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Streit um die Betriebsrente

Pflicht-Betriebsrente: Jeder Zweite geht bisher leer aus

Veröffentlicht:  13. Oktober 2026, 06:10
2 min
Älterer Mann mit Brille als Symbolbild für Betriebsrente und Altersvorsorge.

Rund 18 Millionen Beschäftigte haben eine Betriebsrente – etwa die Hälfte aller Arbeitnehmer:innen in Deutschland. Wie die andere Hälfte dazukommen soll, ist hart umstritten. Ausgerechnet jetzt verliert das zuständige Ministerium seine Chefin.

Kleine Betriebe bleiben außen vor

Die Lücke verläuft entlang der Betriebsgröße. Laut t-online bot 2023 nur jedes vierte Unternehmen mit bis zu vier Beschäftigten eine Betriebsrente an. Rund 57 Prozent der Arbeitgeber verzichten laut Fachverband aba ganz darauf. Leer gehen oft jene aus, die eine Zusatzrente am dringendsten bräuchten: Geringverdiener:innen und Beschäftigte kleiner Firmen.

Euro-Banknoten und Münzen liegen übereinander
In den Niederlanden, Schweden oder Dänemark regeln vielfach Tarifverträge die Betriebsrente – mit Verbreitungsquoten von teils 90 bis 95 Prozent.

Pflicht oder Wahlfreiheit: Die Lager liegen weit auseinander

Auf Empfehlung der Rentenkommission sollen Gewerkschaften und Arbeitgeber im Sozialpartnerdialog Lösungen finden. Die Positionen könnten kaum gegensätzlicher sein:

  • DGB: Pflicht-Betriebsrente, Arbeitgeber zahlen mindestens zwei Prozent des Bruttogehalts
  • Arbeitgeber: keine Pflicht, die Arbeit verteuert – stattdessen Fehlanreize abbauen
  • Versicherer (GDV): Basisprodukt für kleine Betriebe ohne Tarifvertrag
  • Verbraucherschützer (vzbv): automatische Aufnahme ins geplante staatliche Standarddepot

Rückenwind bekommt der DGB von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD): Eine Pflicht würde helfen, das Rentensystem zukunftsfähig zu machen, sagte er im Juni.

Neuer Minister, alte Frist

Bis Jahresende sollen konkrete Maßnahmen stehen. Doch die Auftaktsitzung wurde vertagt, und am 12. Oktober trat Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) aus persönlichen Gründen mit sofortiger Wirkung zurück. Nachfolger soll laut ARD-Hauptstadtstudio Alexander Schweitzer werden, früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Ihm bleiben weniger als drei Monate.

Ist dieser Zeitplan noch zu halten?

Ein Gesetz gibt es schon, die Wirkung ist offen

Seit Januar 2026 gilt das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz: Firmen ohne Tarifvertrag dürfen Beschäftigte automatisch in eine Betriebsrente aufnehmen, Widerspruch bleibt möglich. Ab 2027 fördert der Staat Arbeitgeberbeiträge für Geringverdiener:innen bis 1.200 Euro im Jahr.

Für die Hälfte, die bisher leer ausgeht, zählt am Ende nicht, wer den Dialog leitet – sondern ob daraus ein Angebot im eigenen Betrieb wird.