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Ein Kind isst ein Stück Kuchen am Tisch

Umfrage: Großteil der Österreicher:innen kann sich keine Kinder mehr leisten

Sich ein sicheres Leben aufbauen, einmal im Jahr verreisen und eine Familie gründen – das sind die größten Wünsche vieler unselbstständig Beschäftigter in Österreich. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft allerdings eine deutliche Lücke. Kinder zu bekommen halten nur noch 29 Prozent der Befragten für leistbar. Das zeigt der aktuelle kununu Happiness Index, eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag der Arbeitgeber-Vergleichsplattform kununu.

Finanzielle Sicherheit ist Österreicher:innen wichtig

Bei langfristigen Lebensentscheidungen wird deutlich, wie stark finanzielle Einschränkungen den Alltag der Arbeitnehmer:innen in Österreich prägen. Während Reisen oder kleinere Ausgaben für viele noch möglich sind, rückt die Familiengründung für einen Großteil der Beschäftigten in immer weitere Ferne.

Noch vor der Frage nach Kindern steht aber ein anderes Ziel im Mittelpunkt: Die langfristige finanzielle Absicherung. 87 Prozent der unselbstständig Beschäftigten geben an, dass es ihnen wichtig ist, mit ihrem Gehalt etwa durch Altersvorsorge oder Sparpläne für die Zukunft vorzusorgen. Besonders ausgeprägt ist dieses Bedürfnis bei Frauen (90 Prozent), bei Männern liegt der Wert etwas geringer bei 83 Prozent.

Trotz des starken Bedürfnisses nach finanzieller Absicherung halten es lediglich 39 Prozent der Befragten für leistbar, tatsächlich in ihre Vorsorge zu investieren. Männer sehen sich dabei etwas häufiger in der Lage (43 Prozent) als Frauen (35 Prozent).

Hohe Kaufkraft in Österreich

Die Kaufkraft in Österreich befand sich im Jahr 2025 auf einem Allzeit-Hoch und lag pro Person bei 29.852 Euro. Eigentlich könntest du dir theoretisch also so viel leisten, wie noch nie. Wenn da nur nicht die Inflation wäre, die die Preise nach wie vor in die Höhe treibt.

Vergleicht man beispielsweise allein die Preise von Schokolade oder Kaffee mit jenen von 2024, sind diese 2025 zwischen 30 und 40 Prozent gestiegen. Das ergab eine Erhebung der Arbeiterkammer.

Familiengründung? Unleistbar!

Neben finanzieller Sicherheit spielt auch Freizeit und Erholung eine zentrale Rolle. Immerhin 74 Prozent der Befragten möchten sich mit ihrem Gehalt leisten können, mindestens einmal im Jahr zu verreisen. Diesen Wunsch können nur 63 Prozent von ihnen zur Realität werden lassen.

Deutlich dramatischer fällt die Bilanz bei der Familiengründung aus. Zwar ist es 61 Prozent der Österreicher:innen wichtig, eine Familie zu gründen oder ihre Kinder später finanziell abzusichern. Ernüchternde 29 Prozent halten das jedoch mit ihrem aktuellen Einkommen für möglich. Damit ist die Familiengründung jener Lebensbereich, bei dem Wunsch und finanzielle Machbarkeit am weitesten auseinanderliegen – noch vor finanzieller Absicherung oder Urlaub.

Luxus bleibt zweitrangig

Klassischer Luxus spielt im Alltag vieler unselbstständig Beschäftigter im Vergleich zum Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit und der Gründung einer Familie eine eher untergeordnete Rolle.

Ein Cabrio oder Sportwagen ist für 33 Prozent der Männer und 28 Prozent der Frauen wichtig. Leisten können sich das 21 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen. Teure Kleidung oder kostspielige Uhren sind für noch weniger Menschen relevant und werden entsprechend selten tatsächlich angeschafft.

Der große Luxus muss vielleicht nicht sein, aber dein Gehalt sollte dich natürlich trotzdem glücklich machen. Wie viel Geld hätten Arbeitnehmer:innen gern?

Prioritäten: Das wünschen sich Österreicher:innen

Der kununu Happiness Index macht sichtbar, welche Lebensbereiche sich die Österreicher:innen leisten können und wollen. Die fünf häufigsten Wünsche und ihre Leistbarkeit in der Übersicht:

WunschWichtig fürTatsächlich leistbar für
Langfristige finanzielle Sicherheit87 Prozent39 Prozent
Mindestens einmal im Jahr verreisen74 Prozent63 Prozent
Familie gründen61 Prozent29 Prozent
Restaurantbesuche58 Prozent75 Prozent
Sport-, Kultur- und Eventbesuche53 Prozent60 Prozent

Little Treats beleben den Alltag

Große und langfristige Lebensziele bleiben für die meisten Beschäftigten in Österreich außer Reichweite. Stattdessen setzen sie ihr verfügbares Einkommen zunehmend für kleine Annehmlichkeiten des Alltags ein – sogenannte Little Treats.

Am beliebtesten sind Restaurantbesuche. 58 Prozent der Befragten ist es wichtig, sich Essen gehen leisten zu können. Davon gehen 75 Prozent tatsächlich regelmäßig in Restaurants. Männer und Frauen liegen hier nahezu gleichauf. Auch Besuche von Konzerten, Sportevents oder anderen Veranstaltungen spielen im Alltag der Österreicher:innen eine große Rolle. Erfreulicherweise reicht das Gehalt von 60 Prozent von ihnen für solche Erlebnisse aus.

„Die Ergebnisse verdeutlichen, dass neben langfristigen Investitionen auch kleinere Freuden von Bedeutung sind.

Vor allem in wirtschaftlich und weltpolitisch angespannten Zeiten würden sich viele Menschen fragen, ob konsequenter Verzicht langfristig tatsächlich zum gewünschten Ziel führt. Kleine Belohnungen mit schneller Wirkung seien daher „groß im Kommen“, wie Nina Zimmermann ergänzt.

Das Glücksempfinden bleibt hoch

Der kununu Happiness Index macht deutlich, dass das Gehalt bei vielen Österreicher:innen heute nur für das kleine Glück im Hier und Jetzt reicht. Große Zukunftspläne mit langfristiger finanzieller Absicherung können nur wenige schmieden. Die Gründung einer Familie wird damit zunehmend zu einem Luxus, den sich nur noch ein kleiner Teil der Erwerbstätigen leisten kann.

Bisher scheint sich diese Diskrepanz aber noch nicht auf das Glücksempfinden der meisten unselbstständig Beschäftigten in Österreich auszuwirken. 66 Prozent der Befragten geben in der Studie an, insgesamt glücklich zu sein. Besonders wichtig für das persönliche Glücksempfinden sind dabei Partnerschaft (62 Prozent), Gesundheit (59 Prozent) und Freizeit (57 Prozent). Die finanzielle Sicherheit spielt zwar ebenfalls eine Rolle, landet im Ranking der allgemeinen Glücksfaktoren jedoch nur auf dem fünften Platz.

Über die Studie

Für den kununu Happiness-Index 2025 befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag von kununu im Juli und August 2025 insgesamt 1.002 volljährige unselbstständig Beschäftigte repräsentativ für ganz Österreich.