Zum Inhalt springen

Mehr junge Gründer:innen in der Schweiz

Trotz Krise: Schweiz erlebt Rekord-Boom bei Firmengründungen

Veröffentlicht:  17. Juni 2026, 08:43
2 min
Zwei Personen arbeiten gemeinsam an einem Laptop in einem modernen Büro, weitere Personen sitzen im Hintergrund.

Mit 55.654 Neugründungen hat die Schweiz 2025 einen Allzeitrekord aufgestellt, das sind rund 154 neue Firmen pro Tag und 34,7 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren, so der Jahresbericht des IFJ Institut für Jungunternehmen. Dabei ist die wirtschaftliche Lage alles andere als rosig: Steigende Lebenshaltungskosten und eine globale Machtpolitik, die Lieferketten und Märkte durcheinanderbringt, machen den Start ins Unternehmertum schwieriger denn je.

Selbstbestimmung schlägt Sicherheit

Auffallend ist, wie breit das Alter der Gründer:innen gefächert ist: Das Durchschnittsalter liegt laut IFJ-Altersanalyse bei 39,1 Jahren. Am häufigsten gründen Menschen zwischen 25 und 44 Jahren, jeder zehnte Gründer ist sogar über 55.

Doch auch unter den ganz Jungen wächst die Lust auf Selbstständigkeit: Zwischen 2021 und 2025 gründeten allein 21- bis 30-Jährige laut SRF-Interview mit Michele Blasucci vom IFJ über 3.500 Unternehmen – Tendenz steigend.

Der Wunsch nach Selbstbestimmung, flexiblen Arbeitszeiten und dem Aufbau von etwas Eigenem scheint stärker zu sein als die Angst vor dem Risiko. Unsicherheit ist für viele kein Hindernis, sondern der Antrieb.

Wer den Sprung wagt, hat dabei statistisch gute Chancen: Rund 68 Prozent der neu gegründeten Firmen existieren nach fünf Jahren noch.

Gründungsexperte warnt vor 3 aktuellen Risiken

Michele Blasucci vom IFJ zählt im Interview mit dem SRF Hürden auf, die Gründer:innen derzeit meistern müssen:

  1. Rohstoff- und Transportkosten können sich kurzfristig ändern (z.B. bei Blockade wichtiger Seewege wie der Strasse von Hormus)
  2. Banken und Investoren sind zurückhaltender geworden.
  3. Konsumenten sind vorsichtiger und kaufen weniger
Vier Personen besprechen Farbmuster und Notizen an einem Besprechungstisch in einem Büro.
Experte Blasucci berichtet, dass in Krisen mit hoher Arbeitslosigkeit mehr Firmen gegründet werden als wenn die Wirtschaft floriert.

Was junge Angestellte im selben Alter verdienen

Wer jung gründet, geht also ein Risiko ein und gibt dabei ein festes Gehalt pro Monat auf. Aktuelle kununu-Gehaltsdaten zu Jahreslöhnen zeigen, was die nicht-selbstständigen Kolleg:innen der Gründer:innen verdienen:

  • 20- bis 25-Jährige: 65.000 CHF brutto
  • 26- bis 30-Jährige: 75.000 CHF brutto

Dieses Sicherheitsnetz lassen Jungunternehmer:innen bewusst hinter sich. Sie möchten eigene Wege gehen und vielleicht sogar mehr verdienen als ihre Gleichaltrigen.

Krise als Nährboden für Neues

Paradoxerweise sind es gerade Krisenzeiten, die Gründungen befeuern. Wenn die Wirtschaft schwächelt und Aufstiegschancen als Angestellte schwinden, entscheiden sich mehr Menschen dafür, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Krisen schaffen Nischen, wecken Bedürfnisse und zwingen zum Umdenken. Die Selbstständigkeit verspricht in diesen Zeiten eine Chance für innovative Ideen, Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung im Arbeitsalltag.

Doch der Boom hat eine Schattenseite: Parallel zu den Rekord-Gründungen stieg 2025 auch die Zahl der Firmenschliessungen. Eine dynamische Wirtschaft bringt eben nicht nur Anfänge, sondern auch Enden.

Wer die richtige Nische zur richtigen Zeit bedient, wird vermutlich aber auch monetär belohnt werden.