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Steuerreform Deutschland

Reform mit Haken: Mehr Steuervorteile, aber weniger Netto?

Letztes Update:  13. Juli 2026, 17:41
2 min
Person mit Brille trägt einen hohen Stapel Aktenordner und Dokumente in einem Büro.

Bis zu mehrere Hundert Euro Entlastung pro Jahr: Mit der geplanten Einkommensteuerreform will die deutsche Bundesregierung Beschäftigte ab 2027 und 2028 spürbar entlasten. Doch Expert:innen warnen bereits: Ein Teil dieses Vorteils könnte durch steigende Sozialabgaben wieder verloren gehen. Für viele Arbeitnehmer:innen das am Ende zwar Steuerersparnis – aber das Netto auf dem Konto wird unter Umständen geringer.

Die Steuerreform bringt tatsächlich Entlastungen

Der Koalitionsausschuss hat sich auf mehrere Änderungen geeinigt. Geplant sind unter anderem:

  • höherer Grundfreibetrag
  • höherer Arbeitnehmerpauschbetrag
  • mehr Kindergeld
  • höhere Einkommensgrenze für den Spitzensteuersatz

Je nach Haushalt können dadurch mehrere Hundert Euro pro Jahr zusammenkommen. Besonders Familien profitieren, weil neben der Steuer auch das Kindergeld steigt. Das Bundesfinanzministerium rechnet bei einer Familie mit zwei Kindern und zwei Einkommen von jeweils 5.000 Euro brutto mit einer jährlichen Entlastung von rund 678 Euro ab 2028.

Warum trotzdem weniger Netto möglich ist

Die Steuer ist allerdings nur ein Teil der Rechnung. Vom Bruttogehalt gehen auch Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung ab.

Genau hier erwarten Fachleute in den kommenden Jahren steigende Belastungen. Die gesetzliche Krankenversicherung wird bereits reformiert. Gleichzeitig geht die Alterssicherungskommission davon aus, dass die Finanzierung der gesetzlichen Rente in den kommenden Jahren zusätzliche Beiträge erfordern wird. Auch eine neue kapitalgedeckte Altersvorsorge ab 2028 wird derzeit vorbereitet.

Person hält ein Kleinkind auf dem Arm und saugt mit einem Staubsauger in einem hellen Wohnzimmer mit Dachfenstern.
Steigen die Beiträge stärker als die Steuer sinkt, kann die Entlastung teilweise oder sogar vollständig aufgezehrt werden.

Ab etwa 3.000 Euro brutto wird diskutiert

Die Modellrechnungen des Steuerexperten Prof. Frank Hechtner (für die FAZ) zeigen: Bereits bei mittleren Einkommen könnte ein Teil der Steuerentlastung durch höhere Sozialversicherungsbeiträge wieder verloren gehen.

Daraus könnten sich diese monatlichen Bruttoanpassungen ergeben:

HaushaltsgrößeMonatliches BruttoVeränderung 2028 gegenüber 2026
Single, keine Kinder3.000 Euro-9 Euro im Jahr
4.000 Euro-43 Euro im Jahr
5.000 Euro-66 Euro im Jahr
6.000 Euro-242 Euro im Jahr
9.000 Euro-904 Euro im Jahr
Alleinerziehend, 1 Kind4.000 Euro+103 Euro im Jahr
5.000 Euro+77 Euro im Jahr
6.000 Euro-140 Euro im Jahr
Paar, 2 Kinder6.000 + 3.000 Euro+44 Euro im Jahr
5.000 + 5.000 Euro+148 Euro im Jahr
6.000 + 5.000 Euro-66 Euro im Jahr
7.000 + 7.000 Euro-1.045 Euro im Jahr

Wichtig: Dabei handelt es sich nicht um bereits beschlossene Netto-Beträge, sondern um Berechnungen auf Basis der derzeit bekannten Reformpläne und erwarteten Beitragssätze. Wie hoch das Netto 2028 tatsächlich ausfällt, hängt unter anderem davon ab, wie sich Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bis dahin entwickeln.

Was Beschäftigte daraus mitnehmen können

Die Steuerreform bedeutet für die meisten Arbeitnehmer:innen zunächst eine Entlastung. Gleichzeitig ist sie kein Garant für mehr Geld auf dem Konto. Denn das Netto hängt immer vom Zusammenspiel aus Steuern und Sozialabgaben ab. Erst wenn die Beitragssätze für 2028 feststehen, lässt sich zuverlässig sagen, wie viel von der angekündigten Steuerersparnis tatsächlich übrig bleibt.