Affe mit Fußball

Cultural Fit: Warum Hobbys im Lebenslauf doch wichtig sind!

Im Bewerbungsprozess zählen harte Fakten: Abschluss, Qualifikationen, Know-how! Natürlich ist das richtig – aber immer öfter entscheiden auch andere Faktoren über die Zusage zum heiß begehrten Job. Unser Gastautor ist Christian Scherer von richtiggutbewerben.de, einer Plattform, über die Bewerber ihre Bewerbung schreiben lassen können. Er weiß genau, worauf es bei der Bewerbung neben den Hard Facts noch ankommt!

Was verbirgt sich hinter dem Cultural Fit?

Jedes Unternehmen vertritt gewisse Wertvorstellungen: Die Arbeitsweise, das Verhalten gegenüber den Kollegen oder Kunden, die Einstellung zu Mitarbeiterführung und Vorgesetzten, aber auch Eigenarten und Besonderheiten, die vorherrschen. Diese Merkmale, sozusagen die Charaktereigenschaften des Unternehmens, formen das Bild, das ein Unternehmen von sich selber hat – und das es auch bei der Mitarbeitersuche anwendet. Schließlich sollten neue Kollegen in die Team-Kultur passen. Wenn versucht wird, diese Vorstellung nach außen hin an neue Bewerber zu kommunizieren, ist dies unter dem Oberbegriff des Employer Brandings zusammengefasst.

Doch wann kommt der Cultural Fit zum Tragen? Ein Beispiel: Ein junges Unternehmen sucht einen neuen Sales Manager und ist tatsächlich fündig geworden. Im Vorstellungsgespräch verkauft sich der potenzielle neue Mitarbeiter sehr gut, ist fachlich versiert und bringt alles mit, was man sich erhofft: Berufserfahrung, hervorragende Ausbildung, eine Hands-on-Mentalität und Führungsstärke. Der Kandidat wird eingestellt – doch schon bald darauf zeichnen sich erste Probleme ab: Die Zusammenarbeit funktioniert nicht. Der Neue plant Projekte selbst, ohne sein Team einzubinden, die Integration läuft schleppend, Kommunikation bleibt aus. Das hat nicht nur einen Einfluss auf die Stimmung, sondern auch auf die Leistung des Unternehmens. Nach nur wenigen Monaten der Zusammenarbeit trennt man sich wieder vom vermeintlich absolut passenden Mitarbeiter.

Die Arbeitsweise und die Unternehmenswerte passten einfach nicht zusammen – und diese fehlende Übereinstimmung kann bereits ein Grund sein, wieder getrennte Wege zu gehen. Und das obwohl der Kandidat auf dem Papier der perfekte Mitarbeiter zu sein schien.

Ein gravierender Werteunterschied kann große Auswirkungen auf Entscheidungen und die Leistung haben – gibt es zu große Differenzen, geht schnell das nötige Vertrauen für eine gewinnbringende Teamarbeit verloren. Dabei geht es nicht um die Fähigkeiten des Bewerbers oder die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber. Es passte einfach nicht! Aber wie überprüfen Unternehmen, ob ein Kandidat den nötigen Cultural Fit mitbringt?

Cultural Fit Recruiting: Wie testen die Unternehmen, ob ein Kandidat „passt“?

Unternehmen haben oft ganz genaue Vorstellungen, wie sie wahrgenommen werden möchten. Es wird mit Begriffen wie Flache Hierarchien oder Dingen wie Unternehmensfeiern oder gemeinsame Aktivitäten oder Ausflüge in Stellenanzeigen um sich geworfen, doch hinter der Kultur versteckt sich mehr: Wie wird vor Ort gearbeitet? Wie ist das bestehende Team zusammengestellt? Welche Vision gibt es?

Diese Punkte werden dann bei Unternehmen, die hohen Wert auf einen Cultural Fit ihrer Kandidaten legen, im Bewerbungsgespräch unauffällig abgefragt. Wie ihr merkt, dass sich ein Vorstellungsinterview in diese Richtung entwickelt? Während vorher über eure Qualifikationen und Skills geredet wurde, dreht sich das Gespräch. Plötzlich steht eure Arbeitsweise im Vordergrund: Der Arbeitsalltag und die Art, Probleme und Aufgaben anzugehen, sind dabei entscheidend. Die weichen Faktoren sind zwar äußerst anfällig für eine subjektive Personalauswahl, trotzdem setzen viele Personalentscheider heute konsequent auf den Faktor Cultural Fit. Ein gutes Team mit guter Stimmung und einem Wir-Gefühl liefert eben auch im Idealfall die besten Ergebnisse ab.

Wie kann ich als Bewerber auf den Cultural Fit achten?

Nicht nur im Bewerbungsgespräch spielen Unternehmenswerte eine Rolle. Auch in der schriftlichen Bewerbung wird vermehrt darauf geachtet. Während in den allermeisten Bewerbungsschreiben sinnfreies Bullshit-Bingo und Name-Dropping von Soft Skills an der Tagesordnung ist, gibt es eine weit unterschätzte Kategorie im Lebenslauf, die enorm viel über die Persönlichkeit und damit den Cultural Fit des Bewerbers aussagt: Die Hobbys und persönlichen Interessen! Oft als Platzfresser verschrien, verraten die Hobbys meist mehr über den Charakter eines Bewerbers als alle seine Erfahrungen: Engagiert der Kandidat sich ehrenamtlich? Dann beweist er nicht nur Mitgefühl, sondern hat auch Verantwortungsbewusstsein! Beherrscht er ein Instrument und spielt in einer Band oder einem Orchester? Dann muss er Durchhaltevermögen mitbringen! Steht aktiver Vereinssport wie Fußball, Handball oder Basketball in der Liste? So ist er teamfähig und ist aktiv!

Natürlich sollte man darauf achten, nicht die falschen Hobbys zu nennen: Extremsportler neigen zu Leichtsinn und einem übersteigerten Ego (und sind zudem verletzungsanfällig), Leseratten werden als Einzelgänger oder Sonderlinge abgetan und wer Freunde treffen im Lebenslauf als Interesse angibt, scheint in der 9. Klasse stehengeblieben zu sein. Gebt aber niemals vor, ihr würdet ein Hobby haben, nur weil es gut ankommt. Im Lebenslauf zu lügen ist keine Option! Kommt es raus, dass ihr geflunkert habt, kann das nicht nur peinlich sein, sondern euch auch den Job kosten.

Nutzt die Hobbys im Lebenslauf!

Authentizität ist entscheidend: Wenn ihr als Bewerber krampfhaft versucht, in eine bestimmte Rolle zu passen, werdet ihr auch im Job nicht glücklich. Entweder ihr passt in das Unternehmen – oder eben nicht! Wenn ihr aber den Cultural Fit mitbringt, könnt ihr das auch ruhig offensiv zeigen. Nutzt die Hobbys im Lebenslauf, verkauft euch im Bewerbungsschreiben persönlich und seid im Vorstellungsgespräch ihr selbst. Dazu ist es nötig, dass ihr euch selbst reflektiert betrachtet und dann informiert, welche Werte im Unternehmen herrschen. kununu ist dabei eine gute Möglichkeit, mehr über die Stimmung im Wunschunternehmen zu erfahren – von ehemaligen oder derzeitigen Mitarbeitern.

Wurdest du in deinem letzen Bewerbungsgespräch auch nach deinen Hobbys gefragt? Verrate es uns auf kununu.com!

 

Christian Scherer ist Online Marketing Manager des Startups richtiggutbewerben.de, einer Online-Plattform, über die Bewerber die individuelle Erstellung von Bewerbungsunterlagen wie Anschreiben, Lebenslauf oder Kurzprofile durch ausgewiesene Bewerbungsexperten wie in einem Online-Shop buchen können.