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Gesundheitsreform

Krankenkassen-Reform: Hier zahlen Versicherte bald mehr

Letztes Update:  14. August 2026, 11:11
2 min
Apothekerin berät einen Kunden in der Apotheke und überreicht eine Medikamentenpackung.

Milliarden-Sparpaket beschlossen: Die neue Krankenkassen-Reform in Deutschland wird für Millionen Versicherte spürbar teurer. Bundestag und Bundesrat haben das Gesetz am 10. Juli verabschiedet. Ob drastisch steigende Medikamenten-Zuzahlungen, neue Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung für Ehepartner oder längere Wartezeiten bei der Therapieplatzsuche – Beschäftigte und Familien müssen sich auf spürbare Einschnitte im Alltag einstellen.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Die psychotherapeutische Versorgung bleibt ein Streitpunkt.
  • Für einige Medikamente steigen die Eigenanteile.
  • Die beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner wird eingeschränkt.
  • Krankenkassen sollen bis zu 19 Milliarden Euro einsparen.
  • Ziel ist es, weitere Beitragserhöhungen zu bremsen.

Psychische Erkrankungen belasten den Arbeitsmarkt

Burnout, Depressionen oder Angststörungen gehören inzwischen zu den häufigsten Ursachen für längere Fehlzeiten im Beruf. Nach Daten der DAK-Gesundheit nehmen die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen seit Jahren zu. Umso größer ist die Kritik an den geplanten Einsparungen bei der Psychotherapie.

Gesundheitsministerin Nina Warken räumte im Bundestag ein, dass die Reform nicht ohne Folgen bleibt. „Es ist ein Spargesetz. Das Thema der Versorgung muss an anderer Stelle gelöst werden“, sagte sie. Gleichzeitig betonte sie, dass bereits begonnene Therapien abgesichert werden sollen.

Für Beschäftigte bedeutet das vor allem eines: Wer künftig erstmals einen Therapieplatz sucht, könnte stärker von möglichen Änderungen betroffen sein als Menschen, die bereits in Behandlung sind.

Medikamente könnten für Versicherte teurer werden

Bei verschriebenen Medikamenten könnten Versicherte künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Zuzahlungen sollen von bislang 5 bis 10 Euro auf 7,50 bis 15 Euro steigen. Besonders Menschen mit chronischen Erkrankungen oder regelmäßigen Medikamentenkosten könnten dadurch stärker belastet werden.

Auch beim Zahnersatz wird es teurer: Der Festzuschuss der Kassen sinkt von 60 auf 50 Prozent – zurück auf den Stand vor Oktober 2020. Wer regelmäßig zur Vorsorge geht, kann den Zuschuss über die Jahre wieder erhöhen.

Warken verteidigte den Sparkurs mit deutlichen Worten: „Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung ist dramatisch und sie erlaubt auch keinen Aufschub mehr.“ Gleichzeitig sagte sie: „Ich glaube, man kann auch nicht knapp 20 Milliarden Euro sparen und den Menschen sagen, keiner wird davon etwas spüren.“

Person sitzt auf einem gelben Sofa. Eine Andere Person sitzt ihr gegenüber und gestikuliert.
Der Bundesrat hat den Weg für das Sparpaket freigemacht. Die Reform soll die gesetzlichen Krankenkassen ab 2027 entlasten und weitere Beitragserhöhungen bremsen.

Familienversicherung: Zuschlag ab 2028

Teil der Reform sind außerdem Änderungen bei der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern. Ab 2028 wird für mitversicherte Ehe- oder Lebenspartner ein Beitragszuschlag von 2,5 Prozent fällig – berechnet auf das Einkommen des erwerbstätigen Mitglieds. Ausgenommen bleiben unter anderem Partner, die Kinder unter zwölf Jahren betreuen, sowie Menschen mit Pflegegrad 3 bis 5. Kinder bleiben in jedem Fall beitragsfrei mitversichert. Für manche Haushalte entstehen dadurch höhere Krankenversicherungsbeiträge.

Scharfe Kritik: „Heute setzen Sie die Kettensäge an.“

Die Bundesregierung verfolgt mit der Reform das Ziel, die gesetzlichen Krankenkassen finanziell zu stabilisieren und weitere Beitragssprünge zu verhindern. Ob das gelingt, bleibt umstritten. Opposition und Verbände warnen davor, dass notwendige Behandlungen schwerer zugänglich werden könnten. Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sprach im Bundestag vom „größten Jobabbauprogramm des deutschen Gesundheitswesens“, Linken-Politiker Ates Gürpinar kritisierte: „Heute setzen Sie die Kettensäge an.“

Fest steht: Die Reform richtet sich zwar an die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Alltag dürfte sie aber vor allem dort spürbar werden, wo Beschäftigte auf eine schnelle medizinische Versorgung angewiesen sind, etwa nach einer längeren Krankschreibung, bei einer psychischen Erkrankung oder wenn regelmäßig Medikamente benötigt werden.