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Reformpaket 2026

Merz‘ Attestpflicht kommt – während Bundesbehörden selbst über dem Schnitt liegen

Veröffentlicht:  5. Juli 2026, 07:07
2 min
Person liegt im Bett und hält ein Fieberthermometer in den Händen; daneben steht eine Taschentuchbox auf dem Bett.

25,2 Krankheitstage pro Kopf und Jahr zählte der deutsche Bundesrat 2024 – deutlich mehr als der bundesweite Schnitt von 14,8 Tagen. Gleichzeitig bemängelt Friedrich Merz, dass Angestellte zu häufig krank seien und versucht das mit einer Reform zu unterbinden.

Die Reform

Der Koalitionsausschuss aus Union und SPD hat sich am 2. Juli 2026 auf ein Reformpaket geeinigt. Kernpunkt: Ein ärztliches Attest soll künftig schon ab dem ersten Krankheitstag nötig sein, bisher galt das erst ab Tag vier. Die telefonische Krankschreibung entfällt, falsche Atteste werden härter bestraft. Kanzler Friedrich Merz begründete den Schritt mit einem „Wettbewerbsnachteil durch lange Abwesenheiten“. Betriebe können per Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung abweichen.

Ist Deutschland „Europameister“ bei Krankschreibungen?

Die Reform stützt sich auf die Annahme, Deutschland liege im europäischen Vergleich an der Spitze. Eine IGES-Studie im Auftrag der DAK relativiert das: Die oft zitierte OECD-Zahl (24,9 Fehltage, 2022) beruht auf nicht vergleichbaren Erfassungssystemen. Beim vergleichbaren European Labour Force Survey liegt Deutschland nur im oberen Mittelfeld, hinter Norwegen, Finnland und Spanien. Mitverantwortlich für die hohen deutschen Werte ist das das elektronische Meldeverfahren (eAU). Seit 2022 erfasst es Krankschreibungen lückenlos, während andere Länder ungenauer zählen.

Person sitzt in einem Strickpullover mit der Hand an der Stirn in einem Innenraum.
Das Gesetzgebungsverfahren steht noch aus. Da es scharfe Kritik hagelt, sind Anpassungen nicht unwahrscheinlich.

Kritik an der Wirkung

AOK und Hausärzteverband warnen, dass ein sinkender Krankenstand nicht automatisch gesündere Beschäftigte bedeutet, sondern mehr Präsentismus zur Folge haben kann. Zudem drohe mehr Bürokratie in den Praxen, wenn auch leichte Erkrankungen künftig ärztlich attestiert werden müssen.

Die Krankheitstage in den eigenen Reihen liegen über dem Durchschnitt

Laut einer Übersicht des Bundesinnenministeriums lagen die Krankheitstage in wichtigen Bundesbehörden 2024 mit durchschnittlich 15,2 Tagen pro Beschäftigtem leicht über dem bundesweiten Schnitt von 14,8 Tagen. Zwischen den Institutionen gab es dabei große Unterschiede:

  • Am häufigsten fehlten Beschäftigte im Bundesrat mit 25,2 Krankheitstagen,
  • gefolgt vom Bundestag mit 22,3 Tagen
  • und dem Bundesfamilienministerium mit 21,5 Tagen.

Das Gesetzgebungsverfahren steht noch aus. Fraglich ist, wie die Reform organisatorisch in den Praxen und Krankenkassen umgesetzt werden wird.