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KI im Bewerbungsprozess

Wenn der Bot entscheidet: KI sorgt auch für Frust bei Bewerbenden

von Dunja R.
Veröffentlicht:  2. August 2026, 09:30
2 min
Person mit Brille sitzt an einem Schreibtisch vor einem Computer und reibt sich mit beiden Händen die Augen. Im Vordergrund steht eine Tasse, im Hintergrund sind Bürofenster zu sehen.

Ein Satz bringt es auf den Punkt: Jede Bewerberin und jeder Bewerber möchte als Mensch behandelt werden, egal ob Zusage oder Absage folgt. Eine automatisierte Nachricht vom Chatbot reicht dafür nicht. Genau dieses Gefühl taucht in Bewertungen zum Bewerbungsprozess immer häufiger auf. Die neuen Daten von kununu zeigen: Künstliche Intelligenz hält im Bewerbungsverfahren zunehmend Einzug. Sobald Bewerber:innen den Eindruck gewinnen, dass Algorithmen statt Menschen entscheiden, kippt die Stimmung.

KI wird im Recruiting immer sichtbarer

Der Anteil an Bewerbungsbewertungen mit KI-Bezug hat sich seit 2023 mehr als verdoppelt: Von 0,44 Prozent auf 0,93 Prozent – und das nur im ersten Halbjahr 2026. Begriffe wie ChatGPT, KI oder AI tauchen in Bewertungen immer öfters auf. Denn fast 60% der deutschen Unternehmen setzen in 2026 zunehmend auf KI in ihrem Geschäftmodell. Darunter eben auch Chatbots, automatisierte Vorauswahlen und KI-gestützte Prozesse.

Das eigentliche Problem ist fehlender menschlicher Kontakt

Vor allem diese Punkte werden in Bewertungen von Bewerber:innen im Bezug auf KI-Nutzung im Prozess kritisiert:

  • automatisierte Absagen
  • fehlende:r Ansprechpartner:in
  • unpersönliche Kommunikation
  • mangelnde Transparenz
  • Ghosting

Die Zahlen sprechen hier auch eine klare Sprache: Während „normale“ Bewerbungsbewertungen im Schnitt rund 4 Sterne erreichen, kommen Bewertungen mit KI-Bezug auf nur 2,42 Sterne Durchschnitt. Bewertungen mit expliziten ChatGPT-Bezug erreichen im Durchschnitt sogar ganze 1,93 Sterne.

Leerer Schreibtisch, leere Antwort: Fehlender persönlicher Kontakt zählt zu den größten Kritikpunkten am automatisierten Bewerbungsprozess.

Automatische Entscheidungen sorgen für den größten Frust

Am schlechtesten schneiden für Bewerber:innen automatisierte Vorauswahl, Screening und Absagen ab: Mit durchschnittlich 1,65 Sternen werden diese am niedrigsten in der KI-Thematik bewertet. Aber genau dieser erste Kontakt entscheidet oft darüber, wie ein Unternehmen von Bewerber:innen wahrgenommen wird.

„Der Bewerbungsprozess wirkt wie eine automatisierte Einbahnstraße, bei der man gegen digitale Mauern läuft.“

Überraschung: Nicht jede KI fällt durch

Viele würden erwarten, dass Bewerber:innen jede Form von KI im Prozess ablehnen. Die Daten zeigen jedoch etwas anderes. One-Way-Videointerviews erreichen im Schnitt 3,79 Sterne, Bots im Bewerbungsprozess liegen bei 3,59 Sternen. Bewerber:innen akzeptieren digitale Tools also durchaus. Problematisch wird es erst, wenn Entscheidungen intransparent bleiben, niemand erreichbar ist oder eine Standardabsage menschliche Kommunikation ersetzt.

KI dürfte im Recruiting künftig noch häufiger eingesetzt werden. Die kununu Daten zeigen jedoch deutlich: Technologie allein verbessert den Bewerbungsprozess nicht. Wer Bewerber:innen wertschätzend behandeln will, muss trotz Automatisierung persönlichen Kontakt, Transparenz und nachvollziehbare Entscheidungen ermöglichen. Genau dort entscheidet sich, ob KI als Hilfe oder als Frustfaktor wahrgenommen wird.