Kretschmer gegen die Rentenreform
8.093 Euro weniger im Jahr: Wie der Osten jetzt Merz‘ Rentenpläne blockt
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer droht, die Rentenreform im Bundesrat zu stoppen, weil der Osten weniger verdient und weniger Rente bekommt. kununu Gehaltsdaten zeigen, wie groß die Lücke wirklich ist.
Kretschmer stellt sich quer: keine Zustimmung ohne Änderungen
Die Bundesregierung will ihr Rentenpaket komplett umsetzen, inklusive der Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Dagegen stellen sich die Ministerpräsidenten aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Kretschmer kündigt im Interview mit dem RND an: Ohne Änderungen stimmt Sachsen im Bundesrat nicht zu und ohne die Länder gibt es diese Reform nicht. Er verweist auf die Lebensrealität im Osten: andere Erwerbsbiografien, kaum Betriebsrenten und eine Durchschnittsrente von knapp 1.300 Euro im Monat.
Die Gehaltsdaten geben ihm recht
Wie berechtigt ist das Argument? Sehr, denn die Rentenlücke beginnt nicht erst im Ruhestand, sondern jeden Monat auf dem Gehaltszettel.
Das zeigen aktuelle kununu Gehaltsdaten:
- Durchschnittsgehalt Ost: 44.356 € brutto im Jahr
- Durchschnittsgehalt West: 52.449 € brutto im Jahr
- Differenz: 8.093 € pro Jahr
- In Prozent: Der Westen verdient 18,2 % mehr
*Datenbasis: über 400.000 Gehaltsangaben seit dem 01.01.2026
Weniger Gehalt heute heißt weniger Rente morgen
Die Rente rechnet gnadenlos: Wer weniger verdient, sammelt weniger Rentenpunkte. Einen separaten Ost-Rentenwert gibt es seit der Angleichung nicht mehr, die Lücke entsteht heute allein über die niedrigeren Löhne. Die 18,2 Prozent Gehaltsunterschied von heute sind damit die Rentenlücke von übermorgen. Und weil im Osten Betriebsrenten und private Zusatzversorgung selten sind, fehlt vielen Beschäftigten ein zweites Standbein, das den Unterschied auffängt. Genau deshalb trifft dieselbe Reform Ost und West unterschiedlich hart.
Was die Reform für Beschäftigte ändern würde
Fällt die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, trifft das vor allem Menschen, die früh ins Arbeitsleben gestartet sind, etwa nach einer Ausbildung mit 16 oder 17. Diese Erwerbsbiografien sind im Osten deutlich häufiger, oft in körperlich fordernden Jobs wie Pflege, Handwerk oder Produktion. Wer künftig dennoch früher in Rente gehen will, muss Abschläge hinnehmen und die wiegen bei ohnehin niedrigeren Renten doppelt schwer.