Bewerbungstipps
Falsche Bestellung beim Frühstück: So testete ein Finanzchef Bewerbende
In einem Interview aus dem Jahr 2016 erzählt Walt Bettinger, damals CEO der Charles Schwab Corporation, von einem ungewöhnlichen Bewerbungstest. Eine falsch servierte Bestellung soll ihm zeigen, wie Bewerbende mit Stress, Frust und anderen Menschen umgehen. Ob Bettinger die Methode heute noch verwendet, ist nicht bekannt.
Der Trick beginnt, bevor das Frühstück kommt
Walt Bettinger lädt Kandidatinnen und Kandidaten zum Frühstück ein. Doch der entscheidende Moment ist vorbereitet: Vor dem Termin weist er den Restaurantleiter an, die Bestellung absichtlich zu verändern. Aus Rührei werden beispielsweise Spiegeleier.
Damit wird aus einem gewöhnlichen Frühstücksgespräch eine heimliche Prüfung. Dann zählt für den Chef offenbar nicht mehr nur der Lebenslauf, sondern vor allem die Reaktion auf den kleinen Fehler:
- verärgert reagiert,
- sich über den Fehler beschwert,
- verständnisvoll bleibt,
- ruhig nach einer Lösung fragt.

Ruhig bleiben und den Fehler ansprechen
Der HR Projektmanager Daniel Wörz empfiehlt laut Buzzfeed News Bericht weder demonstratives Schweigen noch eine wütende Beschwerde. Sinnvoller sei eine ruhige Nachfrage, etwa ob das servierte Gericht tatsächlich für die betreffende Person bestimmt sei und was ursprünglich bestellt wurde.
Damit bliebe die Reaktion ehrlich, ohne unnötig konfrontativ zu wirken. Ein Fehler im Restaurant könne so zum Anlass für ein entspanntes Gespräch werden. Die Botschaft dahinter lautet: Höflichkeit und Selbstbeherrschung zählen, aber eine berechtigte Rückfrage ist kein Ausraster.
Cleverer Test oder unfairer Machttrick?
Der Frühstückstest hat einen starken Aha Effekt, weil er eine Bewerbungssituation scheinbar alltäglich macht. Trotzdem bleibt die Methode problematisch. Eine einzelne Reaktion kann von vielen Faktoren abhängen:
- Nervosität im Bewerbungsgespräch,
- kulturelle Unterschiede im Umgang mit Servicepersonal,
- gesundheitliche oder religiöse Gründe,
- Missverständnisse bei der Bestellung,
- die Frage, wie dringend jemand tatsächlich essen muss.
Aus einem kurzen Moment lässt sich deshalb kaum sicher auf die spätere Arbeitsweise schließen. Für eine faire Personalauswahl sind nachvollziehbare Kriterien, strukturierte Fragen und realistische Arbeitsproben belastbarer. Auch der HR-Projektmanager Daniel Wörz betont, dass fachliche Kompetenz und menschliche Passung gemeinsam betrachtet werden sollten.
Der ungewöhnliche Test zeigt vor allem, wie weit manche Führungskräfte gehen, um Bewerbende in einer ungeplanten Situation zu beobachten. Für die Auswahlentscheidung sollte ein falsch serviertes Frühstück allerdings nicht wichtiger sein als Qualifikation, Erfahrung und ein respektvoll geführtes Gespräch. Denn wer Menschen heimlich auf die Probe stellt, prüft nebenbei auch die eigene Führungskultur.