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Brandbrief deutscher Start-ups

Zehn Forderungen an Merz: Ein Realitäts-Check der Start-up-Welt

Veröffentlicht:  23. Juni 2026, 05:45
2 min
Vier Frauen besprechen gemeinsam Unterlagen und Entwürfe an einem Tisch im Büro

Mehr als 100 Gründer:innen fordern von Bundeskanzler Friedrich Merz mit einem Zehn-Punkte-Plan bessere Bedingungen für den Standort Deutschland. Doch kununu verschiebt die Perspektive: Bei Unterzeichnern wie Ecosia und Flix entscheidet sich Wachstum nicht nur in Berlin, sondern jeden Tag im Büro. Die Bewertungen zeigen, wo Anspruch und Wirklichkeit auseinanderdriften.

Mehr Kapital, weniger Bürokratie: die Kernforderungen

Der Appell „Für eine neue Gründerzeit, jetzt“ bündelt zehn Punkte. Im Kern sollen Geld, Talente und Tempo zusammenkommen, ohne dass die Bürokratie bremst.

Die wichtigsten Forderungen im Überblick:

  • Finanzierung: leichterer Zugang zu Wagniskapital, auch über die Altersvorsorge
  • Mitarbeiterbeteiligung: Sozialabgaben erst, wenn das Geld fließt
  • Bürokratieabbau: Gründung in 24 Stunden, Stopp für neue Vorgaben
  • Skalierung: eine einheitliche europäische Gesellschaftsform „EU Inc.“
  • Infrastruktur: massiver Ausbau von Rechenzentren und KI-Kapazitäten

Ecosia: Starkes Image, schmale Datenbasis

Ecosia steht für Purpose und Nachhaltigkeit und kommt bei den Beschäftigten gut weg. 33 sichtbare Bewertungen ergeben einen Schnitt von 3,64, gut 83 Prozent würden den Arbeitgeber weiterempfehlen. Image, Team und Work-Life-Balance punkten. Bei der kleinen Datenbasis lohnt aber ein Blick auf Kommunikation und Führung.

Flix: Starkes Team, spürbare Scale-up-Schmerzen

Ganz anders bei Flix, das für rasantes Wachstum steht. 504 Bewertungen ergeben einen Schnitt von 3,44 und 68 Prozent Weiterempfehlung. Der Teamzusammenhalt glänzt mit 4,14, doch Gehalt und Sozialleistungen (3,06), Karriere (3,25) und Kommunikation (3,40) fallen deutlich ab. Auffällig: Aktuelle Beschäftigte urteilen milder als ehemalige.

Wo die Daten die Forderungen einholen

Hier treffen Politik und Praxis aufeinander. Bessere Regeln für Mitarbeiterbeteiligung fordert die Szene lautstark – bei Flix klingt Equity in einzelnen Freitexten an, während Gehalt und Sozialleistungen mit 3,06 schwächeln; bei Ecosia fehlen klare Treffer. Kündigung und Restrukturierung sind bei Flix ein Thema, vor allem bei Ehemaligen. 

Auch der Ruf nach weniger Bürokratie hat ein Echo: Prozesse, Organisation und internationale Skalierung tauchen bei Flix häufig auf, bei Ecosia seltener. Tech- und Infrastruktursignale gibt es bei beiden, bei Flix besonders stark – das Scale-up macht die Wachstumsschmerzen sichtbar.

Hinter den Brandbrief gehört damit ein zweiter Satz: Wachstum braucht nicht nur Kapital und kluge Regeln, sondern genauso Führung, faire Vergütung und Karrierewege – sonst werden aus Start-ups keine attraktiven Arbeitgeber.