Zum Inhalt springen

Neue Chancen im Steuerrecht

Steuerberatung wird flexibler: Diese Jobs könnten gefragter werden – und so viel verdienen sie

von Julia P.
Letztes Update:  29. April 2026, 08:19
2 min
Ein Berater bespricht gemeinsam mit einer Kundin Dokumente am Tisch in einem Büro

Am 24. April 2026 hat der Bundestag einer Modernisierung des Steuerberatungsrechts zugestimmt. Ziel der Reform ist es, Steuerberatung flexibler zu machen, Bürokratie für Beratende abzubauen und Verbraucher:innen ein breiteres Beratungsangebot zu ermöglichen.

Was sich künftig ändern soll

Wer in Deutschland Steuern beraten will, braucht weiterhin eine gesetzliche Grundlage. Mit dem Neunten Gesetz zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes soll dieser Rahmen an mehreren Stellen erweitert werden.

Die wichtigsten geplanten Änderungen:

  • Lohnsteuerhilfevereine sollen mehr Spielraum bekommen.
  • Energieberater:innen sollen in bestimmten Fällen steuerrechtliche Fragen einordnen dürfen.
  • Tax Law Clinics an oder im Umfeld von Hochschulen sollen rechtlich ermöglicht werden.
  • Unentgeltliche Hilfe in Steuersachen soll ausgeweitet werden: künftig sollen nicht nur nahe Angehörige, sondern auch andere nahestehende Personen unterstützen dürfen.
  • Beratungsstellen sollen einfacher organisiert werden können.

Für Verbraucher:innen kann das mehr Auswahl bedeuten. Für Beschäftigte in steuer- und beratungsnahen Berufen wird die Entwicklung spannend, weil neue Schnittstellen entstehen.

Hand füllt ein Formular aus, daneben liegen Taschenrechner und Laptop auf dem Schreibtisch
Die Reform soll mehr Menschen den Zugang zu professioneller Steuerberatung ermöglichen.

Diese Bereiche könnten profitieren

1. Steuerfachangestellte & Steuerberater:innen

Steuerberater:innen verdienen laut kununu im Schnitt 76.200 Euro brutto im Jahr.

Bei Steuerfachangestellten liegt das durchschnittliche Jahresgehalt bei 41.900 Euro brutto.

Durch die Reform könnte der Bereich zusätzlich in Bewegung geraten. Besonders relevant ist die Reform für Lohnsteuerhilfevereine. Nach Schätzungen des Bundesfinanzministeriums könnten künftig rund 35.500 zusätzliche Steuerpflichtige deren Hilfe in Anspruch nehmen.

Konkret ist vorgesehen:

  • Betragsgrenzen für vereinbare Tätigkeiten entfallen.
  • Eine Person darf künftig drei statt zwei Beratungsstellen leiten.
  • Weitere Beratungsstellen von Steuerberater:innen sollen leichter unterhalten werden können.

Für Fachkräfte im Steuerbereich kann das wichtig werden: Wenn Beratungsangebote wachsen oder einfacher organisiert werden können, kann auch der Bedarf an qualifiziertem Personal steigen – vom Backoffice bis zur fachlichen Leitung.

2. Energieberater:innen

Energieberater:innen verdienen laut kununu im Schnitt 54.700 Euro brutto im Jahr.

Spannend wird der Job durch die Reform, weil Energieberater:innen künftig auch steuerrechtliche Fragen einordnen sollen dürfen – sofern diese direkt mit ihrer Beratung zusammenhängen

In der Praxis kann das etwa relevant werden bei:

  • energetischen Sanierungen
  • Photovoltaik
  • Wärmedämmung
  • Heizungstausch

Energieberater:innen ersetzen dadurch keine Steuerkanzlei. Sie könnten Kund:innen aber in einem klar begrenzten Rahmen besser einordnen, welche steuerlichen Fragen mit einer Maßnahme zusammenhängen.

Damit wird das Berufsbild breiter. Wer zusätzlich steuerliches Grundwissen aufbaut, könnte für Kund:innen und Arbeitgeber attraktiver werden.

3. Nachwuchs im Steuerrecht

Neu erlaubt sind sogenannte Tax Law Clinics an Hochschulen. Das Konzept ist aus dem angelsächsischen Raum bekannt, in Deutschland war bisher rechtlich nicht eindeutig geregelt, ob Studierende dort unter Anleitung qualifizierter Berater:innen kostenlose Steuerberatung anbieten dürfen.

Künftig können sie so echte Praxiserfahrung sammeln, lange bevor sie ins Berufsleben einsteigen.

Für Studierende kann das ein Vorteil sein:

  • Sie sammeln früh praktische Erfahrung.
  • Sie bekommen Einblick in echte steuerrechtliche Beratungsfälle.
  • Sie können ihr Profil für Kanzleien, Beratungsunternehmen oder Steuerabteilungen schärfen.

Steuerberatung wird breiter und das kann Karrieren verändern

Die Reform schafft keine Stellen über Nacht. Sie könnte aber Beratungsangebote öffnen, die bislang enger geregelt waren, und neue Schnittstellen zwischen Steuerrecht, Energieberatung und Ausbildung schaffen.

Wer in diesen Bereichen arbeitet oder einsteigen will, sollte die Entwicklung deshalb im Blick behalten – auch mit Blick auf die eigenen Karriere- und Gehaltschancen.