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Arbeitskultur im Vergleich

Amerikanischer Google-Workaholic: „Ihr Deutschen arbeitet, um gut zu leben.“

Veröffentlicht:  25. September 2026, 08:11
2 min
drei Kollegen bei einer Besprechung.

Null bezahlte Urlaubstage schreibt das US-Bundesrecht vor, in Deutschland sind es bei einer Fünftagewoche mindestens 20. Den Google-Mitarbeiter David Valdes überraschte das nach dem Umzug nach München. Doch das Gesetz erzählt nur die halbe Geschichte.

Ein freier Tag, von dem er noch nichts wusste

Vor drei Jahren zog Valdes der Liebe wegen von San Francisco nach München. Sein deutscher Vertrag brachte Urlaub, Lohnfortzahlung und Kündigungsschutz. Dann heiratete er. „Als ich vor Kurzem geheiratet habe, bekam ich einen freien Tag – davon hatte ich noch nie gehört“, sagte der 34-Jährige der Süddeutschen Zeitung.

Ausdrücklich steht der Hochzeitstag in keinem Gesetz. Greifen kann § 616 BGB, der aber oft vertraglich ausgeschlossen ist.

Anders beim Rest:

Eine Frau schnäuzt in ein Taschentuch.
Bis zu zwölf Wochen Freistellung pro Jahr garantiert der US-Family and Medical Leave Act bestimmten Beschäftigten – allerdings unbezahlt.

Deutscher Vertrag, amerikanischer Takt

Diese Regeln gelten auch bei Google in München. Dort zähle aber nur das Ergebnis, sagt Valdes, wegen einer Erkältung melde sich deshalb niemand krank. Sein Fazit: „Wir Amerikaner leben für den Job – ihr Deutschen arbeitet, um gut zu leben.“ Der Workaholic musste seiner Frau versprechen, nach 22 Uhr und sonntags nicht mehr zu arbeiten.

Weniger Stunden, neuer Streit

Laut OECD arbeiteten Erwerbstätige in Deutschland 2025 im Schnitt 1.332 Stunden, den niedrigsten Wert im Vergleich. In den USA waren es 1.800. Teilzeit, Urlaub und Krankheit drücken den Wert, die OECD rät von direkten Ländervergleichen ab. Am Acht-Stunden-Tag wird zudem gerüttelt: Ein noch nicht beschlossener Entwurf aus dem Haus von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) will Tarifparteien eine wöchentliche Höchstarbeitszeit erlauben.

Valdes ist inzwischen weitergezogen: Seine Frau fand einen Job in Zürich, Google hat auch dort einen Standort. Seine „American Culture“ nimmt er mit. Gutes Leben steht eben nicht allein im Gesetz. Seine wichtigste Arbeitszeitregel schrieb kein Ministerium, sondern seine Frau.