Arbeitsplatz Schule
45 Prozent gestresst: Was Schulen als Arbeitgeber fehlt
Fast jede zweite Lehrkraft in Deutschland nennt das Verhalten von Schüler:innen als größten Stressfaktor: 45 Prozent. Nur 8 Prozent sehen die Ursache im eigenen Classroom Management. Der größere Teil des Drucks entsteht woanders – genau dort setzen die Arbeitgeberbewertungen von Schulen an.
Schülerverhalten steht ganz oben, die Verwaltung direkt dahinter
Für die Umfrage des Deutschen Philologenverbands (DPhV) und des Portals Lehrer-Online antworteten im Februar 2026 bundesweit 1.020 Lehrkräfte auf Fragen zu ihrer Gesundheit, die Ergebnisse lagen zunächst WELT vor.
Gefragt wurde unter anderem, was im Schulalltag am stärksten belastet – Mehrfachnennungen waren möglich:
- 45 Prozent: herausforderndes Verhalten von Schüler:innen
- 39 Prozent: administrative und organisatorische Aufgaben
- 38 Prozent: Schwierigkeiten, Berufs- und Privatleben zu trennen
- 25 Prozent: heterogene Lerngruppen
Nur 8 Prozent sehen die Ursache bei sich selbst
Der DPhV zieht daraus einen Umkehrschluss: Für die übrigen 92 Prozent lägen die Gründe im System. Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing nennt es „kein individuelles Erschöpfungsproblem“. Dass der Druck wächst, zeigt das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung: Dort stieg der Anteil, der Schülerverhalten als größte Belastung nennt, von 35 Prozent (2024) auf 46 Prozent (2026).

Arbeitsorganisation fällt auch in den Bewertungen auf
6.607 öffentliche kununu Bewertungen deutscher Schul-Arbeitgeber, abgegeben seit Januar 2021, zeigen dasselbe Muster: In negativen Bewertungen taucht die Arbeitsorganisation in 37 Prozent der Fälle auf, im Bundesvergleich mit anderen Branchen sind es 30 Prozent.
Die Sterne-Scores stützen das:
- Kommunikation 3,19 statt 3,40 Sterne
- Führung 3,41 statt 3,53 Sterne
- Gesamtbewertung 3,56 statt 3,68 Sterne
Am größten ist der Abstand beim Gehalt: 3,20 statt 3,48 Sterne – dort entscheidet an staatlichen Schulen allerdings das Tarifrecht.
Das Team trägt, die Strukturen bremsen
Teamwork ist mit 3,88 Sternen die stärkste betrachtete Kategorie, bleibt aber unter dem Bundeswert von 3,96 Sternen. Die Work-Life-Balance liegt mit 3,65 sogar leicht über dem Bundeswert von 3,62 Sternen – obwohl in der Befragung 38 Prozent Beruf und Privatleben kaum trennen können. Weiterempfohlen werden Schulen zu 63,4 Prozent, statt 67,7 Prozent durch alle Branchen.
Eine Bewertung eines freien Schulträgers mit 1,23 Sternen nennt „regelmäßige Termine außerhalb der regulären Arbeitszeit“, hohe Fluktuation und ungleiche Maßstäbe im Umgang mit Mitarbeitenden – die Erfahrung einer einzelnen Person, kein Befund für die Branche.
Am Verhalten der Schüler:innen ändert sich kurzfristig wenig. An Vertretungsregeln, Informationswegen und der Verteilung von Verwaltungsaufgaben dagegen sehr wohl. Entlastung ist nach diesen Daten weniger eine Frage persönlicher Resilienz als eine Frage guter Organisation.