Steuerreform in Deutschland
Steuererklärung abschaffen: Das ist der Plan der Regierung 2026
Seit dem 1. Juli 2026 können bereits 11,5 Millionen Menschen in Deutschland einen neuen Service nutzen. Kein Formular mehr, keine Belege sammeln: Das Finanzamt soll die Steuererklärung nun einfach selbst erledigen. Was nach Zukunftsmusik klingt, ist bereits Teil eines konkreten Regierungsplans, und ein erster Baustein läuft schon.
Mit einem Klick zur Steuererklärung?
Das Finanzamt erstellt Arbeitnehmer:innen per App einen fertigen Vorschlag für die Steuererklärung, den man entweder direkt bestätigen oder um fehlende Angaben ergänzen kann. Entwickelt hat den Service Bayern für das bundesweite Elster-System.
Parallel läuft in Hessen, Thüringen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein das Pilotprojekt „Amsel“ (Amtsveranlagung): Ausgewählte Steuerpflichtige bekommen einen automatisch erstellten Vorschlag zugeschickt und können ihn per Formular bestätigen oder wie gewohnt eine reguläre Erklärung einreichen.

Der Haken: Für wen funktioniert das aktuell wirklich?
Beide Angebote laufen bislang nur für einfache Steuerfälle, also für Angestellte, Rentner:innen oder Pensionär:innen ohne zusätzliche Einkünfte. Das Finanzamt kann nämlich nur die Daten vorausfüllen, die ihm bereits vorliegen.
Weitere folgende Ausgaben bleiben weiterhin Handarbeit:
- Arbeitsweg und Pendlerkosten
- Homeoffice-Tage
- Handwerkerrechnungen
- weitere individuelle Sonderausgaben
Was als Nächstes geplant ist
Bis Herbst 2026 will die Koalition laut Koalitionsausschuss-Beschlusspapier ein Steuervereinfachungsgesetz vorlegen. Im Gespräch ist unter anderem eine Arbeitstagepauschale, die Fahrtkosten, Homeoffice-Tage und Kosten fürs Arbeitszimmer in einem festen Betrag pro Arbeitstag bündeln könnte.
Das klingt nach weniger Aufwand, hat aber zwei Seiten:
| Könnte profitieren | Würde nicht profitieren |
|---|---|
| Wer bisher nur geringe tatsächliche Kosten hatte | Wer besonders lange Arbeitswege hat |
| Wer wenig Belege sammeln will | Wer hohe individuelle Ausgaben nachweisen kann |
Steuerexperten kritisieren zudem, dass sich die Anzahl der Arbeitstage schwerer kontrollieren lässt als etwa die Entfernung zur Arbeit, was am Ende neue Meldepflichten für Arbeitgeber bedeuten könnte.
Was die Reform für Arbeitnehmer:innen bedeutet
Auch wer bisher nicht zur Abgabe verpflichtet ist, könnte künftig automatisch einen Erstattungsvorschlag erhalten. Das ist relevant, weil die durchschnittliche Steuererstattung zuletzt bei 1.172 Euro lag, Geld, das viele Arbeitnehmer:innen bisher gar nicht abrufen, weil sie keine freiwillige Erklärung abgeben.
Was jetzt schon zählt
Die komplette Abschaffung der Steuererklärung ist noch nicht in Sicht, für Millionen Menschen wird sie aber schon jetzt spürbar einfacher:
- Nur einfache Einkünfte: kann schon jetzt vom Klick-Service oder von „Amsel“ profitieren
- Mit Werbungskosten, Homeoffice oder Handwerkerleistungen zum Absetzen: muss man weiterhin selbst ran
Eine echte Abschaffung der Steuererklärung hängt von einer größeren Tarifreform ab, die deutlich über das aktuell Geplante hinausgeht. Bis dahin lohnt sich ein Blick, ob man selbst schon zu den 11,5 Millionen App-Nutzer:innen oder zu einem der Pilot-Bundesländer gehören.