Stromkosten im Homeoffice: Steuerlicher Ausgleich & wie du Kosten sparst

Homeoffice gilt als attraktiver Benefit. Doch vermehrt oder ganz von zu Hause aus arbeiten, bedeutet auch mehr Strom in den eigenen vier Wänden zu verbrauchen. Wir verraten dir, wie hoch der Stromverbrauch im Homeoffice ist und wie du zu Hause Strom sparen kannst, um deinen Geldbeutel und die Umwelt zu schonen. Außerdem erfährst du, ob und wie Stromkosten und andere Ausgaben über die Homeoffice-Pauschale in deiner nächsten Steuererklärung ausgeglichen werden können.

Warum Stromkosten im Homeoffice ein Thema sind

Lange galt die Arbeit im Homeoffice als attraktiver Benefit, in dessen Genuss bei Weitem nicht jede:r Arbeitnehmer:in kam. Unternehmen, die ihren Angestellten regelmäßige Homeoffice-Zeiten einräumten, galten eher als Ausnahme. Das hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren deutlich geändert! In Deutschland und in vielen anderen Ländern galt während der Corona-Pandemie zeitweise sogar eine Homeoffice-Pflicht, die im März 2022 auslief. Viele Arbeitnehmer:innen begrüßten die Möglichkeit, von daheim aus zu arbeiten: keine langen Fahrtwege, kein Business-Outfit, und zwischendurch schnell eine Waschmaschine laufen lassen. Auch nach dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht wird das Arbeiten von daheim bei vielen Unternehmen praktiziert, zumindest zu einem gewissen Stundenkontingent pro Woche oder Monat.

Allerdings: Wer mehr (Arbeits-)Zeit daheim verbringt, verbraucht auch mehr Energie. Und das bedeutet: Mehr Kosten, vor allem vor dem Hintergrund steigender Strom- und Gaspreise als Auswirkung des Krieges in der Ukraine. Wir verraten dir, wie du im Homeoffice Strom sparen kannst, um deinen Geldbeutel zu schonen. Nebenbei verringerst du mit einem geringeren Stromverbrauch auch den CO2-Ausstoß deines Haushalts. Strom sparen bedeutet nicht nur Kosten sparen, sondern ist auch ein Beitrag zum Klimaschutz und für mehr Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz.

Finanzielle Einsparungen durch Homeoffice – für die Unternehmen

Für Arbeitnehmer:innen hat die Arbeit im Homeoffice nicht nur Vorteile. Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds bedeutet Arbeiten von daheim für viele Menschen Überstunden. Pausen und Ruhezeiten werden begrenzt und das Abschalten fällt schwieriger. Viele bleiben auch in der Freizeit noch erreichbar. Dazu kommen die Kosten für Strom und Heizung. Denn: So lange Mitarbeiter:innen nur teilweise oder vorübergehend im Homeoffice arbeiten, ist das arbeitgebende Unternehmen nicht verpflichtet, entstehende Kosten zu übernehmen. Dies ist nur der Fall, wenn die Arbeit im Homeoffice dauerhaft geplant ist und für den:die Mitarbeiter:in keine Arbeitsplatz in den Räumlichkeiten des Unternehmens eingerichtet ist.

Viele Unternehmen sträubten sich vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie dagegen, ihre Mitarbeiter:innen ins Homeoffice zu schicken. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht jedoch bedeutet Homeoffice für Unternehmen große Kosteneinsparungen. Büro- und Geschäftsräume, die nicht benutzt werden, müssen nicht beheizt, beleuchtet und geputzt werden. Stromkosten für Computer, Drucker, Kaffeemaschinen, Kühlschränke fallen weg. Da wundert es nicht, wenn Unternehmen ihre Homeoffice-Regelungen ausweiten in Zeiten, in denen die Kosten für Gas und Strom deutlich steigen. Der in Düsseldorf ansässige Henkel-Konzern etwa plant, befristet wieder mehr Homeoffice einzuführen, um Gas und somit Kosten zu sparen. Solche Pläne erfahren zumindest von Teilen der Politik Unterstützung. Was bei der Diskussion zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass die Kosten ja nicht wegfallen, vielmehr lagern die Unternehmen sie aus – an ihre Mitarbeiter:innen. Axel Pöppel, Fachanwalt für Arbeitsrecht, empfiehlt Unternehmen daher, den Angestellten eine freiwillige monatliche Pauschale als Ausgleich zu zahlen.

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Homeoffice-Pauschale: Energiekosten als Arbeitnehmer:innen von Steuer absetzen

Um die erhöhten Energiekosten im Homeoffice weitestgehend auszugleichen und Arbeitnehmer:innen zu entlasten wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz Homeoffice-Pauschalen eingeführt. Diese soll zusätzliche Kosten ausgleichen, die Arbeitnehmer:innen durch die Arbeit zu Hause entstehen – wie zum Beispiel höhere Heizungs- und Stromgebühren.

In Deutschland ist die Pauschale vorerst zeitlich begrenzt auf die Jahre 2020, 2021 und 2022. Pro Tag Arbeit von zu Hause kann man fünf Euro ansetzen, maximal jedoch 600 Euro im Jahr. Die so erzielte Summe zählt zu den Werbungskosten, für die allen Steuerzahlern pauschal ohnehin 1000 Euro angerechnet werden. Nur wer mit seinen Ausgaben über diese 1000 Euro kommt, profitiert von der Regel. Die maximale Summe von 600 Euro pro Jahr entspricht übrigens nur 120 Homeoffice-Tagen á 5 Euro. Wer häufiger von zu Hause aus arbeitet, kann sich dies steuerlich nicht anrechnen lassen.

Auch in Österreich steht den Arbeitnehmer:innen eine Abgeltung der im Homeoffice entstandenen Mehrkosten zu, Die Pauschale ist bis maximal drei Euro pro Tag für höchstens 100 Homeoffice-Tage steuerfrei zu beziehen. Zahlt der Arbeitgeber weniger als drei Euro, können Arbeitnehmer:innen die Differenz in der Arbeitnehmerveranlagung als Werbungskosten geltend machen.

In der Schweiz gibt es derzeit noch keine einheitliche Homeoffice-Pauschale, die während des corona-bedingten Lockdowns gilt. Generell sind Arbeitgeber jedoch im Falle der Homeoffice-Anordnung verpflichtet, ideale Voraussetzungen zur Arbeitserbringung sicherzustellen und eine Entschädigung für die Kosten im Homeoffice zu erbringen. Da sich der effektive Anteil der Kosten, die zur Arbeitserbringung nötig sind, jedoch kaum berechnen lässt, können die jährlichen Pauschalen zur Abgeltung dieser Auslagen zwischen CHF 200 bis CHF 1.000 betragen.

Homeoffice – welche Kosten kommen auf die Arbeitnehmer:innen zu?

Die größten Kostentreiber für deinen Arbeitsplatz im Homeoffice sind Strom und Heizung. Je nachdem, welche Heizung du nutzt, wird vor allem dieser Kostenpunkt 2022 stark zu Buche schlagen.

Stromverbrauch & Stromkosten im Homeoffice

Das Vergleichsportal Check24 hat ermittelt, dass für Angestellte, die das ganze Jahr im Homeoffice arbeiten, die Stromrechnung um bis zu 94 Euro höher ausfallen kann. Diese Berechnung wurde zu Jahresende 2021 durchgeführt, zu einem Zeitpunkt also, an dem der Preis für eine Kilowattstunde Strom bereits deutlich hoher lag als vor wenigen Jahren. Unter anderem die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs haben die Kosten für Gas und Öl seitdem weiter in die Höhe trieben. 2021 zahlten Haushalte im Schnitt 31,9 Cent pro Kilowattstunde. Im Juni 2022 lag der Preis bei Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bereits bei 37,14 Cent/kWh. Laut Energievergleichsportal Energiemarie ist der durchschnittliche Strompreis zu Mitte 2022 um 15,5 Prozent höher als im Vorjahr. Entsprechend höher werden also deine Stromkosten ausfallen.

Gaskosten im Homeoffice

Je nachdem, wie du dein Homeoffice beheizt, werden auch die steigenden Gaspreise für dich zu Buche schlagen. Hier ist die Preissteigerung noch deutlich größer als beim Strom. Laut Vergleichsportal Check24 kostet eine Megawattstunde Gas aktuell 148 Euro (Stand 01.07.2022). Der Preis stieg damit im Vergleich zu Mitte Juni um 74 Prozent. Die Grundversorger geben die gestiegenen Einkaufspreise an ihre Kunden weiter.

Energiesparen im Homeoffice: unsere 6 Tipps für dich

Wenn wir uns Gedanken machen, wie wir im Homeoffice Strom beziehungsweise generell Energie sparen können, schonen wir nicht nur unseren Geldbeutel, sondern leisten einen kleinen Beitrag für den Klimaschutz und für Nachhaltigkeit im Homeoffice. Wir haben 6 Tipps zum Energiesparen für dich zusammengestellt, die du ohne großen Aufwand im Arbeitsalltag umsetzen kannst.

Tipp 1: Werde dir über den Stromverbrauch der Geräte bewusst

Jedes elektronische Gerät, das du im Homeoffice nutzt, verbraucht Energie, klar. Wie viel, kannst du mit einer Formel berechnen:

Multipliziere die Leistung des Geräts (angegeben in Watt) mit der Gebrauchszeit (angegeben in Stunden), erhältst du den Stromverbrauch in Wattstunden (Wh). Teile nun diesen Wert durch 1.000, dann ergibt sich der Stromverbrauch in Kilowattstunden.

Ein Beispiel: Ein Radio mit 15 Watt, das vier Stunden läuft, verbraucht 0,06 Kilowattstunden (kWh) (Berechnung: 15 W x 4 h = 60 Wh (0,06 kWh).

Tipp 2: Laptop, Desktop oder Tablet?

Grundsätzlich gilt: Je kleiner und neuer dein Arbeitsgerät ist, desto weniger Strom verbraucht es. Ein PC mit modernem Mehrkern-Prozessor und mit Grafikkarte verbraucht pro Stunde etwa 135 Watt. Ein Laptop benötigt etwa 30 Watt oder 0,03 kWh Strom pro Stunde, also weniger als ein Viertel, und ein Tablet wie das iPad verbraucht sogar nur 4 Watt. Vielleicht kannst du einige Tätigkeiten im Arbeitsalltag zum Beispiel vom Rechner auf dein Tablet verlagern? Mit einigen Kniffen kannst du den individuellen Stromverbrauch deiner technischen Geräte verringern:

  • Verringere die Helligkeit des Displays
  • Schalte deine Geräte in den Energiesparmodus (Tablets, Smartphones und Laptos verfügen über diese Funktion. Wenn sie aktiviert ist, geht das Gerät schneller in den Standby-Modus)
  • Deaktiviere nicht benötigte Smartphone-Dienste. GPS, Bluetooth, Wlan sind sehr hilfreiche Funktionen. Aber sie benötigen viel Strom. Deaktiviere sie, wenn du sie nicht benutzt und schone so den Akku.
  • Ähnliches gilt für nicht genutzte Computerprogramme oder Apps. Wenn diese geöffnet bleiben, verbrauchen sie weiterhin Strom und können daneben auch dein Gerät verlangsamen.

Tipp 3: Vermeide den Ruhemodus

Die Verlockung ist beim Arbeiten in den eigenen vier Wänden besonders groß: nach getaner Arbeit einfach den Laptop verlassen und sich morgens wieder dransetzen und das Gerät aus dem Standby-Modus wecken. Technische Geräte verbrauchen allerdings auch im Ruhemodus Strom, dein Laptop beispielsweise circa 1 Watt. Diszipliniere dich also und schalte nach Feierabend konsequent alle Arbeitsgeräte wie Rechner, Bildschirm und Schreibtischlampe aus. Am einfachsten geht das, wenn du für alle Geräte einen Mehrfachstecker mit Schalter benutzt und diesen abends ausschaltest.

Tipp 4: Was du beim Gerätekauf beachten solltest

Bei älteren elektronischen Geräten kann der Stromverbrauch steigen, wenn der Akku nicht mehr hundertprozentig funktioniert. Beim Kauf eines neuen Geräts solltest du daher auf die Leistung und den angegebenen Stromverbrauch achten und sichergehen, dass Verschleißteile wie der Akku austauschbar sind.

Tipp 5: Sorge für das richtige Licht

Menschen arbeiten am produktivsten bei Tageslicht. Nicht umsonst ist in der Arbeitsstättenverordnung festgehalten, dass in Arbeitsräumen ausreichend Tageslicht vorhanden sein muss. Im Homeoffice hast du selber Einfluss darauf, wie du deinen Arbeitsplatz wählst. Er sollte möglichst hell sein, am besten in der Nähe eines Fensters, sodass du das Tageslicht genießen kannst. Gleichzeitig sparst du Strom, wenn du auf elektrisches Licht verzichten kannst. In der dunklen Tageszeit und abends, wenn du auf elektrisches Licht nicht verzichten kannst, solltest du auf LED-Leuchten umsteigen und Glüh- und Halogenlampen ersetzen. Der Stromverbrauch von LED-Lampen ist um 85 bis 90 Prozent geringer als der einer Glühlampe.

Tipp 6: Gleichmäßige Temperatur

Der nächste Winter kommt bestimmt – und in diesem Jahr mit besonders hohen Heizkosten. Um Energie zu sparen, solltest du große Temperaturunterschiede meiden und deine Räume lieber auf einer konstanten Temperatur halten. Das geht am besten über einen digitalen Thermostat. Wenn es die in deiner Wohnung nicht gibt, kannst du ein klassisches Thermometer nutzen und darauf achten, auf niedrigem Niveau gleichmäßig zu wärmen. Das ist energiesparender als einen eiskalten Raum innerhalb kurzer Zeit aufzuwärmen. Laut Arbeitsstättenverordnung liegt die ideale Raumtemperatur am Schreibtisch übrigens bei 22 Grad Celsius.

letztes Update: 11. Juli 2022