Zocken um den Job – Die Gamification der Berufswelt

Bewirbst du dich noch oder zockst du schon? Die international bekannten Computerspiele Grand Theft Auto, World of Warcraft oder Minecraft haben es mit ihren passionierten Gamern vorgemacht. Mittlerweile hat der Trend Gamification seinen Weg in die HR- und Recruiting-Welt gefunden. Drücke schnell auf Start und sieh dir die Spiele mit uns einmal genauer an!

 

Was ist eigentlich Gamification?

Gamification heißt, dass Dinge plötzlich in einem spielerischen Kontext erscheinen, obwohl sie es eigentlich gar nicht sind. Früher ging es hier rein um den Unterhaltungswert. Geschichten sollten im Spiel lebendig und interaktiv werden. In diesem Fall besteht der spielfremde Kontext aus dem Unternehmen, dem konkreten Job und dem Bewerbungsprozess. Die Unternehmen wollen mit ihren Games vor allem dein Interesse auf sie lenken. Sie können sich so gegenüber der Konkurrenz absetzen und dir genauere Einblicke in ihre Arbeitswelt geben. Mit Spiel, Spaß und Spannung soll die Firma besonders attraktiv gemacht werden. Aber auch der Auswahlprozess verbessert werden. Wer sich schon durch ein Online-Praktikum gezockt hat, der bewirbt sich vermutlich eher.

Welche Job-Games gibt es überhaupt?

Ganz schön viele. Wir stellen dir eine kleine Auswahl an deutsch- und englischsprachigen Games vor. Gleich vorab: Es war ziemlich spaßig.

Uber

Das Uber-Game stammt gar nicht vom Fahrdienstleister Uber selbst, sondern von der Financial Times, einer Wirtschaftszeitung. Diese führte Interviews mit Uber-Fahrern und kreierte daraus The Uber Game. Ziel des Spieles ist es, den manchmal ziemlich anstrengenden und zeitintensiven Job der Taxifahrer zu verstehen. Es folgen einige Impressionen aus dem recht kurzweiligen Spiel:

 

 

Mit einem „Yes“ beginnen wir den Tag. Ganz schön harte Voraussetzungen.

 

 

Juhu, die erste Fahrt liegt hinter uns und wir haben unseren Mitfahrer Chris gesund und munter am Campingplatz abgesetzt. Weiter geht es zur nächsten Challenge!

 

 

Mit unseren Entscheidungen beeinflussen wir die Zahl unserer Fahrten und damit natürlich unser Gehalt. Als die Frage kam, ob wir lieber mit unserem Sohn Hausaufgaben machen oder weitere Fahrten machen, fühlten wir uns richtig unter Druck gesetzt. Tja, wir haben das Taxi stehen lassen und lieber Zeit mit unserem virtuellen Kind verbraucht. Die Quittung kam am Ende der Woche: Wir wären dem Job als Uber-Fahrer nicht gewachsen und haben nur 870 $ in unserer virtuellen ersten Woche verdient. Verdammt. Allerdings hatte unser Charakter auch eine Hypothek von 1.000 $ abzuzahlen.

 

Polizeidirektion Berlin

Den Selbstcheck der Polizeidirektion Berlin erkennt man erst auf den zweiten Blick als Recruiting-Game. Mit realitätsnahen Situationen kannst du vor der Bewerbung schon einmal abchecken, ob der Job zu dir passt. Dein Ergebnis im Selbsttest haben aber keinen Einfluss auf den späteren Auswahlprozess. Los geht’s!

 

 

Der Job eines Polizisten ist nicht so romantisch, wie man ihn sich vorstellt. Keine entführte Prinzessin, die man aus einem Verließ rettet, kein vermisster Prinz. Diese falschen Erwartungen will der Selbsttest richtigstellen. Da kommt dann schon einmal die Ernüchterung.

 

 

Zum Ende des Tests erhalten wir die Auswertung unserer Antworten in den Bereichen Umgang mit Menschen, Umgang mit extremen Belastungen, Teamfähigkeit und Berufseinstellung. Außerdem wird auf den Link zum Bewerbungsportal verwiesen.

 

MyJobAdventure (Cleen Energy)

Das MyJobAdventure führt dich in die Räume des Energieunternehmens Cleen Energy. Du triffst dort unter anderem auf einen schwierigen Kunden. Sein Name ist Programm – Mr. Fish. Diesen Mr. Fish sollst du innerhalb von 15 Minuten beraten und möglichst von dir und deinem Produkt überzeugen. Außerdem musst du Fragen über dich und deine Handlungsweisen beantworten.

 

 

Gut, wir werden jetzt ein neuer Lukas Scherzenlehner. Mr. Fish, ziehen Sie sich warm an!

 

 

Innerhalb von zehn Minuten überzeugen wir also den ungeduldigen Mr. Fish. Es folgen einige Fragen zu unserem Fachwissen und unserer Persönlichkeit – immer mit Bezug auf den Vertrieb von Energieprodukten.

 

 

Jetzt könnten wir direkt mit dem Unternehmen in Kontakt treten und uns als Vertriebsmitarbeiter bewerben. For obvious reasons haben wir diesen Schritt ausgelassen. Das Spiel selbst könnte vielleicht noch etwas adaptiert werden. Einige Fragen kamen zu „Könntest du diesen Begriff einem 14-Jährigen erklären?“. Natürlich. Wenn ich davor kurz google, kann ich diesem Teenager alles erklären. Wirkliche Wissensfragen wären unserer Meinung nach sinnvoller.

DAK

Bei der DAK Krankenkasse kannst du deine Eignung als Kundenberater, Kundengewinner, Versicherungsexperte, Krankenhausspezialist oder Leistungsprofi testen. Wir haben uns für den Krankenhausspezialisten entschieden. Eine junge Auszubildende namens Melis führt uns durch das sogenannte Online-Praktikum. Na dann, auf ins Krankenhaus!

 

Zunächst zeigt Melis uns ihr Büro. Am Bildschirm sollen wir medizinische Bezeichnungen lernen.

 

 

Puh, da macht sich der Lateinunterricht in der Schule endlich bezahlt. Danach folgen fachspezifische Aufgaben und wir sollen Fallpauschalen errechnen. Schon deutlich schwieriger.

 

 

Scheinbar haben wir auch diese Aufgabe aber ganz gut gelöst. Immerhin. Bei Uber sind wir schließlich ja durchgefallen.

 

Und was nutzt dir das alles?

Gib es zu: Auch du zockst gerne. Die Gamification hilft dir, dein inneres Kind herauszulassen und gleichzeitig etwas über die Arbeitsweise deines Wunschunternehmens zu erfahren. Außerdem werden deine Persönlichkeit und deine Kompetenzen nicht mehr nur anhand deines Lebenslaufes beurteilt. Die Player bzw. Bewerber messen sich im Zeitmanagement, durchspielen reale Situationen oder lösen knifflige Strategie-Aufgaben. Knackst du den Highscore bei einem der ältesten HR-Games, America’s Army, kommen Recruiter der US Army auf dich zu und laden dich zu einem Vorstellungstermin ein. Du sparst dir damit das fade Bewerbungsschreiben. Cool oder?

Wie auch in normalen Games gibt es aber „Cheater“, also Menschen, die das Spiel durch kleine oder große Tricks beeinflussen. Die „Cheater“ haben in diesem Fall aber meist keine großartigen Programmierskills, sondern lassen ganz einfach die beste Freundin bei den Mathe-Aufgaben oder den großen Bruder im Persönlichkeitstest ran. Dagegen können die Unternehmen kaum etwas tun. Sei am besten ehrlich zu dir selbst. Betrug fällt spätestens dann auf, wenn du den Job bekommen hast.