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Merz' Renten-Beichte

Merz zur Rente: „Hätten das vor 30 Jahren machen müssen“

Veröffentlicht:  16. Juli 2026, 15:22
2 min
Merz mit Mikrofon
©Bundesregierung/Henning Schacht

Bei der Altersvorsorge hat Deutschland 30 Jahre verpasst – eingeräumt hat das Bundeskanzler Friedrich Merz selbst: „Wir hätten das schon vor 30 Jahren machen müssen“, sagte er am 15. Juli auf seiner Sommerpressekonferenz über das neue Altersvorsorgedepot. Versucht hat es das Land längst – vor 24 Jahren, mit der Riester-Rente. Wie das ausging, steht in einer Statistik.

Ein Satz, der 24 Jahre überspringt

Ab dem 1. Januar 2027 fördert der Staat mit dem Altersvorsorgedepot die Anlage in ausgewählte Indexfonds und Anleihen. In Berlin schob der Kanzler nach: „Ich habe immer gesagt, dass die Menschen für Alter und Gesundheit mehr sparen müssen.“

Geförderte Privatvorsorge am Kapitalmarkt gibt es aber seit 2002. Sie heißt Riester und sie schrumpft. Laut Statistik des Bundesarbeitsministeriums sank der Bestand 2025 um 318.000 auf 14,663 Millionen Verträge. Das achte Minusjahr in Folge. Jetzt schafft der Staat sein eigenes Modell ab.

540 Euro vom Staat – wenn 150 Euro übrig sind

Der Nachfolger ist großzügiger: Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag legt der Staat 50 Cent je Euro drauf, auf jeden weiteren bis 1.800 Euro noch 25 Cent. Macht maximal 540 Euro Grundzulage – fällig erst bei 1.800 Euro im Jahr, also 150 Euro im Monat.

Genau dort klemmt es. Für den Vorsorge-Report des Versicherers Axa befragte YouGov im März 2.044 Menschen: Die Hälfte würde gern mehr fürs Alter sparen, kann es sich aber nicht leisten. Nur zehn Prozent bringen 200 bis 300 Euro monatlich auf.

Schilder mit Jahr 2027 und 1997
30 Jahre zu spät: das Altersvorsorgedepot startet 2027, doch ist es auch zeitgemäß?

Was sich zum 1. Januar 2027 ändert:

  • Riester endet im Neugeschäft, das Depot folgt
  • Grundzulage bis 540 Euro, dazu 300 Euro je Kind
  • Vor dem 25. Geburtstag: 200 Euro Startbonus
  • Standarddepot: Kostendeckel ein Prozent
  • Alte Riester-Verträge bleiben geschützt

Die Frist, die kaum jemand kennt

Wer Riester zu alten Konditionen möchte, hat bis zum 31. Dezember 2026 Zeit. Parallel empfahl die Alterssicherungskommission am 23. Juni eine verpflichtende Kapitalrente, je zur Hälfte von Beschäftigten und Arbeitgebern finanziert. Alle 33 Empfehlungen sollen umgesetzt werden.

Bleibt die Frage, was die Beichte wert ist. Wer 30 verlorene Jahre einräumt, benennt eine Lücke, die die Politik entstehen ließ. Schließen sollen sie nun die Beschäftigten. Die entscheidende Zahl steht deshalb nicht im Gesetz, sondern auf dem Kontoauszug. Wer die 150 Euro übrig hat, für den beginnt 2027 ein besseres Modell. Wer nicht, verliert auch die nächsten 30 Jahre.