Bewerbung & Etikette
Mit Iced Coffee ins Vorstellungsgespräch: Unhöflich oder Nebensache?
Ein Iced Coffee im Bewerbungsgespräch sorgt für Diskussionen: Für manche wirkt er locker, für andere unprofessionell. Karriereexpertinnen und Recruiter bewerten das Phänomen unterschiedlich – Branche, Unternehmen und Gesprächssituation spielen mit hinein. Der Streit zeigt, wie verschieden die Erwartungen an Professionalität sind.
Der Becher steht für unterschiedliche Erwartungen
Für viele aus der Gen Z ist der Iced Coffee ein ganz normales Getränk. Dr. Colleen Batchelder, die junge Menschen beim Berufseinstieg unterstützt, sieht eine Lücke zwischen deren Gewohnheiten und den Erwartungen mancher Recruiter. Wenn der Kaffeebecher ein Problem sei, sollte das laut ihr schon in der Einladung stehen.

Kalte Hände und Kleckern können ablenken
Karriereexpertin Amanda Augustine würde den Kaffee vor dem Gespräch austrinken: Kalte oder feuchte Hände, Kaffeegeruch und Kleckern seien vermeidbare Risiken. Ein pauschales Verbot hält sie dennoch für überholt; Branche und Unternehmenskultur spielten mit hinein.
Wer unsicher ist, kann diese Punkte beachten:
- Drink vor dem Gespräch austrinken.
- Für die Begrüßung freie, trockene Hände haben.
- Kaffeegeruch und Flecken vermeiden.
- Ein angebotenes Getränk annehmen und das Büro kennenlernen.
- Branchenerwartungen beachten.
kununu HR rät, den ganzen Auftritt zu betrachten
Christina Ye-Gruenner von kununu betont, dass es keine pauschale Regel gibt:
„Ob ein Iced Coffee im Bewerbungsgespräch angemessen ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Das hängt vom jeweiligen Unternehmen, der Gesprächssituation und dem Umfeld ab. Für mich zählen die Vorbereitung, das gegenseitige Interesse und die Art, wie wir miteinander kommunizieren. Wichtig ist, das Gesamtbild zu betrachten und einzelne Aspekte des Auftretens im jeweiligen Kontext einzuordnen. Recruiting bedeutet für mich, Menschen differenziert zu beurteilen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.“
Ein Getränk entscheidet nicht allein über den Eindruck
Unterm Strich ist das Kaffeegetränk kein verlässlicher Maßstab für Professionalität. Im Zweifel hilft ein Blick auf Einladung und Gesprächsumfeld; im Termin sollten Inhalte und Austausch im Mittelpunkt stehen.