Feedback an den Chef

Wie du in 4 Schritten erfolgreich Feedback an deinen Chef gibst

Traust du dich deinem Chef Feedback zu geben – und umgekehrt, als Vorgesetzter das Feedback deiner Mitarbeiter anzunehmen? Eine positive und wertschätzende Feedback- und Kommunikationskultur scheint eines der wichtigsten Elemente, um wertvolle Mitarbeiter zu halten. Laut einer Studie ist mangelnde Wertschätzung für fast 80 Prozent ein Kündigungsgrund.[1] Sich von seiner Führungskraft wahr- und ernstgenommen zu fühlen und damit unweigerlich auch wertgeschätzt zu werden, ist also als essentielles Bedürfnis zu verstehen. Damit dein Bedürfnisse und Anliegen, also dein Feedback, auch von deinem Vorgesetzten gehört wird, macht es Sinn angenehme Rahmenbedingungen zu schaffen. Ziel ist dafür zu sorgen, dass das Feedbackgespräch nicht zu einem Streitgespräch eskaliert.

Bedingungen, die für ein erfolgreiches Feedbackgespräch erfüllt sein müssen

  • Gib Feedback immer in einer 1:1 Situation. Nicht vor anderen Kollegen, sondern immer in einem Vieraugen-Gespräch.
  • Widerstehe dem Bedürfnis, Feedback aus einer Emotion heraus zu geben.
  • Achte darauf keine Unterstellungen einzuflechten und verzichte auf Formulierungen wie „immer“, „nie“ und „jedes Mal.“
  • Verzichte auf Pauschalisierungen. Sonst folgt allzu schnell ein „in dieser und jener Situation war es aber anders“ und schon ist dein Gegenüber im Verteidigungsmodus und hört nicht mehr, was du eigentlich sagen willst.
  • Das Ergebnis sollte eine Lösung sein. Hinterlasse nicht einfach nur ein schlechtes Gefühl bei deinem Gegenüber.

Manche Kollegen haben anscheinend Angst oder zu viel Respekt vor den Vorgesetzten“ – Anonyme Arbeitgeberbewertung bei Hofer KG


So formulierst du Feedback an deinen Vorgesetzten erfolgreich und wertschätzend

Schritt 1: Versuche die Bereitschaft Feedback zu empfangen zu sondieren

Du kannst noch so empathisch, souverän und sachlich auftreten. Wenn dein Vorgesetzter nicht bereit ist Feedback anzunehmen, wird es nicht ankommen und schlimmsten Fall in ein Streitgespräch eskalieren. Finde also zunächst heraus, ob deine Führungskraft bereit ist ein Feedback-Gespräch auf Augenhöhe zu führen. Das kann dir gelingen in dem du die Unternehmensphilosophie miteinbeziehst: „Offene Kommunikation ist als ein Unternehmenswert verankert. Als Mitarbeiter erkennt man häufig schneller, wenn sich Möglichkeiten zur Optimierung ergeben. Wären Sie/ Wärst du dafür offen, so etwas zu besprechen?“ Natürlich ist es auch möglich, ganz direkt zu sein: „Nachdem offene Kommunikation bei uns einen hohen Stellenwert hat – wärst du offen für Feedback von Seiten der Mitarbeiter?“ Wesentlich ist, dass du keine Unterstellung formulierst und deinen Vorgesetzten nicht schon vorab zum Kern des Problems machst. Kannst du vermitteln, dass dir etwas daran liegt das Wohl des Unternehmens verbessern zu wollen, nimmt das automatisch den Verbesserungsdruck einer einzelnen Person und die Chance, dass deine Führungskraft automatisch zuhört steigt. Schließlich möchte die Person nicht als diejenige bekannt sein, der das Unternehmenswohl nicht am Herzen liegt.

Schritt 2: Formuliere sachliche Beobachtungen aus der Ich-Perspektive

Anschließend formulierst du dein Anliegen in Form einer Beobachtung. Sätze wie „Mir ist aufgefallen“ oder „Ich habe bemerkt“ helfen, um deinem Anliegen einen sachlich-neutralen Wert zu verleihen. Verzichte dabei auf Anschuldigungen oder Schuldzuweisungen.

Schritt 3: Führe vor Augen, was die Konsequenzen deiner Beobachtung waren

Damit du in deinem Feedback eine lückenlose Kausalkette vorweisen kannst, ergänzt du deine Beobachtung schließlich mit Auswirkungen, die das Ganze auf dich und schließlich das Unternehmen hat. Ein Beispiel könnte sein: „Mir ist aufgefallen, dass wir durch die vielen einzelnen Schritte unsere Abläufe nicht effizient gestalten können und in der Summe dadurch viel Zeit verloren geht. Dadurch häufen sich zahlreiche Überstunden und ich habe kaum freie Kapazität für Projekt [xy]. Die Überstunden führen dazu, dass ich erst sehr spät nach Hause komme und sich ein Frustrationsgefühl einstellt, weil der Prozess sehr zäh ist.“


Man geht sehr offen miteinander um, man gibt Feedback, man wird unterstützt.“ – Anonyme Arbeitgeberbewertung bei Boomerang Media GmbH


 Schritt 4: Äußere eine konkrete Bitte und hebe hervor, warum es dem Unternehmen hilft

Anschließend folgt die Bitte der Änderung dieser Situation. Also dein konkreter Lösungsansatz. Im genannten Beispiel könnte das ein Vorschlag sein, wie man zunächst den Prozess optimiert und sich dadurch anschließend die Überstunden reduzieren lassen, oder sich ein alternatives Arbeitsmodell finden lässt. Beispielsweise die Absprache einen Teil der Arbeitszeit als Prozentsatz festgelegt für etwaige und dringende Projekte frei zu halten:

Mir ist wichtig, dass ich den Überblick behalte und die Qualität meiner Arbeit aufrecht erhalten kann. Deshalb würde ich gerne folgende Schritte verkürzen oder in folgender Weise optimieren. Meine Bitte wäre außerdem, dass ich meine Arbeitszeit zu 25 Prozent für allfällige und dringende Projekte freihalte, damit wir auch an der Front effektiv und effizient weiterkommen. So können wir gleichzeitig mehrere lukrative Aufträge abschließen.“

In diesem Fall hast du deinen Lösungsvorschlag noch mit einem Nutzen untermauert. Mehr Zeit für lukrative Aufträge bedeuten monetäre Verbesserung für das Unternehmen. Es lassen sich nicht immer monetäre Anreize oder Nutzen finden. Du solltest dein Feedback jedoch mit der Aussicht auf Verbesserung und allgemeinen Nutzen für das Team, das Unternehmen oder die Zusammenarbeit abschließen.

 

Quelle:

[1] Octanner: A New Benchmark for Initiating Employee Engagement, Retention and Results