Flops: Diese ehemaligen Top-Branchen enttäuschen beim Gehalt
Vergleichsweise hohe Gehälter, aber kaum Wachstum: Laut dem kununu Gehaltscheck 2026 landen drei Branchengrößen beim Gehaltsanstieg in Deutschland ganz unten. Bei Automobil, Recht und Finanzen treten die Angestellten derzeit gehaltsmäßig auf der Stelle.
Automobil: Druck von allen Seiten
Mit gerade mal 0,1 Prozent Gehaltsanstieg ist die Automobilbranche das klare Schlusslicht im kununu Branchenranking. Wer dort auf ein saftiges Plus auf dem Gehaltszettel gehofft hat, schaut momentan ziemlich in die Röhre.
Laut Statistischem Bundesamt verlor die Branche bis Ende des 3. Quartals 2025 außerdem rund 48.700 Stellen: Das ist der stärkste Jobabbau aller großen Industriebranchen. Seit 2019 sind damit insgesamt über 110.000 Jobs weggefallen.
Der Umbau zur Elektromobilität kostet Milliarden. Gleichzeitig bricht der Absatz in China ein, während heimische Anbieter aus Asien mit aggressiven Preisen drücken. Viele Hersteller und Zulieferer sitzen auf Überkapazitäten und fahren harte Sparprogramme. Und es sieht so aus, als ob dieser Trend noch eine Weile anhalten würde.

Ob Automobilbranche, Rechts-Sektor oder Finanzbranche: Hier haben sich die Gehälter am wenigsten stark entwickelt.
Recht: Eine träge Entwicklung
Im juristischen Sektor steigen die Gehälter mit 1,3 Prozent nur minimal stärker als bei den Autos. Klar, auch hier ist das Niveau schon recht hoch: Einstiegsgehälter in Kanzleien und Rechtsabteilungen liegen im Schnitt über 50.000 Euro jährlich.
Gerade durch KI steigt aber auch der Effizienzdruck in Rechtsabteilungen. Die Tools übernehmen zunehmend Standardaufgaben wie Vertragsanalysen oder Recherchen. Das sind Bereiche, die früher häufig von Berufseinsteiger:innen bearbeitet wurden. Statt breiter Gehaltsanpassungen setzt die Branche eher auf Boni, Sonderleistungen und variable Vergütung. Das bilden die Durchschnittswerte kaum ab.
Finanzen: Umgebaut, aber kaum gewachsen
Mit 2,4 Prozent Gehaltsanstieg liegt die Finanzbranche zwar vor Auto und Recht, aber noch weit unter dem Niveau der stärksten Wachstumsbranchen. Laut der Robert Walters Gehaltsstudie sind die Gehälter für Spitzenpositionen in Banken und Finanzdienstleistungen sogar zurückgegangen. Investitionen fließen wenn dann gezielt in Nachwuchskräfte, um im Wettbewerb um Talente mithalten zu können.
Die Ursachen sind struktureller Natur: Seit der Finanzkrise haben Regulierungswellen die Branche aufwendig umgebaut. Digitalisierung, Filialabbau und Automatisierung haben die Personalstrukturen verschlankt. Wer heute in einer Bank oder einem Versicherungsunternehmen arbeitet, hat zwar im Schnitt ein solides Gehalt, es wächst aber eher langsam.
Was das für die Karriereplanung bedeutet
Drei Branchen mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen – aber das Ergebnis ist dasselbe: In einigen der ehemaligen Top-Branchen brauchen Angestellte im Moment einen längeren Atem, bis es finanziell vorangeht.
- Automobil: Strukturwandel und Jobabbau lähmen das Gehaltswachstum, eine schnelle Trendwende ist eher nicht absehbar
- Recht: Die Gehälter sind notorisch hoch, KI verändert die Wertschöpfung von unten
- Finanzen: Regulierung, Digitalisierung und Konsolidierung begrenzen den Spielraum
Wer also aktuell mit dem Gedanken spielt, die Branche zu wechseln, sollte die Gehaltsdynamik als eigenständigen Faktor miteinrechnen. Denn ein hohes Einstiegsgehalt in einer stagnierenden Branche kann langfristig weniger wert sein als ein moderater Start in einem Sektor, der gerade strukturell wächst.