege im Altenheim: körperlich schwer, oft ohne Klimaanlage

In Innenräumen ohne bauliche Kühlung fühlt sich laut DGB-Index Gute Arbeit die Hälfte der Beschäftigten stark hitzebelastet, mit Schutzmaßnahmen sinkt der Anteil auf 20 Prozent. Bewohner:innen brauchen bei Hitze zusätzlich Betreuung, der Arbeitsaufwand steigt mit.

  • Altenpfleger:in: Ø 42.900 € brutto/Jahr

Zukunftsausblick: Dieselbe Prognose gilt direkt für die Altenpflege. Wer heute einsteigt, landet in einem Markt, der eher um Fachkräfte konkurriert als umgekehrt.

Großküche und Bäckerei: Hitze von zwei Seiten

Zur Außentemperatur kommt bei Großküchen und Backstuben die Hitze von Öfen und Herden dazu. Bei Temperaturen über 30 Grad ereignen sich laut DGB-Index Gute Arbeit durchschnittlich 8 Prozent mehr Arbeitsunfälle.

  • Koch/Köchin: Ø 34.100 € brutto/Jahr
  • Bäcker:in: Ø 34.100 € brutto/Jahr

Zukunftsausblick: In Deutschland haben im ersten Halbjahr 2026 bereits 63 Bäckereien Insolvenz angemeldet. Das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Dafür steigt die Anzahl der Azubis wieder leicht an.

Auf der Baustelle gibt es keinen Schatten: Bei Hitze wird jede Schicht zur Kraftprobe.

Handwerk und Fassade: Maler:innen und Gebäudereiniger:innen unter freiem Himmel

Beschäftigte, die laut DGB-Index Gute Arbeit täglich über sechs Stunden im Freien arbeiten, sind zu knapp 60 Prozent stark belastet. Bei körperlich schwerer Arbeit insgesamt liegt die Quote bei 54 Prozent, gegenüber 26 Prozent ohne körperliche Belastung.

  • Maler:in/Lackierer:in: Ø 34.200 € brutto/Jahr
  • Glas- und Gebäudereiniger:in (Fassade): Ø 30.200 € brutto/Jahr

Zukunftsausblick: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks rechnet laut Prognosen bis 2030 mit über 500.000 fehlenden Handwerker:innen. Bei Maler:innen fiel der Lohneffekt bisher aber moderater aus als in anderen Gewerken

Was sich ändern müsste

Der DGB fordert, Hitze als eigenen Belastungsfaktor in die Gefährdungsbeurteilung aufzunehmen. Der Fachkräftemangel könnte in einigen dieser Berufe für steigende Gehälter sorgen, in anderen bleibt es politischen Reformen überlassen. Sicher ist nur: Die Hitze wird nicht weniger.