Faustformeln zur Rente
80 Prozent vom Netto: So viel Geld braucht man wirklich im Ruhestand
Wer in Deutschland den Lebensstandard im Alter halten will, braucht laut einer Faustregel der Stiftung Warentest rund 80 Prozent des letzten Nettogehalts. Die gesetzliche Rente allein deckt diesen Bedarf für die meisten nicht, es entsteht eine Rentenlücke, die sich aber mit wenigen Rechenschritten ermitteln lässt.
Warum 80 Prozent als Richtwert gelten
Die 80-Prozent-Regel der Stiftung Warentest beruht auf einer einfachen Beobachtung: Im Ruhestand fallen typische Ausgaben des Berufslebens weg. Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung sind nicht mehr fällig, auch Einzahlungen in die private Altersvorsorge entfallen.
Diese Posten machen laut Olaf Stotz von der Frankfurt School of Finance and Management rund 20 Prozent der Ausgaben aus. Im ARD-Finanzformat 50k betont er aber, dass der Bedarf stark von der Lebensführung abhängt: Wer viel reist, brauche womöglich mehr, wer den Garten dem Flughafen vorzieht, deutlich weniger.
Was die Rentenlücke aussagt
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen Bedarf und tatsächlich zu erwartender Nettorente. Wer sie berechnen will, geht in diesen Schritten vor:
- Letztes Nettogehalt feststellen und davon 80 Prozent als Bedarf ansetzen
- In der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung die prognostizierte Bruttorente nachschlagen
- Kranken- und Pflegeversicherung sowie eventuelle Steuern abziehen, um die Nettorente zu erhalten
- Zusätzliche Einnahmen wie Betriebsrente, private Rente oder Mieteinnahmen einrechnen
- Inflation berücksichtigen, da sie die Kaufkraft über Jahrzehnte mindert

Die 25x-Faustformel von Olaf Stotz
Um das nötige Vermögen grob zu schätzen, nutzt Stotz die 25x-Faustregel. Sie kombiniert die monatliche Rentenlücke mit dem Rentenfaktor aus privaten Rentenversicherungen, der aktuell vielfach bei 25 liegt: 10.000 Euro angespartes Kapital ergeben 25 Euro Monatsrente.
Die Formel lautet: monatliche Rentenlücke mal 12 mal 25. Bei einer Lücke von 2.321 Euro pro Monat ergibt das einen Kapitalbedarf von rund 696.300 Euro – also etwa 700.000 Euro bis zum Renteneintritt.
Die Faustformel liefert eine Hausnummer, kein finales Ergebnis. Inflation, tatsächliche Rentensteigerungen und mögliche Erbschaften verschieben das Bild. Klar wird aber: Wer den Bedarf nicht kennt, kann ihn nicht decken.