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Jobsuche 2026

Bewerbende müssen nur 60 Prozent der Stellenanforderungen erfüllen

von Dunja R.
Letztes Update:  14. August 2026, 11:10
2 min
Person hält ein Handy in der Hand und greift sich nachdenklich ans Kinn.

60 bis 70 Prozent der Anforderungen reichen laut Karriereberater:innen oft schon, um als ernstzunehmende Bewerbung zu gelten. Trotzdem schrecken lange Anforderungslisten viele Menschen ab, obwohl der Job eigentlich passen würde. Der Grund liegt selten an der Qualifikation. Er liegt daran, dass kaum jemand weiß, welche Punkte auf der Liste wirklich zählen.

Anschreiben: Wunschliste statt Checkliste

Stellenanzeigen wirken wie Prüfungsbögen, meistens sind sie aber Wunschlisten. Unternehmen formulieren Anforderungen oft nach dem Motto „je mehr, desto besser“, ohne dass jeder Punkt tatsächlich entscheidend ist. Wer eine Anzeige zu wörtlich nimmt, sortiert sich selbst aus. Noch bevor überhaupt eine echte Absage möglich wäre.

Muss, Kann, Wäre gut: Der Unterschied zählt

Der erste Schritt: die Anforderungsliste in drei Kategorien sortieren.

  • Muss-Kriterien: zwingend erforderlich, etwa eine gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation
  • Kann-Kriterien: von Vorteil, aber nachholbar
  • Wunschkriterien: beschreiben eher das ideale Profil als eine echte Hürde

Fehlt es an Muss-Kriterien, sieht es schlecht aus. Fehlen dagegen nur Kann- oder Wunschpunkte, lohnt sich der Versuch fast immer.

Kein Grund zur Verzweiflung: Trotz oft hoher Anforderungen reicht es Recruiter:innen oft schon, wenn nur ein Teil der Anforderungen erreicht wird

Was Recruiter:innen wirklich bewerten

Wie streng die Grenze gezogen wird, hängt stark vom Joblevel ab:

  • Einstieg & Nachwuchs: Potenzial zählt mehr als Erfahrung. Echte Muss-Kriterien sind hier oft nur der Abschluss oder Grundwissen.
  • Fach- & Spezialistenrollen: Zentrale Fachkenntnisse werden genauer geprüft, Lücken fallen schneller auf.

Eine Konstante bleibt über alle Level hinweg: Recruiter:innen erwarten selten die perfekte Deckung. Sie erwarten, dass jemand die eigene Lücke benennt und erklärt, wie er oder sie sie schließen will.

Der Selbsttest vor dem Absenden

Drei Fragen vor dem Klick auf „Absenden“:

  1. Welche der genannten Muss-Kriterien erfülle ich wirklich nicht?
  2. Kann ich fehlende Punkte im Anschreiben glaubwürdig auffangen, etwa durch verwandte Erfahrung oder Lernbereitschaft?
  3. Würde mich das fehlende Kriterium selbst stören, säße ich auf der anderen Seite des Tisches?

Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, bewirbt sich nicht blind, sondern gezielt und mit besseren Chancen.