Flexible Arbeitszeit
Schule macht’s vor: Wer von Gleitzeit profitiert
70,4 zu 54,0 Prozent: So weit liegen die Weiterempfehlungsraten auf kununu auseinander, wenn Beschäftigte flexible Arbeitszeiten bestätigen – oder eben nicht. Eine Schule in Niedersachsen macht vor, was Unternehmen in Deutschland seit Jahren diskutieren. Ausgerechnet die Altersgruppe, die dort Gleitzeit lernt, hat im Job am wenigsten davon.
Göttingen lässt die ersten Stunden offen
An der berufsbildenden Arnoldi-Schule sind die ersten und letzten Stunden des Tages Cool-Stunden: Welche davon sie besuchen, entscheiden die Schüler:innen selbst, vier bis sechs sind Pflicht. Nach dem Test im elften Jahrgang gilt das Modell nun auch im zwölften. Lehrer Michael Mahl-Kipshagen sagte dem NDR: „Sie fühlen sich motivierter, kommen lieber zur Schule und organisieren sich besser.“ Alle meldeten Fortschritte beim selbstorganisierten Lernen, über 80 Prozent mehr Motivation.
Der Abstand zieht sich durch alle Kategorien
Auf kununu zeigt sich, was das wert ist. Unternehmen, bei denen mindestens zehn Beschäftigte flexible Arbeitszeiten im kununu-Insight-Formular bestätigen, kommen im Gesamtscore auf 3,82 von 5 Sternen, das entspricht 0,58 Sterne mehr als bei Arbeitgebern ohne Nennung. Basis sind 30.112 Unternehmen mit rund 2,5 Millionen Bewertungen.
Bemerkenswert ist weniger die Größe des Abstands als die Breite:
- Work-Life-Balance: 3,81 zu 3,08 Sternen
- Karriere und Weiterbildung: 3,54 zu 2,85 Sternen
- Vorgesetztenverhalten: 3,69 zu 3,04 Sternen
- Weiterempfehlungsrate: 70,4 zu 54,0 Prozent
Der Vorsprung beim Vorgesetztenverhalten und bei den Entwicklungschancen fällt fast so groß aus wie bei der Work-Life-Balance. Flexible Arbeitszeit wirkt weniger wie ein einzelner Benefit als wie ein Indikator dafür, dass auch der Rest stimmt.
Die jüngste Altersgruppe hat die wenigste Freiheit
Genau hier liegt der Bruch. Laut Arbeitskräfteerhebung des Statistischen Bundesamtes hatten 2025 gut 51 Prozent der Erwerbstätigen Einfluss auf Beginn und Ende ihrer Arbeitszeit, bei den 15- bis 24-Jährigen nur 31,5 Prozent – der niedrigste Wert aller Altersgruppen. Ein Referentenentwurf von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas soll die werktägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche ersetzen. Beschlossen ist er nicht.
Wer Fachkräfte sucht, trifft künftig auf Berufseinsteiger:innen, für die Selbstorganisation Normalfall ist, nicht Zugeständnis. In Göttingen bleiben die ersten Stunden offen. In vielen Betrieben bleibt offen, wie lange Flexibilität als Extra durchgeht.