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Streit um den Acht-Stunden-Tag

Merz‘ wöchentliche Höchstarbeitszeit: Die Frage ist, wer sie planen darf

Veröffentlicht:  19. August 2026, 05:33
2 min
Bundeskanzler Friedrich Merz vor einem Pressestatement zur Kabinettsumbildung mit Nina Warken, Bundesministerin für Gesundheit (l.), Philipp Amthor, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung (3.v.l.) und Carsten Linnemann, Generalsekretär der CDU, vor dem Bundeskanzleramt.
Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

53 Prozent der Beschäftigten in Deutschland wünschen sich kürzere Arbeitszeiten, nur 7 Prozent längere. Die Koalition plant trotzdem ein Gesetz, das die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche ersetzt. Entscheidend wird nicht die Wochenzahl, sondern wer sie verteilt.

Acht Stunden bleiben die Regel – aber nicht überall

Bisher gilt: acht Stunden am Werktag, mit Ausgleich bis zu zehn. Ein interner Entwurf aus dem Bundesarbeitsministerium erlaubt Tarifparteien stattdessen ein Wochenmodell mit höchstens 48 Stunden im Schnitt. Einzelne Tage dürften dann auch spontan länger als zehn Stunden dauern, die elfstündige Ruhezeit begrenzt sie aber auf maximal 13. 

Justitia-Figur und Richterhammer vor Bücherregalen im Gerichtssaal
Beschlossen ist noch nichts: Bundeskanzler Friedrich Merz erwartet den Entwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas im Herbst.

Arbeitgeber verweisen auf Europa

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger macht Tempo: Das Arbeitszeitgesetz stamme „aus der Ära von Telex und Wählscheibe“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Wer in Auftragsspitzen länger arbeite, könne an anderen Tagen früher gehen.

Ab der neunten Stunde steigt das Unfallrisiko

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hält dagegen: Ab der neunten Arbeitsstunde wächst das Unfallrisiko exponentiell. WSI-Forscherin Yvonne Lott hat Arbeitstage untersucht, die zweimal beginnen – morgens im Job, abends erneut am Laptop. Ihr Befund aus Daten von rund 21.000 Beschäftigten: Nicht die vertragliche Arbeitszeit steigt, sondern die Überstunden.

Echte Flexibilität zeigt sich an vier Punkten:

  • Wie früh der Dienstplan feststeht
  • Ob Änderungen einseitig angeordnet werden
  • Ob jede Überstunde erfasst und ausgeglichen wird
  • Ob ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung gilt

Für Eltern zählt der einzelne Tag

Kitas und Horte schließen spätestens um 17 Uhr. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten befürchtet, dass Eltern ihre Stunden vorsorglich kürzen, damit der Arbeitstag zur Betreuung passt. Gewerkschaftssekretärin Romy Grahnert sieht „eine sehr große Teilzeitfalle“ – mit Folgen fürs Einkommen und für die Rente. Bei Vätern wollen 63 Prozent kürzer arbeiten, bei Müttern 43 Prozent.

Die Reform verspricht mehr Spielraum und verteilt ihn zugleich neu. Gewünscht hat die Mehrheit das Gegenteil: kürzere Arbeitszeiten, nicht längere. Ob daraus Freiheit wird oder ein unplanbarer Feierabend, entscheidet, wer den Dienstplan schreibt.