Rente für Geringverdienende
Stabile Rentenkasse, magere Rente: Was 45 Beitragsjahre wirklich bringen
Nur 9,3 Prozent der Wirtschaftsleistung flossen 2024 in die gesetzliche Rente in Deutschland, also weniger als die rund 10 Prozent von 1997. Doch für Menschen mit niedrigen Löhnen ändert das wenig. Wer 45 Jahre lang rund 30.000 Euro verdient, kommt am Ende auf rund 1.100 Euro brutto Rente – nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung knapp unter 1.000 Euro netto. Und das ist die optimistische Rechnung.
Das Rentensystem steht solider da als sein Ruf
Das zeigt eine Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung: Die Rente kostet heute anteilig weniger als 1997, obwohl sie rund drei Millionen mehr Menschen beziehen und der Beitragssatz von 20,3 auf 18,6 Prozent gesunken ist. Und entgegen dem öffentlichen Diskurs sind die Bundesmittel an den GRV-Einnahmen nicht gestiegen, sondern gesunken: von 34 Prozent (2003) auf 29 Prozent (2024).
„Die Datenanalyse ergibt, dass das System der gesetzlichen Rente recht solide dasteht“, sagt WSI-Rentenexperte Florian Blank. Erzählungen vom drohenden Kollaps ließen sich nicht belegen. Eine Regierungskommission legt bis Ende Juni Empfehlungen zur geplanten Reform vor.
Für Geringverdienende zählt eine andere Zahl
Ob das System stabil ist, ist nicht die einzige Frage. Entscheidend ist, wie viel jemand überhaupt einzahlen kann und das ist in vielen Berufen wenig:
- Reinigungskraft: Ø 27.000 € pro Jahr
- Verkäufer:innen: Ø 30.500 € pro Jahr
- Lagerist:innen: Ø 31.600 € pro Jahr
In Teilzeit liegen die Jahreseinkommen deutlich niedriger.
45 Beitragsjahre, gut 1.100 Euro brutto Rente
Wer ein Jahr lang genau den Durchschnittsverdienst erzielt, bekommt dafür einen Entgeltpunkt. Bei einem Jahreseinkommen von rund 30.000 Euro sind es nur etwa 0,58 Entgeltpunkte pro Jahr. Mit dem neuen Rentenwert ab Juli 2026 von 42,52 Euro ergibt das nach 45 Beitragsjahren grob 1.100 Euro brutto Rente.
Konkret heißt das für die drei kununu-Berufe von oben:
- Reinigungskraft: rund 994 Euro brutto pro Monat / etwa 870 Euro netto
- Verkäufer:in: rund 1.124 Euro brutto pro Monat / etwa 990 Euro netto
- Lagerist:in: rund 1.164 Euro brutto pro Monat / etwa 1.025 Euro netto
Und das auch nur, wenn jemand tatsächlich 45 Jahre lückenlos eingezahlt hat, was viele Menschen in der Realität gar nicht schaffen.
Frauen trifft die Rentenlücke doppelt
Bei Frauen wird das Muster besonders deutlich: Sie beziehen laut Statistischem Bundesamt im Schnitt rund ein Viertel weniger Alterseinkünfte als Männer – Folge von Teilzeit, Sorgearbeit und Berufen mit tendenziell niedrigeren Löhnen.
Ein stabiles System und eine auskömmliche Rente sind zweierlei. Für Beschäftigte am unteren Ende der Lohnskala zählt nicht, ob die Rentenkasse hält, sondern ob die eigenen Beiträge je für mehr als das Nötigste reichen. Dort müsste eine Reform ansetzen.