Hitze am Arbeitsplatz
Hitzewelle: Diese Berufe schuften bei 39 Grad und verdienen erschreckend wenig
39,2 Grad zeigte kürzlich das Thermometer in einem Rettungswagen irgendwo in Mannheim. Und laut DGB-Index Gute Arbeit wird es auch nicht besser: Bis zu 40 Tage im Jahr mit 30 Grad oder mehr soll es künftig geben. In dieser Hitze wird die Arbeit zur körperlichen Belastung. Welche Berufsgruppen es besonders trifft und was sie verdienen.
Rettungsdienst: Hitze plus Zeitdruck ist eine gefährliche Mischung
Wer laut DGB-Index Gute Arbeit sehr häufig unter Zeitdruck steht, ist zu 48 Prozent stark hitzebelastet, gegenüber 23 Prozent ohne Zeitdruck. Rettungssanitäter:innen erleben bei Hitze beides gleichzeitig: mehr Einsätze und mehr Druck. Das Gehalt bietet dafür wenig Ausgleich.
- Rettungssanitäter:in: Ø 35.800 € brutto/Jahr
- Notfallsanitäter:in: Ø 47.900 € brutto/Jahr
Zukunftsausblick: Destatis-Berechnungen zeigen, schon 2034 könnten bis zu 350.000 Pflege- und Gesundheitsfachkräfte fehlen, bis 2049 sogar bis zu 690.000. Eine solche Lücke treibt Gehälter erfahrungsgemäß nach oben.
Pflege im Altenheim: körperlich schwer, oft ohne Klimaanlage
In Innenräumen ohne bauliche Kühlung fühlt sich laut DGB-Index Gute Arbeit die Hälfte der Beschäftigten stark hitzebelastet, mit Schutzmaßnahmen sinkt der Anteil auf 20 Prozent. Bewohner:innen brauchen bei Hitze zusätzlich Betreuung, der Arbeitsaufwand steigt mit.
- Altenpfleger:in: Ø 42.900 € brutto/Jahr
Zukunftsausblick: Dieselbe Prognose gilt direkt für die Altenpflege. Wer heute einsteigt, landet in einem Markt, der eher um Fachkräfte konkurriert als umgekehrt.
Großküche und Bäckerei: Hitze von zwei Seiten
Zur Außentemperatur kommt bei Großküchen und Backstuben die Hitze von Öfen und Herden dazu. Bei Temperaturen über 30 Grad ereignen sich laut DGB-Index Gute Arbeit durchschnittlich 8 Prozent mehr Arbeitsunfälle.
- Koch/Köchin: Ø 34.100 € brutto/Jahr
- Bäcker:in: Ø 34.100 € brutto/Jahr
Zukunftsausblick: In Deutschland haben im ersten Halbjahr 2026 bereits 63 Bäckereien Insolvenz angemeldet. Das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Dafür steigt die Anzahl der Azubis wieder leicht an.

Handwerk und Fassade: Maler:innen und Gebäudereiniger:innen unter freiem Himmel
Beschäftigte, die laut DGB-Index Gute Arbeit täglich über sechs Stunden im Freien arbeiten, sind zu knapp 60 Prozent stark belastet. Bei körperlich schwerer Arbeit insgesamt liegt die Quote bei 54 Prozent, gegenüber 26 Prozent ohne körperliche Belastung.
- Maler:in/Lackierer:in: Ø 34.200 € brutto/Jahr
- Glas- und Gebäudereiniger:in (Fassade): Ø 30.200 € brutto/Jahr
Zukunftsausblick: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks rechnet laut Prognosen bis 2030 mit über 500.000 fehlenden Handwerker:innen. Bei Maler:innen fiel der Lohneffekt bisher aber moderater aus als in anderen Gewerken
Was sich ändern müsste
Der DGB fordert, Hitze als eigenen Belastungsfaktor in die Gefährdungsbeurteilung aufzunehmen. Der Fachkräftemangel könnte in einigen dieser Berufe für steigende Gehälter sorgen, in anderen bleibt es politischen Reformen überlassen. Sicher ist nur: Die Hitze wird nicht weniger.